Bei Kälte bangen die Bauern um die Frucht ihrer Arbeit

In dieser Woche sind die Temperaturen nachts tief gefallen. Weil es im März warm war, konnte sich die Vegetation bereits weit entwickeln. Das ist nun ein Problem.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Sie sehen aus wie verkohlte Weinbeeren», sagt Daniel Weber. Der Bauer aus Täuffelen meint damit aber nicht tatsächlich Beeren, sondern die jungen Zwetschgen, die schon an den Ästen wachsen. Weber ist nicht zufrieden. Kein Wunder: Der Frost hat den kleinen Früchten zugesetzt. Schweizweit wurden in der Nacht auf Donnerstag, 20. April neue Kälterekorde für die zweite Aprilhälfte aufgestellt. In der Nacht auf Freitag, 21. April dürften in Bern die Temperaturen erneut weit in den Minusbereich gefallen sein.

Unter der derzeit herrschenden Kälte leiden vor allem die Obstbäume – und somit die Bauern. Für die Brüder Daniel und Jörg Weber, die den Bauernbetrieb am Bielersee gemeinsam betreiben, ist das Klima im Moment aussergewöhnlich. Ihre Obstbäume sollten von der Jahreszeit her eigentlich erst blühen. Da der März aber überdurchschnittlich warm war, tragen viele Bäume stattdessen bereits Früchte. Wie Daniel Weber sagt, ist der kalte Wind die Ursache dafür, dass die Früchte nun eingegangen sind. Die Bise liess Frost an den Blüten und Früchten entstehen. «Ich kann mich nicht erinnern, dass es das bei mir schon einmal gegeben hat», sagt er.

Erdbeeren unter Plastikplanen

Gemäss Andreas Wyss, Geschäftsführer vom Berner Bauernverband, ist der Kälteeinbruch im April schweizweit ein Problem für die Landwirtschaft. Im Kanton Bern betreffe es vor allem die Regionen Mittelland, Oberaargau und Seeland, sagt er. «Frost ist im April nichts Ungewöhnliches», sagt Wyss; die Bauern rechneten denn auch damit und würden Massnahmen treffen. Im Seeland beispielsweise werden die Erdbeeren mit Plastikplanen abgedeckt. Nun aber sei die Vegetation, die in der warmen Periode im März stark fortgeschritten ist, von der Kälte überrascht worden. Der Frost treffe vor allem die Obstbäume. Die Blüten würden leichte Minusgrade noch ertragen, aber die Früchte seien sehr kälteempfindlich.

Selbstverständlich gibt es auch Möglichkeiten, die Obstkulturen vor Frost zu schützen. So hängen Jörg und Daniel Weber Plastikplanen über ihre Kirschbäume. Diese Massnahme nütze wegen der Bise im Moment aber nicht sehr viel, sagt Daniel Weber. Denn das Ziel der Abdeckung sei es, die Wärme des Bodens zu sammeln. Durch den Wind werde diese aber laufend abgeführt. Ausserdem bestehe die Gefahr, dass die Planen vom Wind heruntergerissen würden.

Mit Eispanzer vor Kälte schützen

Andreas Wyss erwähnt eine andere Möglichkeit, wie Obstkulturen vor Kälte ein wenig geschützt werden können. Dies geschieht mit sogenannten Frostkerzen. Diese werden laut Wyss zwischen die Baumreihen gestellt und angezündet, worauf sie Wärme spenden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Obstbaumkulturen mit Wasser zu besprühen. Auf diese Weise bilden sich Eispanzer, welche die Blüten vor den ganz tiefen Temperaturen schützen.

Müssen die Konsumenten diesen Sommer auf Früchte aus dem Seeland verzichten? Wyss gibt Entwarnung: Bei kalten Temperaturen im Frühling müsse jedes Jahr mit einer Ernteeinbusse gerechnet werden. «Im Moment ist die Situation noch nicht dramatisch», sagt er. Falls es aber bis in den Mai hinein noch Schnee geben sollte, wäre dies kritisch für den Mais. Noch lasse sich aber nicht sagen, welchen Ertragsrückgang es dieses Jahr in der Landwirtschaft geben werde.

Bei Webers in Täuffelen ist der Fall aber bereits klar. Die Zwetschgen werden dieses Jahr keinen Profit mehr abwerfen. «Die Bäume haben zwar keinen Schaden erlitten, aber die Früchte sind erfroren», sagt Daniel Weber. Falls es weiterhin so kalt bleibe und die Kulturen beschädigt werden, könnte es durchaus finanzielle Probleme für die Bauern geben. (Der Bund)

Erstellt: 21.04.2017, 06:43 Uhr

Wetterkapriolen

Frostiger April nach warmem MärzWas für eine Kälte: Diese Woche sind für die zweite Aprilhälfte Minusrekorde gemessen worden.

«Auf morgen Freitag wird es noch einmal schärferen Frost geben als letzte Nacht», sagte Ludwig Zgraggen von MeteoSchweiz gestern auf Anfrage. Bei der Messstation Bern/Zollikofen wurde in der Nacht auf Donnerstag bereits eine Temperatur von minus 3,1 Grad gemessen.

Dennoch wurden im Kanton Bern noch keine Rekordtemparaturen im Minusbereich gemessen. In der Nacht auf Donnerstag sanken die Temperaturen in der gesamten Schweiz deutlich unter den Gefrierpunkt. Am kältesten war es unterhalb von 1000 Metern in Brülisau und in Elm mit jeweils minus 7,8 Grad, im Flachland war es mit minus 5,2 Grad im solothurnischen Bärschwil am kältesten. In Visp, Rünenberg, Elm, Andermatt, Arosa und auf dem Hörnli wurden sogar neue Allzeitminusrekorde für die zweite Aprilhälfte aufgestellt.

Frostgefahr auf dem Balkon

Ob der Kälterekord für die zweite Aprilhälfte in der Nacht auf heute in der Region Bern tatsächlich gebrochen wurde? Diese Frage liess sich gestern selbstverständlich noch nicht beanworten. Ludwig Zgraggen warnte aber davor, dass Blüten und Früchte Schäden davontragen könnten. Aber nicht nur Landwirtschaftskulturen sind betroffen, sondern auch gewöhnliche Balkonpflanzen. (crt)

Artikel zum Thema

Frost-April bricht Kälterekord

In der vergangenen Nacht sank das Quecksilber in der Schweiz stellenweise deutlich unter den Gefrierpunkt. Verbreitet gab es Frost. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Durchblick: Ein Mann mit einem Pilotenhut macht sich bereit um ein Foto in einer Cockpit Attrappe zu machen. (20.September 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...