Berner Spitex Verwaltungsrat droht mit Strafklage

Der Streit um die Freistellung des Geschäftsleiters bei der Spitex Bern eskaliert. Der Verwaltungsrat spricht von einem «Komplott» und droht mit strafrechtlichen Schritten.

Der Streit um den Abgang des Geschäftsführer Piccolruaz ist eskaliert.

Der Streit um den Abgang des Geschäftsführer Piccolruaz ist eskaliert.

(Bild: Keystone Gaetan Bally (Symbolbild)

Die fünf Frauen, die seit rund einem halben Jahr der Geschäftsleitung der Spitex Bern angehören, erhielten einen schriftlichen Verweis, wie Verwaltungsratspräsidentin Rahel Gmür am Montag vor den Medien erklärte. Ihnen droht die Kündigung, sofern sie sich nicht von Geschäftsführer Daniel Piccolruaz distanzieren. Den Betriebsleiterinnen wird vorgeworfen, an Piccolruaz' «Schlachtplan zur Destabilisierung» der Spitex Bern mitgewirkt zu haben. Den Geschäftsführer hatte der Verwaltungsrat «angesichts schwerer Vertrauensverletzungen» bereits am 12. Februar des Amtes enthoben. Sein Mandat hätte noch bis Ende Juni angedauert.

Zudem schaltete der Verwaltungsrat einen Anwalt ein. Juristisch liege eine schwere Pflichtverletzung vor, und man prüfe entsprechende Schadenersatzforderungen wie auch allfällige strafrechtliche Schritte gegen den früheren Geschäftsführer, hiess es vor den Medien weiter.

Drehbuch als Beweis für «Intrige»

Piccolruaz habe den Entscheid des Verwaltungsrates, das Mandatsverhältnis mit ihm aufzulösen und wieder einen vollamtlichen Geschäftsführer einzustellen, «gezielt und verdeckt torpediert.» Als Beweis präsentierte Gmür vor den Medien ein Drehbuch, welches auf den 28. Januar datiert ist und von Piccolruaz verfasst worden sein soll. Darin wird in 10 Schritten skizziert, wie die Opposition gegen den Verwaltungsrat orchestriert und die Medien einbezogen werden sollen. Der Geschäftsführer sei bei seinen Plänen auch nicht davor zurückgeschreckt, «Massenkündigungen zu provozieren», wie Gmür betonte.

Tatsächlich sieht der Plan in einer zweiten Phase einen «Austritt aller mutigen Mitarbeitenden und sofortige Anstellung in einer Auffanggesellschaft zur Sicherstellung der Versorgung der wechselwilligen Kunden» vor.

Wogen gehen hoch

Seit die «Berner Zeitung» anfangs letzter Woche die Freistellung des Geschäftsführers publik gemacht hatte, gehen die Wogen bei der Spitex Bern hoch. Die fünf Betriebsleiterinnen wehrten sich öffentlich für ihren abgesetzten Chef und forderten vom Verwaltungsrat die Wiedereinsetzung des freigestellten Geschäftsführers.

Laut dem Verwaltungsrat war die Trennung jedoch strategisch begründet, aber auch Folge von Piccoluaz' «rüden Umgangstons». Dem Verwaltungsrat seien deswegen zahlreiche Beschwerden von Mitarbeitenden, aber auch von anderen Spitexorganisationen zugetragen worden, hiess es am Montag vor den Medien. Die Spitex Bern beschäftigt rund 400 Mitarbeitende und ist in der Stadt Bern und der Gemeinde Kehrsatz tätig.

mon/sda

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