Regierung nur widerwillig für Vertrauensarbeit

Für das oberste Kader der bernischen Kantonsverwaltung soll die Vertrauensarbeitszeit eingeführt werden.

Die Vorlage sieht vor, dass Chefbeamte ihre Arbeitszeit nicht mehr erfassen müssen.

Die Vorlage sieht vor, dass Chefbeamte ihre Arbeitszeit nicht mehr erfassen müssen.

(Bild: Keystone Ennio Leanza)

Kadermitarbeiter der Kantonsverwaltung sollen frei entscheiden, wie sie ihre Arbeit einteilen. Der Personalverband warnt, der Druck nehme so noch mehr zu. Mit einer Revision des Personalgesetzes soll für oberste Kader der bernischen Kantonsverwaltung die Vertrauensarbeitszeit eingeführt werden. Dies teilte gestern der Regierungsrat des Kantons Bern mit. Vertrauensarbeitszeit ist ein Modell, bei dem es dem Kadermitarbeitenden freisteht, wann er mit welchem Aufwand seine Arbeit erledigt.

Im Fokus steht nicht mehr die zeitliche Präsenz am Arbeitsplatz, sondern das erreichte Resultat. Im Gegenzug können keine Überstunden mehr geltend gemacht werden. Solche Modelle bieten Flexibilität, bergen aber die Gefahr, dass Mitarbeitende ihre Arbeitsbelastung nicht mehr hinreichend steuern und erkranken können. Ebendiese Bedenken hegt nun der Regierungsrat selber, wie er mitteilt. Er schlägt die Neuerung nur vor, weil das Kantonsparlament dies gefordert hatte. Der Regierungsrat befürchtet gesundheitliche Risiken für die Betroffenen.

Personal ist dagegen

Mit der Einführung der Vertrauensarbeitszeit soll verhindert werden, dass Chefbeamte Tausende von Überstunden anhäufen. Ein Fall hatte 2009 für Aufsehen gesorgt. Die Revisionsvorlage sieht vor, dass Chefbeamte nicht mehr verpflichtet sind, ihre Arbeitszeit zu erfassen. Andererseits dürfen sie keine Überstunden mehr geltend machen. Die nicht mehr kompensierbare Mehrarbeit soll maximal mit einer Zulage von sechs Prozent des Gehalts sowie drei Prozent Arbeitgeberbeiträgen an die Pensionskassen ausgeglichen werden. Vertrauensarbeitszeit soll vorerst nur für Generalsekretärinnen und -sekretäre sowie Amtsvorstehende gelten. Die Revision des Personalgesetzes schickt die Regierung bis Ende April in die Vernehmlassung.

Der Bernische Staatspersonalverband (BSPV) ist klar gegen die Einführung der Vertrauensarbeitszeit, wie er in einer Mitteilung schreibt. Der Kanton würde so als Arbeitgeber weiter an Attraktivität verlieren. Von der neuen Regelung betroffen wären rund 90 Personen des obersten Kaders. Laut einer «kurzen Umfrage» des BSPV haben die Betroffenen insbesondere Angst, dass der Arbeitsdruck noch mehr zunimmt, ohne entsprechende Erholung. Gerade jüngere Kadermitarbeitende schrecken laut BSPV vor der Vertrauensarbeitszeit zurück, da sie um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fürchten.

sda

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