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Aus der Affäre
 gelernt

Die Wahl des neuen Thorberg-Direktors Thomas Egger ist kein Zufall – diesmal wurde die Befähigung extern überprüft. Damit beweist die Berner Regierung einen guten Willen, einen «Fall Thorberg» künftig zu verhindern.

Dank der neuerdings umsichtigen Vorarbeit der Regierung auf dem Thorberg darf der neue Direktor ohne Misstöne ins Amt starten.
Dank der neuerdings umsichtigen Vorarbeit der Regierung auf dem Thorberg darf der neue Direktor ohne Misstöne ins Amt starten.
Franziska Scheidegger

Die Anstellung des neuen Chefs der Strafanstalten Thorberg zeigt: In der Polizei- und Militärdirektion hat ein Lernprozess stattgefunden. Für Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) war die Anstellung des fehlbaren Thorberg-Direktors Georges Caccivio in erster Linie ein Versagen des Direktors selbst sowie eine Fehlleistung des unmittelbaren Vorgesetzten, Amtsvorsteher Martin Kraemer.

Er, Käser, hingegen stellt sich bis heute auf den Standpunkt, richtig und rasch gehandelt zu haben, als vor einem Jahr die Gerüchte um die Rotlichtmilieu-Vergangenheit und die Duzfreundschaften mit Gefangenen auftauchten. Diese Interpretation ist zwar immer noch umstritten, weshalb das Kantonsparlament in einer Spezialuntersuchung diese Frage denn auch noch klären will.

Gleichwohl hat der Berner Polizei­direktor nun aber Konsequenzen gezogen, die gerade auch seine eigene Rolle in der Anstellungsgeschichte klarer definieren. Der neue Thorberg-Direktor, den Käser gestern präsentieren konnte, wurde offenbar in einem minutiösen Bewerbungsverfahren ausgewählt. Ein Assessment wurde durchgeführt, eine externe Firma hat den Anstellungsprozess begleitet; und – insbesondere – der neue Chef des Thorbergs wurde am Schluss direkt vom politischen Verantwortlichen, also von Käser selber, bestimmt und angestellt – und nicht nur von einem Amtsvorsteher.

«Wenig professionell» ist vorbei

Dass dies bei Caccivio anders war, erstaunte schon, als der Fall publik wurde. So werden bei der Eidgenossenschaft gerade Personen in heiklen Positionen einer internen Sicherheitsprüfung unterzogen. Und auch der Untersuchungsexperte Benjamin Brägger, der im Auftrag von Käser in einem ersten Schritt die Vorkommnisse der Thorberg-Affäre analysiert hatte, beurteilte das Anstellungsverfahren später als «unüblich», «fehlerhaft» und «wenig professionell».

Diesmal scheint Hans-Jürg Käser professioneller vorgegangen zu sein; diesmal ist die Verantwortung für die Personalie Gefängnisdirektor klar. Aus der ganzen Affäre hat offenbar auch der Regierungsrat gelernt.

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