Berner Polizisten bloggen aus dem Nähkästchen

Beamte der Berner Kantonspolizei schreiben auf einem Blog seit kurzem über ihre Arbeit. Es würden noch keine strittigen Themen angeschnitten, kritisieren Experten.

Story mit Boulevard-Touch: Polizeibär Bernie rettet Sandro.

Story mit Boulevard-Touch: Polizeibär Bernie rettet Sandro. Bild: Kantonspolizei Bern

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Der vierjährige Sandro verirrt sich auf seinem Heimweg und weigert sich partout, sich von fremden Menschen nach Hause bringen zu lassen. Schliesslich kann ihn eine Polizeipatrouille mit dem Polizeibär Bernie ins Auto locken. «Und so kam Sandro an jenem Freitagabend doch noch wohlbehalten nach Hause, mit einem neuen Freund im Arm», so der Schluss der netten Happy-End-Geschichte.

Zu lesen ist dieser Text auf dem am Montag neu lancierten Blog der Kantonspolizei Bern. Mit einem Symbolbild und in knackiger Sprache wird einem dort Sandros Abenteuer nähergebracht. Von der bernischen Polizei war man sich bis anhin eher sachliche Ausführungen gewohnt.

«Das vermisste Kind konnte durch Angehörige der Kantonspolizei Bern in steilem, unwegsamem Gelände im dortigen Wald aufgefunden werden», schreibt die Polizei in einer Medienmitteilung vom Oktober 2014 über einen anderen wiedergefundenen Buben.

Polizei gibt sich volksnah

«Wir wollen dort präsent sein, wo sich die Bevölkerung aufhält», sagt Kommunikationschefin Daniela Sigrist. Die Artikel des neuen Blogs eigneten sich nämlich, um sie auf Social Media zu teilen.

«Wir können so Leute ansprechen, die wir bisher nicht direkt erreichen konnten», so Sigrist. Zudem sei es möglich, die verschiedenen Facetten des Polizeiberufs aufzuzeigen.

Geschrieben würden die Blogbeiträge grösstenteils von Polizistinnen und Polizisten – mit Unterstützung der Kommunikationsabteilung. Die Zusatzbelastung werde für diese daher nicht viel grösser. Grundsätzlich eigne sich der Blog zur Vermittlung von Tipps zur Verhinderung von Unfällen und Delikten, was ja ohnehin eine Aufgabe der Polizei sei. Doch auch sonst sei im Korps viel Motivation vorhanden, der Bevölkerung den Polizeialltag näherzubringen.

Kritische Themen fehlen noch

Auch Experten geben dem Blog gute Chancen, viele Leser anzusprechen. «Die Arbeit der Polizei interessiert die Menschen», meint der Krisenmanager und Kommunikationsspezialist Roland Binz.

Bisher wurden auf dem Blog der Text von Sandros Verschwinden und ein Artikel über Einbruchsprävention sowie ein Beitrag über Polizeieinsätze an Skirennen veröffentlicht.

Damit bewegt sich die Polizei laut Binz aber noch in ihrer Komfortzone. «Dies sind keine strittigen Themen. Wenn die Polizei Kinder einsammelt, finden das alle gut.» Ein solcher Blog müsse aber unbedingt auch Plattform für einen Meinungsaustausch sein.

Laut Binz sollte die Polizei bei Bedarf ihren Standpunkt auch zu kontroversen Themen darlegen. Dies führe zu Diskussionen, was einen Blog ausmache und weitere Leser bringe.

Doch inwiefern ist die Berner Polizei bereit, mit Polizeikritikern zu diskutieren? Anders als etwa die Zürcher Stadtpolizei geht sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter nicht auf provokante Äusserungen ein. Laut Kommunikationsleiterin Sigrist ist dies auch eine Frage der personellen Ressourcen.

Anders als Twitter biete der Blog die Möglichkeit, Themen auch vertieft zu behandeln. Da sei es eher möglich, auch auf kritische Äusserungen angemessen zu reagieren. «Wir wollen Artikel veröffentlichen, die auch zu Kommentaren führen», sagt Sigrist. Konkrete Ideen will sie aber noch nicht preisgeben.

Dass sich die Polizei zumindest theoretisch auf einen Dialog einstellt, zeigt die aufgeschaltete Netiquette: Beleidigungen und Pöbeleien werden vom «Blog-Wart» nicht toleriert.

Der neue Blog der Kantonspolizei: www.blog.police.be.ch (Der Bund)

Erstellt: 01.02.2016, 22:42 Uhr

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