Berner Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

Seit 2016 dreht eine Spezialkamera der Uni Bern ihre Kreise im All. Nun hat sie die ersten Farbfotos geknipst. Damit soll die Marsoberfläche erforscht werden.

Der Rote Planet sieht gar nicht so rot aus – zumindest nicht dieser Teil der Oberfläche, den die Berner Spezialkamera fotografiert hat.

Der Rote Planet sieht gar nicht so rot aus – zumindest nicht dieser Teil der Oberfläche, den die Berner Spezialkamera fotografiert hat. Bild: ESA / Roskosmos /CaSSIS

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Schneebedeckte Gipfel, eine zerfurchte Landschaft, Krater – das Foto sieht auf den ersten Blick nicht wesentlich anders aus als Aufnahmen von Gebirgen der Erde. Das Bild, das die Universität Bern am Donnerstag veröffentlicht hat, zeigt aber nicht die Erdoberfläche, sondern den Mars. Es ist das erste Farbbild, das die Spezialkamera CaSSIS (Coulour an Stereo Surface Imaging System) geschossen hat.

Ein Berner Team des Center for Space and Habitability (CSH) hat das Gerät entwickelt. Dieses befindet sich an Bord der Exo-Mars-Sonde und ist Teil einer Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA und der russischen Weltraumorganisation Roskosmos. Ziel der Mission ist es, die Marsoberfläche genauer zu untersuchen: Gibt es flüssiges Wasser? Wie verändert sich die Oberfläche über den Tag und über die Jahreszeiten hindurch? Die Forscher haben das Kamerasystem am 20. März eingeschaltet. Der Test hat offenkundig funktioniert. Die Hauptmission startet am 28. April.

Software-Update von der Erde aus

Das ist alles andere als selbstverständlich: Die Sonde kreist mit einer Geschwindigkeit von 2,9 Kilometern pro Sekunde um den Roten Planeten. Und es hat Komplikationen gegeben: «Wir hatten in der ersten Testphase ein paar kleinere Softwareprobleme», sagt CaSSIS-Projektleiter Nicolas Thomas vom CSH. Das Berner Team musste zu Beginn der Testphase eine komplett neue Softwareversion auf das Gerät übertragen. «Es ist schon erstaunlich, dass man in einem Instrument, das in über 100 Millionen Kilometer Entfernung rund um den Mars fliegt, eine völlig neue Software aufsetzen und zum Laufen bringen kann», sagt er.

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CaSSIS hat das Foto aus einer Distanz von 420 Kilometern geknipst. Es zeigt einen Ausschnitt vom Rand eines eisgefüllten Kraters namens Korolev am hohen Breitengrad der nördlichen Mars-Hemisphäre. Das helle Material im Bild ist Eis, das sich am Kraterrand gebildet hat. Die weissen Schleier am rechten Rand könnten Wolken sein. «Das wäre hochinteressant», sagt Thomas. Damit könne man etwa Windgeschwindigkeiten auf der Oberfläche bestimmen, was für Landemissionen äusserst wichtig sei.

Die Mission startete 2016 und lieferte damals im Herbst die ersten Schwarzweissbilder. Die nächsten eineinhalb Jahre brauchte die Sonde dann zum Bremsen. Dieser Vorgang nennt sich Aerobraking: «Die Luft der Atmosphäre erzeugt Reibung. Das verlangsamt die Raumsonde zunehmend», sagt Thomas. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2018, 17:01 Uhr

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