Anwohner, Wirtschaft und Kanton profitieren

Die Umfahrungsstrasse in Aarwangen leistet einen Beitrag, damit der Kanton Bern vorwärts kommt. Die Verkehrslösungen der rot-grünen Stadt Bern sind nicht zwingend auch gut für das Land.

Durch Aarwangen fahren viele Lastwagen. Das Bernervolk entscheidet nun, ob der Ort eine Umfahrung erhält.

Durch Aarwangen fahren viele Lastwagen. Das Bernervolk entscheidet nun, ob der Ort eine Umfahrung erhält. Bild: Franziska Rothenbühler

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Die Verkehrssituation in Aarwangen ist eine Zumutung. Sogar bei einem Fussgängerstreifen mit Ampel braucht es eine Elternpatrouille, damit die Schulkinder sicher über die Strasse gelangen. Nebst Velos, Autos und Lastwagen fährt eine Bahn, das Bipperlisi, mitten durch den Ort. Täglich sind so viele Fahrzeuge unterwegs wie im Gotthard-Strassentunnel – und es werden immer mehr. Der Wunsch nach einer Umfahrung besteht seit Jahrzehnten, jetzt soll sie für 136 Millionen Franken gebaut werden. Grüne und Umweltverbände haben das Referendum ergriffen.

Es geht um viel Geld. Doch auch andere Verkehrsprojekte kosten. Für das Tram von Bern nach Ostermundigen rechnet man sogar mit Ausgaben von 264 Millionen, selbst bei der geplanten Velobrücke zwischen Länggasse und Lorraine sollen es 20 Millionen sein. Obwohl die Stadt Bern ihre Verkehrsprobleme anders anpackt, heisst das noch lange nicht, dass die rot-grünen Rezepte auch gut fürs Land sind. Bern ist ein heterogener Kanton, da braucht es unterschiedliche Ansätze. Nicht alle Leute wohnen an privilegierter Lage und können auf ein Auto verzichten. Zudem wird sich die Mobilität weiter verändern – dank selbstfahrenden Fahrzeugen oder Elektroantrieb. Es zeugt nicht von Weitsicht, nur ÖV und Langsamverkehr zu fördern.

Selbst Städter profitieren von Umfahrungen. Bern hat seit 2009 den Neufeldtunnel, seither ist die Lebensqualität im Länggassquartier gestiegen. Schon bald eröffnet in Biel die neue Ostumfahrung. Ausserdem erarbeitete der Kanton parallel zur Verkehrssanierung Oberaargau ein Projekt für das Emmental. Gegen dieses haben linke Kreise nicht das Referendum ergriffen, obwohl auch die Dörfer Oberburg und Hasle-Rüegsau Umfahrungen erhalten. Warum sollten ausgerechnet die Leute in Aarwangen leer ausgehen?

Klar, die Strasse verbraucht Kulturland – und das in einer Gegend, die zum Smaragd-Schutzgebiet für bedrohte Tiere und Pflanzen gehört. Doch auch die SBB-Neubaustrecke führt durch dieses Gebiet. Und die geplante BLS-Werkstätte in Bern-West beansprucht nebst Wiesen sogar Wald. Im Falle eines Neins zur Umfahrung würden Strasse und ÖV wohl noch stärker gegeneinander ausgespielt – was insbesondere die Agglomeration Bern vor Probleme stellte. Bereits im Juni befindet das Kantonsparlament über das Tram nach Ostermundigen. Es gibt Signale, dass ländliche Grossräte dieses zum Entgleisen bringen könnten.

Nicht mit Wabern vergleichbar

Zur Debatte stand in Aarwangen auch eine günstigere Lösung mit einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis als die Umfahrung. Die Variante sieht vor, die bestehende Ortsdurchfahrt umzugestalten – nach dem Vorbild der Seftigenstrasse in Wabern. Allerdings sind die Verhältnisse nicht vergleichbar. In Aarwangen ist es an einigen Stellen eng, zudem muss eine Steigung überwunden werden. Für die Chauffeure ist die Durchfahrt eine Herausforderung. Und: Durch Aarwangen fahren mehr Lastwagen. Diese verschwänden nicht aus dem Ort, wenn man die bestehende Strasse umbaute. Die Anwohner litten weiterhin unter dem Verkehr.

Aarwangen und das nahe Langenthal liegen am Rand des Kantons, es ist aber keine Randregion. Die Industrie ist mit Firmen wie Ammann, Glas Trösch oder Motorex überdurchschnittlich vertreten. Gute Verkehrsanbindungen sind ein Standortvorteil – und sichern Arbeitsplätze. Wenn es der Wirtschaft im Oberaargau gut geht, hilft das dem ganzen Kanton. Dessen Motor, die Stadt und Region Bern, wird entlastet. Dies gilt auch für das Bevölkerungswachstum. Dieses kann nicht nur von der Agglomeration Bern bewältigt werden. Der Kanton setzt zusätzlich auf die Entwicklung regionaler Zentren wie Langenthal. Dafür braucht es Investitionen in die Infrastruktur. Letztlich wird die Umfahrung einen Beitrag leisten, damit der Kanton vorwärtskommt. (Der Bund)

Erstellt: 08.05.2017, 06:36 Uhr

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