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Bern träumt von den Olympischen Spielen

Wenn Sion die Olympischen Winterspiele 2026 ausrichten kann, kommt auch der Kanton Bern zum Zug. In der Stadt Bern würde Eishockey gespielt, in Kandersteg eine neue Skisprungschanze gebaut.

1948 fanden letztmals in der Olympische Spiele in der Schweiz statt: Eröffnungsfeier in St. Moritz.
1948 fanden letztmals in der Olympische Spiele in der Schweiz statt: Eröffnungsfeier in St. Moritz.
Keystone

Der Eishockey-Final in Bern, weitere Spiele in Biel, ein Athletendorf in Thun und Skispringen in Kandersteg: In neun Jahren könnte der Kanton Bern Mitausrichter der Olympischen Winterspiele sein. Er ist Teil des Projekts Sion 2026. Dieses sieht Wettkämpfe in den Kantonen Bern, Wallis, Waadt, Freiburg und Graubünden vor. Im März entscheidet der Exekutivrat von Swiss Olympic, ob Sion 2026 als Schweizer Kandidatur beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht wird.

Es gibt allerdings noch einen zweiten Schweizer Interessenten: Graubünden. Dort befinden am Sonntag die Stimmberechtigten darüber, ob der Kanton die Kandidatur mit 25 Millionen Franken unterstützen soll. Sion hingegen kam bisher ohne Volksabstimmung aus. Die Beiträge wurden aufgesplittet, sodass die Kantonsregierungen selbst entscheiden konnten. Der bernische Regierungsrat sprach eine Million Franken aus dem Lotteriefonds. Sagen die Bündnerinnen und Bündner Nein, wäre der Weg für Sion frei. Danach müsste sich die Kandidatur aber auch noch gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen.

«Ruinen» in Sotschi

Olympische Spiele sind ein Reizthema. Immer wieder ist von Gigantismus, Defiziten oder Umweltbelastung die Rede. Der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli ist Vizepräsident des Sion-Komitees. Er ist der Ansicht, dass die Schweiz trotzdem Winterspiele durchführen könne – mit einem Gegenansatz. Sion 2026 setzt auf Nachhaltigkeit. «Wir werden bescheidene, aber erfrischende und innovative Spiele in den Bergen durchführen, dort, wo sie hingehören», sagt Stöckli. Hinzu kämen die «Eishockeyhochburgen» Bern, Biel und Freiburg. Für die Wettbewerbe in den Eissportarten brauche es das Mittelland.

Wenn immer möglich sollen bestehende Sportstätten genutzt werden oder solche, die sich in Planung befinden. Gleiches gilt für die Verkehrswege. «Wir leisten mit unserer Kandidatur einen erfolgversprechenden Beitrag zur Erneuerung der Olympischen Spiele. Wenn das IOC am Gigantismus festhalten will, wären wir der falsche Ausrichter», sagt Stöckli. Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) unterstützt die Pläne. Er war auch dabei, als die Sion-Kampagne Ende Januar auf dem Bundesplatz lanciert wurde: «Es ist besser, Olympische Spiele in der Schweiz auszurichten, als in Südrussland Ruinen aufzustellen.»

Er meint damit die letzten Winterspiele in Sotschi. In Bern würde das Eishockey-Turnier durchgeführt. «Das passt zu uns. Bern ist eine Eishockeystadt», sagt von Graffenried. Die Organisation wäre «leicht zu packen» und vergleichbar mit einer Eishockey-WM. Diese fand schon mehrmals in Bern statt. Dass Sion Hauptort sein soll und nicht Bern, stört von Graffenried nicht. «Im Wallis ist die Begeisterung gross. In Bern gäbe es viele Kritiker.» 2002 sprachen sich die Stimmberechtigten auf kantonaler Ebene klar gegen die Kandidatur Bern 2010 aus.

Grüne sind skeptisch

Eine Kritikerin ist die Stadtberner Grossrätin Natalie Imboden (Grüne). Wenn tatsächlich weitestgehend die vorhandene Infrastruktur genutzt werde, könne man darüber diskutieren, sagt sie. Imboden ist jedoch skeptisch, ob nachhaltige Spiele in den Schweizer Alpen möglich sind. «Es gibt keine Evidenz.» Bis jetzt hätten Olympische Spiele überall Spuren hinterlassen. Die Grünen haben auf kantonaler Ebene sowie in den Städten Bern und Thun Vorstösse eingereicht. Sie wollen mehr zum Projekt wissen. «Der Regierungsrat hat bisher ungenügend informiert», sagt Imboden.

Hans Stöckli zeigt Verständnis für die Bedenken der Grünen und will sie ernst nehmen. Stöckli ist einer der wichtigsten Promotoren – zusammen mit Christian Constantin, Präsident des FC Sion, und dem Lausanner Anwalt Jean-Philippe Rochat. Am Ursprung von Stöcklis Engagement stand das Eidgenössische Turnfest, das 2013 in Biel stattfand. Der Überschuss, den das Fest abwarf, wurde für ein erstes Olympia-Projekt genutzt. Dieses wurde später mit demjenigen von Sion fusioniert.

Provisorische Skisprungschanze?

In Kandersteg müsste eine der wenigen neuen Anlagen gebaut werden: Dort gibt es zwar die Nordic Arena mit drei Schanzen für die Skispringer. Es fehlt jedoch eine Grossschanze. Gemeinderatspräsident Urs Weibel (parteilos) kann sich auch eine provisorische Lösung vorstellen. «Es darf nicht sein, dass die Schanze nach den Spielen verlottert», sagt er. Der Betrieb der Anlage koste viel Geld, das spüre man schon heute. Dennoch steht er dem Olympia-Projekt positiv gegenüber. «Für die Positionierung der Gemeinde und der Nordic Arena wäre das gut.» Er erwartet auch eine höhere Wertschöpfung, zumal schon in den Jahren vor Olympia Weltcup-Wettkämpfe und Trainingslager in Kandersteg stattfänden.

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