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Bernische Gemeinden sollen künftig vor allem nach innen wachsen

Schluss mit «Siedlungskrebs» in der Landschaft: der Kanton Bern will bevölkerungsmässig zwar wachsen, dies aber bodensparend tun.

Gemeinden sollen also nicht einfach mehr am Ortsrand neue Bauzonen anhängen und immer mehr ausfransen. (Archiv)
Gemeinden sollen also nicht einfach mehr am Ortsrand neue Bauzonen anhängen und immer mehr ausfransen. (Archiv)
Manu Friederich

Mit dem überarbeiteten Richtplan sagt die Berner Kantonsregierung wie das geschehen soll: Gemeinden sollen verstärkt in ihrem Innern wachsen.

Die Zeiten seien vorbei, als Gemeinden an ihren Siedlungsrändern jeweils einfach noch ein Stück Bauland ansetzen konnten, sagte der bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus am Donnerstag vor den Medien.

Verdichtetes Bauen in Zentren und Agglomerationen heisst das neue Zauberwort, seit Annahme des neuen Raumplanungsgesetzes im März 2013 durch das Schweizer Volk. Im Kanton Bern stiess das Begehren, die Zersiedelung zu stoppen und Kulturland zu schützen, seinerzeit mit einem Ja-Anteil von fast 67 Prozent auf besonders deutliche Zustimmung.

SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus sprach von «einer Zäsur» und «einem Paradigmenwechsel», der dem Kanton nun ins Haus stehe. Mit der Überarbeitung des kantonalen Richtplans wird den Bundesvorgaben Rechnung getragen.

Dichter bauen sei oft besser, weil bodensparend, energieeffizient und gut erschlossen. Es gehe aber auch nicht darum, die Gemeinde unbegrenzt zu verdichten, «dass man am Ende nicht einmal mehr die Fensterläden öffnen kann», versuchte Neuhaus allfälligen Befürchtungen vorzugreifen.

Der Kanton Bern verfolge schon seit geraumer Zeit das Ziel der haushälterischen Bodennutzung, das sei also nicht neu, betonte Neuhaus.

Bodensparend wachsen

Der Kanton Bern soll im schweizerischen Durchschnitt wachsen, also in den nächsten 25 Jahren rund 10,5 Prozent. So möchte es die Berner Kantonsregierung. Der Kanton Bern werde oft vorgehalten, er sitze den anderen Kantonen beim nationalen Finanzausgleich auf der Tasche, sagte Neuhaus. Darum brauche es eben Wachstum.

Gegenüber dem angestrebten Bevölkerungswachstum soll das Siedlungsgebiet von aktuell gegen 27'000 Hektaren nur etwa halb so stark wachsen.

Die Siedlungsentwicklung im Innern werde daher künftig zum Normalfall, führte Neuhaus aus. Einzonungen werde es nur noch in gut begründeten Fällen geben. Vorab soll dies an zentralen Orten, aber auch in regionalen Zentren möglich sein.

Kantonsplanerin Katharina Dobler rechnete vor, dass in den Wohn-, Misch- und Kernzonen im Kanton Bern derzeit rund 7,3 Prozent der Flächen nicht überbaut sind. Verdichtungspotenzial sieht Dobler beispielsweise auch bei bereits überbauten Flächen sowie bei Umnutzungen von Brachenarealen.

Vernehmlassung und Mitwirkung

Die Berner Kantonsregierung schickt den überarbeiteten kantonalen Richtplan nun bis Mitte Dezember in die Vernehmlassung und in die öffentliche Mitwirkung. Die Regierung kann den Richtplan in eigener Kompetenz erlassen.

In den Gemeinden dürfte der überarbeitete Richtplan einiges zu reden geben. Neu soll die Grösse der möglichen Bauzonen gemäss differenzierten Wachstumsannahmen und der Dichte der bestehenden Bebauung festgelegt werden. Also kein Giesskannenprinzip mehr, wie Dobler sagte.

Wie bisher werden vorab die nicht überbauten Bauzonen berücksichtigt. In Gemeinden, die unterdurchschnittlich dicht bebaut sind, wird neu zusätzlich das Verdichtungspotenzial in den überbauten Gebieten angerechnet.

Verschiedene Raumtypen

Die neuen Regelungen sollen gerecht sein, betonte Daniel Wachter, Vorsteher des Amtes für Gemeinden und Raumordnung. Gemeinden des gleichen Raumtyps sollen gleich behandelt werden.

Die Berner Kantonsregierung hat fünf Raumtypen vorgegeben, urbane Zentren, Agglomerationsgürtel, zentrumsnahe, ländliche Gebiete, Hügel- und Berggebiete sowie Hochgebirgslandschaften.

Es gilt der Grundsatz: Je zentraler ein Raumtyp, desto höhere Entwicklung wird zugestanden und desto höhere Dichte wird verlangt.

Dass die angestrebte Entwicklung in Zentren, die Diskussionen zum Stadt-Land-Graben befeuern könnte, weist Neuhaus nicht ganz von der Hand. Neuhaus verwies aber auch auf den Umstand, das es in den letzten Jahren zu einer eigentlichen «dezentralen Zentralisierung» in regionalen Hauptorten gekommen sei, beispielsweise in Burgdorf, Frutigen oder Langnau.

Bis der neue, kantonale Richtplan vom Bund genehmigt ist, gilt ein Moratorium für Einzonungen.

SDA/rv

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