Berner Regierung will zum Erhalt des Gosteli-Archivs beitragen

Das 1982 gegründete Gosteli-Archiv soll im Rahmen einer «Mehrsäulenfinanzierung» auch vom Kanton Bern Geld erhalten.

Die kürzlich verstorbene Frauenrechtlerin Marthe Gosteli in ihrem 1982 gegründeten Archiv.

Die kürzlich verstorbene Frauenrechtlerin Marthe Gosteli in ihrem 1982 gegründeten Archiv.

(Bild: Valérie Chételat (Archiv))

Die Berner Kantonsregierung ist bereit, sich für den Erhalt des Gosteli-Archivs zur schweizerischen Frauenbewegung in Ittigen einzusetzen. Das macht sie in einer am Montag veröffentlichten Antwort auf einen Vorstoss im bernischen Grossen Rat klar.

Das 1982 gegründete Archiv der kürzlich verstorbenen Frauenrechtlerin Marthe Gosteli sei zwar eine national ausgerichtete Institution, gibt der Berner Regierungsrat zu bedenken. Doch habe das Archiv auch eine kantonale Bedeutung.

Deshalb gelte es, Massnahmen zu entwickeln, welche die Einheit und den Standort des Archivs sicherten, schreibt die Berner Regierung. Wenn der Grosse Rat das auch so sehe und den Vorstoss an die Regierung überweise, werde die Staatskanzlei beauftragt, zukunftsfähige Lösungen für den Erhalt des Archivs auf dem Altikofen-Gut in Ittigen zu suchen.

Die Berner Regierung findet allerdings, das Geld zur langfristigen Sicherung des Gosteli-Archivs müsste von mehreren Partnern stammen. Es brauche eine «Mehrsäulenfinanzierung». Falls sie zustande komme, sei der Regierungsrat bereit, eine Mitwirkung des Kantons Bern in Form einer subsidiären, also untergeordneten, Finanzierung zu prüfen.

Als weitere Unterstützerin sieht der Berner Regierungsrat insbesondere die Eidgenossenschaft in der Pflicht.

Noch etwa zwei Jahre lang sei die Gosteli-Stiftung in der Lage, sich selber, privat zu finanzieren. Hinweise dafür, dass die Stiftung nach dem Tod von Marthe Gosteli im April diese Jahres aus deren Nachlass Gelder erhalten könnte, gebe es nicht. Es sei daher davon auszugehen, dass die Stiftung liquidiert werden müsste, falls sich keine neue Finanzierung auf die Beine stellen liesse.

Über 60 Unterzeichner

Die Berner Regierung beantwortet auf diese Weise eine Motion, die von Grossratsmitgliedern aus sechs Parteien eingereicht wurde. Nicht weniger als 56 weitere Grossratsmitglieder haben sie unterschrieben. Sie geniesst also grosse Unterstützung.

Die Motionärinnen und Motionäre gaben in ihrem noch vor dem Tod von Marthe Gosteli eingereichten Vorstoss der Befürchtung Ausdruck, das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung sei mittelfristig gefährdet. Dies, weil die Eigenmittel der Stiftung langsam zur Neige gingen.

Der Bundesrat habe in den 1990er-Jahren eine Mitfinanzierung abgelehnt, weil die Stiftung über keine andere Finanzierungsquelle für den Betrieb aufgewiesen habe. Mit anderen Worten fehlte die sogenannte Subsidiarität, beispielsweise des Kantons Bern. Deshalb solle der Kanton Bern das Archiv mit seinem einen Laufkilometer Akten aufweisenden Bestand als kantonal bedeutend anerkennen und als subsidiären Partner auftreten, sodass Bundesgeld fliesse.

Druck auch auf nationaler Ebene

Auch auf nationaler Ebene tut sich derzeit in Sachen Gosteli-Archiv etwas: Fünf Nationalrätinnen machen sich mit je einem - noch nicht beantworteten, gleich lautenden - Postulat für den Fortbestand des Gosteli-Archivs beim Bund stark. Sie finden allerdings, der Bund müsse sich subsidiär engagieren.

Der Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer sagte die Landesregierung Mitte März in der Antwort auf eine Anfrage, das Bundesarchiv stehe dem Gosteli-Archiv für Kontakte zur Verfügung. Zweifellos handle es sich bei diesem Archiv um «eine wichtige Dokumentation zu einem der bedeutendsten Aspekte der politischen und sozialen Geschichte der Schweiz seit dem frühen 20. Jahrhundert.» Kürzlich gab die Mobiliar-Versicherung bekannt, sie unterstütze die Stiftung mit 100'000 Franken. Dieser «Zustupf» sei gedacht für die Übergangsphase bis zum Aufbau einer teilweise öffentlichen Finanzierung.

msl/sda

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