Auf der Suche nach Franz A. Zölch

Der wegen Betrugs verurteilte Jurist ist untergetaucht. Seine Gläubiger haben Beschwerde gegen das Betreibungsamt eingereicht.

Franz A. Zölch will den Prozess nun doch nicht verlängern.

Franz A. Zölch will den Prozess nun doch nicht verlängern. Bild: Keystone

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Seit Jahren warten sie auf ihr Geld, die Geschädigten des wegen Betrugs verurteilten Franz A. Zölch. Nun gehen sie zum zweiten Mal rechtlich gegen das Betreibungsamt Bern Mittelland vor: Die Interessensgemeinschaft Zölch Geschädigter (IGZG) hat diese Woche eine Aufsichtsbeschwerde beim Berner Obergericht eingereicht. In der Beschwerde moniert die IGZG «zahlreiche» Dienstpflichtverletzungen des Betreibungsamtes. Das Amt verweigere seine Arbeit, gebe der IGZG keine Auskünfte und bevorzuge einzelne Gläubiger, lauten die Vorwürfe unter anderem.

Auf Anfrage des «Bund» heisst es beim Betreibungsamt, man wisse nichts von der Beschwerde. Es ist nicht das erste Mal, dass die IGZG an das Obergericht gelangt. Bereits 2013 reichte die Gläubigergruppe eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Betreibungsamt ein. Das Amt kümmere sich nicht genug darum, Zölchs Schulden einzutreiben. Obschon ihm sein Lohn gepfändet wurde, liefere er kein Geld ab. Das Betreibungsamt erhob darauf Strafanzeige gegen Zölch.

Was darauf geschah, bleibt unklar. In einem Antwortschreiben des Betreibungsamtes an die Gruppe von 2015 liess das Amt offen, wie der Stand dieser Strafanzeige sei. In einem weiteren Schreiben liess das Betreibungsamt die Gläubiger wissen: «[Zölch] konnte bisher nicht angetroffen werden.» Das ist überhaupt das Problem: Wo sich Zölch aufhält und welches Betreibungsamt zuständig ist, ist unklar. Mitte Juli dieses Jahres schrieb der Stadtberner Gemeinderat Reto Nause (CVP) der Interessensgemeinschaft, dass Zölch keinen bekannten festen Wohnsitz in Bern habe.

Zölch sei schriftenpolizeilich der Stadt nicht bekannt. Er verfüge lediglich über eine Postfachadresse. Man habe ihn aber via SMS kontaktieren können. Auf Nachfrage heisst es bei Alexander Ott, Chef des Polizeiinspektorates der Stadt Bern, Zölch habe sich in der Stadt Bern abgemeldet. Er habe der Behörde mitgeteilt, er sei in Thun wohnhaft. Doch auch beim Einwohneramt in Thun heisst es, Zölch sei «nicht verzeichnet und uns unbekannt». Zölch selbst war für den «Bund» zwar auf dem Handy erreichbar – wollte sich aber nicht äussern.

Vertrauen ausgenutzt

Zölch ist Jurist, machte sich als Medienrechtler einen Namen, war Dozent, Brigadier und Präsident der Eishockey-Nationalliga. Zudem war er mit der ehemaligen SVP-Regierungsrätin Elisabeth Zölch verheiratet. 2015 akzeptierte Zölch einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Oberland des Kantons Bern von 2012. Gemäss dem Strafbefehl hatte Zölch von einer Bekannten 20'000 Franken ertrogen. Einen weiteren Strafbefehl erliess die Staatsanwaltschaft Ende 2016, weil Zölch Pensionskassengelder seiner Mitarbeiter im Umfang von 137 376 Franken abgezweigt hatte, wie die «SonntagsZeitung» Anfang 2017 berichtete. Auch bei anderen Bekannten und Freunden lieh sich Zölch immer wieder Geld und zahlte es darauf nicht zurück.

Anzeigen gegen Zölch verliefen in vielen Fällen erfolglos. Er habe nicht arglistig gehandelt, die Betroffenen hätten ihrem Freund zu leichtsinnig hohe Beträge anvertraut, lautete jeweils die Begründung der Justiz. Die «Weltwoche» schätzt, dass sich Zölchs Schulden auf fünf bis zehn Millionen Franken belaufen. (Der Bund)

Erstellt: 07.10.2017, 08:19 Uhr

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