Pulver soll die Insel an die Spitze führen

Den Medizinstandort Bern für die Zukunft rüsten – das wird die grosse Herausforderung des Verwaltungsratspräsidenten der Insel-Gruppe sein.

Waren Regierungsratskollegen und werden künftig wieder miteinander zu tun haben: Bernhard Pulver, neuer Verwaltungsratspräsident der Insel-Gruppe, und Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg.

Waren Regierungsratskollegen und werden künftig wieder miteinander zu tun haben: Bernhard Pulver, neuer Verwaltungsratspräsident der Insel-Gruppe, und Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg. Bild: Adrian Moser

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Bernhard Pulver war für viele der Wunschkandidat. Von links bis rechts begrüssen kantonale Gesundheitspolitiker die Ernennung des ehemaligen Regierungsrats (Grüne) zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Insel-Gruppe. Die offizielle Wahl soll am 1. Februar an einer aus­serordentlichen Generalversammlung erfolgen, wie der Regierungsrat gestern bekannt gab. Zu diesem Zeitpunkt wird Pulver auch seine neue Aufgabe übernehmen. Diese bedeute für ihn eine Weiterentwicklung, sagt er: «Einerseits werde ich mit dem Gesundheitswesen in ein neues Thema eintauchen und andererseits eine neue Rolle übernehmen.» Als Erziehungsdirektor sei er oft auch operativ tätig gewesen, künftig werde er nur bei strategischen Entscheiden mithelfen. Pulver rechnet mit einem Pensum von ungefähr 50 Prozent. Was daneben Platz habe, müsse er noch abklären.

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) begründet Pulvers Wahl mit dessen grosser und langjähriger Erfahrung und hält ausserdem fest: «Er hat im Regierungsrat bewiesen, dass komplexe Dossiers bei ihm in guten Händen sind.» Pulver könne gut zuhören und aus dem Gesagten die richtigen Schlüsse ziehen. «Ausserdem kennt er das Universitätsumfeld bestens und war stark in die Medizin-Taskforce des Regierungsrats involviert», sagt Schnegg. So war Pulver unter anderem am Ausbau der medizinischen Fakultät mitbeteiligt.

Unruhige Zeiten

Pulver übernimmt das Präsidium in einer für Krankenhäuser unruhigen Zeit. Die Insel-Gruppe hat im ersten Halbjahr ein Defizit von 1,3 Millionen Franken eingefahren und muss ihre Kostenstruktur anpassen. Zu einem möglichen Stellenabbau hat die Direktion bisher keine Stellung genommen. Fest steht aber, dass die Spitalgruppe auf den lange geplanten Neubau des Tiefenauspitals verzichtet. Zu diesem Entscheid führten finanzielle Gründe, aber auch eine Neuausrichtung. Der Bau eines neuen Vollspitals entspreche nicht mehr den Entwicklungen der letzten Jahre, hielt die Direktion fest. Äusserlich sichtbare Baustellen trifft man auf dem Insel-Campus an. Für über 500 Millionen Franken entsteht ein neues Hauptgebäude. Und das Frauenspital ist leer geräumt und harrt der Sanierung. Zu all diesen aktuellen Geschäften will Pulver derzeit noch keine Stellung nehmen.

Personelle Wechsel

Auch personell hat die Insel-Gruppe Turbulenzen hinter sich. Vor einem Jahr trat Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer aufgrund unterschiedlicher Ansichten zurück. Uwe E. Jocham – er war früher als Direktionspräsident des Pharmaunternehmens CSL Behring AG in Bern tätig – wurde vom Regierungsrat zu Rohrers Nachfolger ernannt. Als wenig später auch Holger Baumann als Vorsitzender der Geschäftsleitung die Insel verliess, übernahm Jocham die operative Leitung und blieb Verwaltungsratspräsident ad interim. Das Ziel, bis Ende Jahr das Präsidium definitiv besetzen zu können, hat der Regierungsrat nun erfüllt. Man sei vorgegangen wie immer, wenn es einen Sitz im Verwaltungsrat zu besetzen gebe, sagt Gesundheitsdirektor Schnegg. «Wir besprechen im Regierungsrat eine Liste mit möglichen Kandidaten und tauschen uns dabei auch mit dem Verwaltungsratsgremium aus.» Dann suche man mit möglichen Kandidaten das Gespräch und treffe schliesslich die Wahl.

Jocham bleibt bis zur nächsten ordentlichen Generalversammlung im Juni 2019 Mitglied des Verwaltungsrats. Nachher wird er wohl aus dem Gremium ausscheiden und sich auf die operative Leitung konzentrieren. Zwar hatte Jocham den Wunsch geäussert, als Direktionspräsident auch im Verwaltungsrat einen Sitz zu haben, doch müsse dies der Regierungsrat entscheiden. Schnegg sagt dazu, der Regierungsrat habe deutlich kommuniziert, dass er Doppelmandate nicht unterstütze.

Die Vision bleibt

Trotz der Herausforderungen entwickelte die Insel-Gruppe unter Jocham bereits eine ehrgeizige Vision. Sie will eine der weltweit führenden Spitalgruppen für universitäre und integrierte Medizin werden. Für Pulver ist das nicht zu hoch gegriffen. «Diese Vision teile ich voll und ganz.» Bern solle solche Ansprüche haben und sich dort weiterentwickeln, wo das Potenzial vorhanden sei. Auch sonst scheinen Jocham und Pulver gut zu harmonieren. Der Direktionspräsident sprach Pulver in den vergangenen Monaten viel Lob für den Einsatz zugunsten des Medizinstandorts Bern aus. Und Pulver sagt, mit Uwe E. Jocham habe er bisher immer sehr gut zusammengearbeitet. (Der Bund)

Erstellt: 08.11.2018, 14:06 Uhr

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