Berner planen eine neue Förderorganisation für den Film

Es gab bereits früher Versuche, eine Organisation zu gründen, die internationale Filmcrews in die Schweiz holt. Nun nimmt Cinésuisse einen neuen Anlauf.

Die Kulisse würde sich anbieten: In Bern sind Bestrebungen im Gange, eine neue Organisation ins Leben zu rufen, die den Film besser fördert.

Die Kulisse würde sich anbieten: In Bern sind Bestrebungen im Gange, eine neue Organisation ins Leben zu rufen, die den Film besser fördert.

(Bild: Keystone)

Mischa Stünzi

Eigentlich ist die Schweiz bestens geeignet für Filmdrehs: spektakuläre Landschaften, pittoreske Orte, kurze Wege, hohe Sicherheit und politische Stabilität. Aber beste Voraussetzungen allein reichen nicht immer aus, um Filmproduktionen anzuziehen. Viele Länder vermarkten deshalb ihre Vorzüge aktiv über sogenannte Film Commissions. Diese Organisationen werben für eine Region als Location, besorgen Drehgenehmigungen, rekrutieren Personal, koordinieren den Transport und finden geeignete Drehorte.

Auch in der Schweiz gab es den Versuch, eine nationale Film Commission zu kreieren. Doch wegen fehlender finanzieller Mittel sei die Organisation vor einigen Jahren auf Minimalbetrieb heruntergefahren worden, sagt der Filmproduzent Roger Neuburger, der die Film Commission derzeit ehrenamtlich verwaltet. «Wir treten heute nicht mehr aktiv am Markt auf, sondern sind nur noch passiv tätig, indem ich eingehende Anfragen beantworte.»

Hinter der Organisation steht der Dachverband Cinésuisse. Dieser arbeitet aktuell daran, die Schweizer Film Commission neu zu lancieren, wie Thomas Tribolet von Cinésuisse sagt. Derzeit fänden Gespräche mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) statt, um eine nachhaltige Finanzierung zu erreichen. «Das Ziel ist es, bis Ende Jahr eine 50-Prozent-Stelle zu schaffen und eine vernünftige Website aufzubauen.»

Subventionen ausgeschlossen

Vom Seco hängt es laut Tribolet ab, ob andere mögliche Geldgeber wie Schweiz Tourismus und die Kantone aufspringen. «Wenn wir vom Bund erste positive Signale erhalten, können wir loslegen und beispielsweise bei Schweiz Tourismus für Gelder anfragen.»

Der Start ist bescheiden geplant. Anfangs geht es vor allem darum, dass jemand aktiv für die Schweiz als Drehort wirbt und Filmmessen wie in Los Angeles und Cannes besucht. Zudem sollen ausländische Produzenten bei der Commission Informationen und Kontakte erhalten. Später liesse sich das Angebot ausbauen, sagt Tribolet. Aber: «Wir müssen zuerst Anfragen bekommen, um überhaupt zu wissen, was die Bedürfnisse sind.»

Subventionen für Filmproduktionen, wie sie im Ausland gang und gäbe sind, seien zum Start «absolut ausgeschlossen», sagt Tribolet. Der Aufbau müsse Schritt für Schritt erfolgen, um nicht das ganze Projekt zu gefährden. Das findet auch Filmproduzent Heinz Dill vernünftig. Allerdings ist er überzeugt, dass eine Film Commission ohne finanzielle Beiträge wenig bringt. «Die erste Frage, die ausländische Filmcrews stellen, ist: ‹Was könnt ihr für uns machen? Was für Incentives sind in der Schweiz erhältlich?› Solange wir keine Gelder sprechen, kommen wir nicht weit.» Nein, zuversichtlich, dass es in der Schweiz gut komme, sei er nicht, sagt Dill. Er überlege es sich deshalb, in Frankreich ein Büro zu eröffnen, um mit der dortigen Film Commission, Film France, zusammenarbeiten zu können.

In der Schweiz gibt es mehrere kantonale Film Commissions – etwa im Tessin und in Zürich. Eine nationale Organisation sei für diese keine Konkurrenz, sondern eine Unterstützung, sagt Tribolet. «Die kantonalen Organisationen können sich keinen internationalen Auftritt leisten. Dafür wären sie auf eine nationale Commission angewiesen.»

Auch in der Hauptstadtregion sind Bestrebungen im Gange, eine neue Förderorganisation ins Leben zu rufen. Der Verein Hauptstadtregion Schweiz evaluiert, wie eine interkantonale Film Commission aussehen könnte. Im Februar will er die Resultate präsentieren. Für Christian Wehrlin, Vorstandsmitglied beim Verein Bern für den Film, sind zwei Dinge klar: Eine bernische Förderorganisation muss von Politik, Wirtschaft und Tourismus getragen werden. Und: Die regionale Film Commission wäre eine Ergänzung zur nationalen, kein Ersatz dafür.

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