Auch Linke dürfen nicht in Wileroltigen demonstrieren

Der Gemeinderat von Wileroltigen will die geplante Demonstration gegen Antiziganismus im September nicht bewilligen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert den offenen Antiziganismus in Wileroltigen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert den offenen Antiziganismus in Wileroltigen.

(Bild: Valérie Chételat)

Naomi Jones

Letzten Montag wollten in Wileroltigen Gegner des geplanten Transitplatzes für Fahrende demonstrieren. Wollten. Die Gemeinde sagte den von ihr selbst organisierten Anlass aus Sicherheitsbedenken ab. Der geplante Anlass weckte im Vorfeld sowohl rechtsextreme wie auch linksradikale Stimmen. Mit der gleichen Begründung will der Wileroltiger Gemeinderat nun auch das Gesuch um eine bewilligte Demonstration gegen Antiziganismus ablehnen. Das Bleiberecht-Kollektiv wollte zu einer solchen aufrufen.

Doch wie bei der Demonstration gegen Fahrende fürchtet die Gemeinde auch bei der Demonstration für Fahrende ein riskantes Aufeinandertreffen von Radikalen aus der rechten und der linken Szene. Zudem würde das Dorf eine Bewilligung der Bleiberecht-Demo nicht verstehen, sagte Gemeindepräsident Christian Grossenbacher gegenüber der «Berner Zeitung». Bis zum Montag kann das Kollektiv zum Entscheid des Gemeinderats Stellung nehmen. Die Demonstration hätte am 24. September stattfinden sollen.

Vorwurf an die nationalen Behörden

Zu Wileroltigen äusserte sich am Wochenende auch die Gesellschaft für bedrohte Völker, die sich seit längerem für Anliegen der Fahrenden einsetzt. Die Ereignisse dort zeigten, dass der Antiziganismus in der Schweiz ein Problem sei, das von den Behörden nicht deutlich genug abgelehnt werde. Die «wochenlange, rassistische Hetze» sei bisher nicht einmal von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus klar verurteilt worden, schreibt die Gesellschaft in einer Medienmitteilung.

«Antiziganismus muss als spezifische Form von Rassismus verurteilt werden», sagt Kampagnenleiterin Angela Mattli im Gespräch mit dem «Bund». Zudem dürften Platzverbote für ausländische Fahrende nicht toleriert werden. Sie würden dem Diskriminierungsverbot in der Schweizer Verfassung widersprechen, sagt sie. «Man kann nicht nur für die einen Plätze schaffen und für die anderen nicht.»

DerBund.ch/Newsnet

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