Autonomisten schwächen SP-Herausforderer Gagnebin

Die Regierungsratskandidatur der jungen Autonomistin Maurane Riesen könnte den SP-Kandidaten Christophe Gagnebin im Berner Jura Stimmen kosten.

Christophe Gagnebin will den Jurasitz erobern – und damit eine rot-grüne Regierungsmehrheit.

Christophe Gagnebin will den Jurasitz erobern – und damit eine rot-grüne Regierungsmehrheit. Bild: Adrian Moser

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Christophe Gagnebin ist der eigentliche Herausforderer der Regierungsratswahlen im Kanton Bern: Der 54-jährige Ex-SP-Grossrat, Berufsschullehrer und Gemeinderat aus Tramelan soll die 2016 verlorene rot-grüne Regierungsmehrheit zurückerobern. Dafür muss er den SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg besiegen und den für den Berner Jura reservierten Regierungssitz für sich gewinnen. «Die Wähler müssen entscheiden, welche Regierungsmehrheit sie wollen», sagt Gagnebin. Im Gegensatz zum «ultraliberalen Rechten» Schnegg stehe er «für einen starken Service public im Kanton Bern» ein.

Gespaltene Linke im Berner Jura

Doch Herausforderer Gagnebin hat seinerseits eine Herausforderin. Bereits letzten November hat der Parti Socialiste Autonome (PSA) die 26-jährige Maurane Riesen als Regierungskandidatin nominiert. Riesen vertritt den projurassischen PSA seit vier Jahren im Bernjurassischen Rat, dem regionalen Parlament, und hat den Rat auch ein Jahr lang präsidiert. Riesen spricht wie Gagnebin perfekt Hochdeutsch – und sogar noch akzentfrei Berndeutsch. Doch als Kandidatin einer projurassischen Partei, die im deutschsprachigen Kantonsteil gar nicht vertreten ist, hat sie von vornherein keine reelle Wahlchance.

Riesens Kandidatur wäre unter «ferner liefen» einzuordnen – wenn das Duell zwischen Gagnebin und Schnegg nicht um den Jurasitz in der Kantonsregierung ausgefochten würde. Denn dafür gilt eine spezielle Wahlformel, die nicht nur die Stimmen im ganzen Kanton, sondern jene im Berner Jura noch separat gewichtet. Beide Resultate werden miteinander multipliziert. Das gab, wenn auch bisher nur in einem einzigen Fall, auch schon den Ausschlag: 2014 wurde Philippe Perrenoud (SP) als Regierungsrat wiedergewählt, weil er im Berner Jura rund 1000 Stimmen mehr gewann als sein SVP-Herausforderer, obwohl dieser im ganzen Kanton besser abschnitt.

Diese Wahlformel kann auch eine Chance für Gagnebin sein, weil er mit einem klaren Sieg im Berner Jura einen allfälligen Rückstand auf den Bisherigen Schnegg im ganzen Kanton ausgleichen könnte. Der PSA-Kandidatin Riesen hingegen nützt die Wahlformel wenig, da sie im ganzen Kanton viel zu wenige Stimmen machen dürfte. Aber natürlich wird ein Teil der linken Stimmen im Berner Jura an Riesen gehen – Stimmen, die dem SP-Kandidaten Gagnebin fehlen könnten.

Riesen bestreitet dies auf Anfrage. «Meine Kandidatur richtet sich nicht gegen Gagnebin, sondern gegen Schnegg. Er ist die gefährlichste Person im Regierungsrat.» Sie werde die Wahl von Gagnebin sogar unterstützen. Riesen verweist darauf, dass die Wähler und Wählerinnen ja durchaus sie, Gagnebin und die anderen drei rot-grünen Kandidierenden auf die Wahlliste sitzen können. Das stimmt – im Prinzip. Aber es ist nicht sehr wahrscheinlich. Denn die Abneigung gegen den Kandidaten Gagnebin sitzt im PSA tief.

Letzten Sommer hatte Riesen gegenüber dem «Journal du Jura» sogar ausdrücklich angekündigt, dass sie kandidieren werde, falls die Berner SP Gagnebin nominiere. Gagnebin sei nicht nur politisch weit entfernt von den Autonomisten, «er ist auch nicht offen für den Dialog mit uns». Auf Anfrage bekräftigt sie: «Er ist kein guter Kandidat, der die Linke um sich scharen kann.» Zwar habe sie persönlich nichts gegen Gagnebin, «aber er war stets ein führender Kopf der Anti-Jurassier im Berner Jura». In der Tat hat die Linke im Berner Jura das Pech, dass sich der Jurakonflikt vor allem in den eigenen Reihen abspielte: berntreue SP gegen projurassische PSA

«Wähler sind keine Gefangenen»

Der Jurakonflikt sei mit der Moutier-Abstimmung inzwischen beendet, sagt Gagnebin. «Die Vorwürfe gegen mich beziehen sich auf eine Frage, die erledigt ist.» Er bedaure die Haltung der PSA. «So blickt man nicht in die Zukunft.» Dass die Kandidatur von Riesen ihm schaden werde, stehe für ihn aber nicht fest. «Das ist eine sehr enge wahlarithmetische Sichtweise. Aber die Wähler und Wählerinnen sind keine Gefangenen. Sie entscheiden selber, ob ihnen der Regierungswechsel oder die alte Jurafrage wichtiger ist.»

Die Resultate früherer Wahlen relativieren tatsächlich die Bedeutung von PSA-Kandidaturen. 2006 und 2010 gewann Perrenoud für die SP den Jurasitz, obwohl die PSA beide Male auch einen Kandidaten stellte. 2014 allerdings, als Perrenoud nur wegen der Jura-Wahlformel gewann, hatte die PSA auf eine eigene Kandidatur verzichtet (Der Bund)

Erstellt: 10.01.2018, 07:03 Uhr

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