Bei der Rettung des Gosteli-Archivs zögert der Bundesrat

Das Archiv der schweizerischen Frauenbewegung ist für den Bundesrat wichtig. Er lässt jedoch offen, ob es künftig Bundesgelder erhält.

Das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung ist Marthe Gostelis Lebenswerk.

Das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung ist Marthe Gostelis Lebenswerk. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Der Bundesrat sagt «Ja, aber» zur Rettung des Gosteli-Archivs. Er ist bereit, zusammen mit Partnern zu prüfen, wie das Erbe der im Frühjahr verstorbenen Frauenrechtlerin Marthe Gosteli gesichert werden kann. Der Stiftung, die hinter dem Archiv der schweizerischen Frauenbewegung steht, geht allmählich das Geld aus. Fünf Vorstösse aus dem Nationalrat zum Gosteli-Archiv empfiehlt der Bundesrat zur Annahme. Andererseits lässt er offen, ob das Archiv in Worblaufen künftig Bundesgelder erhält. Die Prüfung sei «nicht als Präjudiz für eine finanzielle Beteiligung des Bundes zu verstehen», heisst es in der knappen Antwort des Bundesrats.

Trotz dieser Einschränkung freut sich Silvia Bühler, Leiterin des Gosteli-Archivs, über den Entscheid des Bundesrats. «Auf dem Weg zur Sicherung des Gosteli-Erbes ist das ein weiterer Schritt», sagt sie.

Die Zürcher CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (CVP) ist vom Beschluss des Bundesrats positiv überrascht. Sie hatte nicht mit einer wohlwollenden Aufnahme gerechnet. «Der Bundesrat ist bei Postulaten sehr zurückhaltend, meistens werden sie abgelehnt», sagt sie. Gemäss der Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer schwingt in der Antwort die museumskritische Haltung des Bundes mit. Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass der Bund etwa den jährlichen Beitrag an das Alpine Museum in der Stadt Bern massiv kürzen will. Als nächstes stimmt der Nationalrat über die Vorstösse zum Gosteli-Archiv ab.

Grosser Rat will Archiv retten

In den 1990er-Jahren hatte sich die Gosteli-Stiftung schon einmal um Bundesbeiträge bemüht. Das Gesuch wurde abgelehnt, weil damals andere öffentliche Finanzierungsquellen fehlten. Unterdessen hat sich die Ausgangslage geändert. Vor zwei Wochen überwies der Grosse Rat ohne Gegenstimme einen Vorstoss. Dieser verlangt, dass der Kanton mithilft, das Gosteli-Archiv zu retten. Bei der Stiftung hofft man, dass dereinst Bund und Kanton Beiträge an das Archiv bezahlen.

Bisher wurde der Betrieb teilweise mit Spenden finanziert, für die meisten Kosten kam Gosteli bis zu ihrem Tod Anfang April selbst auf. Für die nächsten drei Jahre ist das Überleben noch gesichert. Das jährliche Budget beläuft sich auf 250’000 Franken.

Marthe Gosteli kämpfte nicht nur in der vordersten Reihe für das Frauenstimmrecht, das 1971 auf nationaler Ebene eingeführt wurde. Sie setzte sich auch für den Erhalt des Erbes der Schweizer Frauenbewegung ein. Ab 1982 baute sie ein Archiv auf. Gesammelt wurden Archivalien von Frauenorganisationen, Frauenverbänden und einzelnen Frauen, die in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Gesellschaft und Familie eine wichtige Rolle spielten. Bis heute sind über 400 Bestände zusammengekommen.

Das Archiv gilt als historisches Gedächtnis der Schweizer Frauen. Es wurde in das Schweizerische Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung aufgenommen. Die wissenschaftliche Bedeutung des Archivs und die professionelle Erschliessung der Bestände sind in Fachkreisen unbestritten. Das Archiv befindet sich in Gostelis Elternhaus – im Gut Altikofen in der Gemeinde Ittigen. (Der Bund)

Erstellt: 18.09.2017, 14:58 Uhr

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