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Bauer steht nach Schuss auf Hanfdieb vor Gericht

Der Bauer aus Schwarzenburg, der vor gut zwei Jahren einen mutmasslichen Hanfdieb erschossen haben soll, steht seit Montag vor Gericht in Bern. Dem 50-Jährigen wird vorsätzliche Tötung, eventuell Totschlag vorgeworfen.

Drei Männer hatten 2010 versucht, Hanf auf dem Hof eines Bauern zu stehen. Dieser griff zur Waffe.
Drei Männer hatten 2010 versucht, Hanf auf dem Hof eines Bauern zu stehen. Dieser griff zur Waffe.
Franziska Scheidegger (Symbolbild)

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf den 21. Dezember 2010. Drei Männer versuchten auf dem abgelegenen Hof des Bauern Hanf zu stehlen. Dabei wurden sie vom Besitzer überrascht.

Als das mit der Überwachungsanlage verbundene Handy Alarm geschlagen habe, sei er sofort aufgestanden und habe zum Gewehr gegriffen, sagte der Beklagte vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Er habe zur Haustür hinausgehen wollen, doch sei diese von aussen versperrt worden.

Er sei deshalb in die Küche gegangen, wo er ein Fenster geöffnet und einen Warnschuss in Richtung Wald abgegeben habe. Danach hätten die Eindringlinge Steine nach ihm geworfen.

Zweiter Schuss

Der Bauer sah nach eigenen Angaben, wie in der Dunkelheit plötzlich eine Person wegrannte. Da habe er nochmals abgedrückt, sagte der Beklagte. Diese Reaktion könne man im Nachhinein nicht nachvollziehen. Aber er sei in einer Paniksituation gewesen, alles in ihm habe geschlottert.

Die Untersuchungen ergaben, dass der Bauer aus einer Distanz von rund 25 Metern einen gezielten Schuss auf einen der Flüchtenden abgab. Der 32-jährige Mann erlitt tödliche Verletzungen.

Nach der zweiten Schussabgabe gelangte der Bauer über die Terrassentür ins Freie, wie er sagte. Alles sei ruhig gewesen. Erst später habe er in der Entfernung die Sirene von einer Ambulanz oder der Polizei gehört und gedacht, allenfalls könnte dies mit dem Vorfall auf seinem Hof zu tun haben. Bei der Polizei meldete sich der Hofbesitzer dann am Morgen.

Warnschüsse seien für ihn normal gewesen, zumal es seit 2010 immer mehr Einbrüche bei ihm gegeben habe, sagte der Bauer, der keinen Hanf mehr anbaut. Die Absicht sei es aber nicht gewesen, die Eindringlinge zu treffen, sondern sie zu vertreiben.

Witwe befragt

Vor der Einvernahme des Bauern im Prozess, der auf vier Tage angesetzt ist, befragte das Gericht die Witwe des Opfers. Die junge Frau sagte, der Tod ihres Mannes sei ein Schock für sie gewesen. Sie und ihr Mann hätten eine Familie gründen wollen.

Sie sei aber auch geschockt gewesen, als sie erfahren habe, dass sich ihr Gatte an einem Hanfdiebstahl habe beteiligen wollen. Allerdings habe sie auch nicht genau gewusst, was ihr Mann tat, nachdem er arbeitslos geworden war.

Die zwei Komplizen ihres Mannes habe sie nicht gekannt, sagte die Frau. Den einen der beiden habe sie zum ersten Mal gesehen, als ihr verstorbener Gatte zur Beerdigung in den Kosovo transportiert werden sollte.

Hanf im Garten

Die Anklage gegen den Bauern lautet ausserdem auf Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dazu kommt es aber nicht wegen des Hanffelds beim Bauernhof, sondern weil der Bauer in seinem Garten und auf dem Balkon seines Hauses ebenfalls Hanfpflanzen anbaute, diese verarbeitete und an Dritte weitergab.

Der Hanf auf dem Feld wäre zwar aufgrund seines THC-Gehalts ebenfalls für Drogenzwecke geeignet gewesen, wie die Staatsanwaltschaft seinerzeit mitteilte. Der Bauer habe jedoch für diesen Hanf einen gültigen Abnahmevertrag vorlegen können.

SDA/gbl

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