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Entlassener Tourismus-Chef protestiert gegen «überraschende Vorwürfe»

Martin Bachofner, der erste CEO der neuen Berner Tourismusorganisation Bern Welcome, muss nach knapp anderthalb Jahren bereits wieder gehen.

Martin Bachofner war seit 2017 CEO von Bern Welcome.
Martin Bachofner war seit 2017 CEO von Bern Welcome.
Christian Pfander

Die erst vor gut einem Jahr gegründete Berner Tourismusorganisation Bern Welcome steckt bereits in der Krise: Martin Bachofner, der Geschäftsleiter von Bern Welcome, muss die Berner Toursimusorganisation verlassen. Dass der Verwaltungsrat beschlossen hat, sich von Bachofner zu trennen, teilte die Organisation am Dienstag mit. Grund für den Entscheid seien «unterschiedliche Auffassungen über den Aufbau und die Führung des Unternehmens». Bachofner hatte mit der Gründung von Bern Welcome im Jahr 2017 die operative Leitung übernommen.

Nach der Startphase brauche es die richtigen Impulse mit einem Team, das die beschlossene strategische Ausrichtung konsequent umsetzen wolle, schrieb der Verwaltungsrat weiter. Vor diesem Hintergrund habe man sich für das Ende der Zusammenarbeit mit Martin Bachofner entschieden. Vor der Übernahme der Geschäftsleitung von Bern Welcome war Bachofner in Gstaad Tourismusdirektor gewesen. Einem breiten Fernsehpublikum war er 2005 als Gewinner der Castingshow «Traumjob» ein Begriff.

Die neu zu besetzende Stelle wird ausgeschrieben. Interimistisch übernimmt der bisherige Stellvertreter Sven Gubler die Geschäftsleitung.

Bachofner ist irritiert

Gleichentags äusserte sich Martin Bachofner in einer persönlichen Stellungnahme zu seiner Freistellung. Darin zeigt er sich darüber erstaunt und irritiert. Nach einer gesundheitsbedingten Abwesenheit habe Bachofner mit Verwaltungsratspräsident Marcel Brülhart über seinen Wiedereinstieg sprechen wollen. Bei diesem Gespräch sei es zu Vorwürfen über Bachofners Arbeit und zur Äusserung, dass eine weitere Zusammenarbeit fraglich sei, gekommen. Dies sei für Bachofner «völlig überraschend» gewesen.

Bei späteren Sitzungen sei laut Bachofner erneut über angeblich ungenügende Leistungen seinerseits gesprochen worden. Dabei habe er keine Möglichkeit erhalten, selbst zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Bachofner sei zuerst beurlaubt und kurz vor Weihnachten per sofort freigestellt worden. Die ausserordentliche Sitzung, an der Bachofners Freistellung beschlossen wurde, sei in seiner Abwesenheit durchgeführt worden.

Weiter schrieb Bachofner, er akzeptiere den Entscheid des Verwaltungsrats, obschon er sich gerne gegen die «falschen» Vorwürfe verteidigt hätte. «Die Art und Weise, wie dieser Entscheid herbeigeführt wurde, kann ich jedoch nicht akzeptieren. Sie ist für mich irritierend und lässt viele Fragen offen.»

Zu diesen offenen Fragen gehört für Bachofner, weshalb er für Bern Welcome nicht mehr die richtige Führungsperson sei. Auf Anfrage gibt er an, man habe den Inhalt der Bekanntmachung seines Abgangs mit ihm nicht abgesprochen. Was mit den vom Verwaltungsrat in der Medienmitteilung genannten «unterschiedlichen Auffassungen» gemeint sei, sei ihm bis jetzt nicht klar gemacht worden. Die Ausrichtung des Unternehmens könne nicht Kern des Streits sein: Er stehe hinter den in der selben Mitteilung aufgeführten strategischen Punkte und sei selbst an deren Erarbeitung beteiligt gewesen. «Ich sehe in Bern Welcome weiterhin viel Potenzial.»

Brülhart dementiert

Auf Anfrage bestreitet der Verwaltungsratspräsident von Bern Welcome, der Berner Jurist Marcel Brülhart, Bachofners Darstellung der Ereignisse. Gegen den Geschäftsleiter seien keine Vorwürfe erhoben worden. Vielmehr habe es Differenzen in zentralen Punkten gegeben. Man habe auf der Organisationsebene, bei den Projekten und in der Einbindung der Interessensgruppen unter der Dachorganisation Bern Welcome Probleme festgestellt. «Bern Welcome basiert auf dem zentralen Versprechen, dass alle wichtigen Stakeholder aktiv und gleichberechtigt in unsere Arbeiten eingebunden werden», sagt Brülhart. «Dieses Versprechen haben wir bis heute noch nicht eingelöst.»

Standortbestimmende Gespräche habe es bereits vor Bachofners krankheitsbedingten Ausfall gegeben. «Wir haben die Hand weit ausgestreckt und mehrmals versucht, einen gemeinsamen Weg für die Zukunft zu finden», sagt Brülhart. Nach den «zutage getretenen Differenzen» habe der Verwaltungsrat einen aufwändigen und fairen Prozess in Gang gesetzt mit dem Ziel, eine Basis für die weitere Zusammenarbeit mit Bachofner zu finden. «Die Diskussionen waren immer sachlich und bis weit in den Dezember hinein wurde intensiv an einer Lösung gearbeitet. Am Ende leider ohne Erfolg.»

Marcel Brülhart gilt als einflussreiche Figur in der Kultur- und Tourismusindustrie Berns. Der Eklat bei Bern Welcome ist nicht der erste Führungsstreit, in den er verwickelt ist: Im Sommer 2018 musste der Intendant des Berner Stadttheaters nach einer Affäre mit einem Geschäftsleitungsmitglied zurücktreten. Brülhart sitzt im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern.

Im Sommer 2017 gegründet

Bern Welcome wurde im Sommer 2017 als Holdinggesellschaft gegründet, welche alle Standortmarketing-Aktivitäten unter einem Dach vereint. Die Geschäftsleitung, welche Bachofner bisher führte, besteht aus sechs Personen.

Unter dem Dach von Bern Welcome sind seither die Stadt Bern, der ehemalige Verein Bern Tourismus, die ehemalige Bern Incoming GmbH, die Vereine Berncity, der Hotellerieverband Bern-Mittelland sowie GastroStadtBern und Umgebung sowie weitere Aktionäre organisiert.

Für die «Frontarbeit» im Tourismus sind die Bern-Welcome-Tochtergesellschaften Bern Tourismus AG und Bern Meeting & Events AG zuständig. Letztere ist die frühere Bern Incoming GmbH. Von der neuen Struktur erhoffte sich die Berner Politik bei der Gründung von Bern Welcome im Jahr 2017 mehr Durchschlagskraft.

«Verunsicherung» in der Politik

Der Berner Stadtrat nahm im Oktober einen neuen Leistungsvertrag zwischen Stadt und Bern Tourismus AG sowie Bern Meetings & Events AG an. Eine Mehrheit der Stadträtinnen und Stadträte begrüsste die neue Stossrichtung, die mit dem Vertrag vorgegeben wurde: Berns Tourismus soll künftig nachhaltig, authentisch und umweltverträglich sein. Statt Massentourismus wird der Nahtourismus gefördert. Wie Bern Welcome selber schreibt, wird der Begriff Tourismus gesamtheitlich verstanden. Sämtliche wesentlichen Interessen - Gastronomie, Hotellerie, Gewerbe, Kultur, Bevölkerung und Politik - seien angemessen zu berücksichtigen.

Die Organisation erhält jährlich vom Kanton Bern fast 1,5 Millionen Franken. Mit dem neuen Leistungsvertrag 2019-2022 wird das Unternehmen zudem mit jährlich 1,27 Millionen Franken von der Stadt Bern subventioniert.

In der Stadtratsdebatte zu diesem Leistungsvertrag empfahl SP-Abgeordnete Bettina Stüssi im Namen der Kommission Soziales, Bildung und Kultur (SBK) dem Parlament, dem Vertrag zuzustimmen. Für sie kommt der Eklat bei Bern Welcome unerwartet. «Bis jetzt wäre ich nicht darauf gekommen, dass jemand bei Bern Welcome seine Arbeit nicht richtig macht.» Beispielsweise sei der Organisation die Koordination der Weihnachtsattraktionen in Bern sehr gut gelungen. Die neusten Entwicklungen sorgten jedoch für Verunsicherung. «Jetzt werden wir speziell ein Auge darauf behalten, dass der Leistungsvertrag erfüllt wird.»

Mit Material der sda

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