«Andere Sichtweise wäre von Nutzen»

Regierungsratskandidat Pierre Alain Schnegg hat wenig Politerfahrung. Dafür könne er unternehmerisches Denken einbringen, sagt der 53-Jährige.

Bald Regierungsrat? Pierre Alain Schnegg kandidiert für die SVP.

Bald Regierungsrat? Pierre Alain Schnegg kandidiert für die SVP. Bild: Valérie Chételat

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Herr Schnegg, am Dienstag an der Delegiertenversammlung der SVP in Belp wurden Sie als erfolgreicher Unternehmer, gar als brillanter Macher gelobt. Sie selber betonten zweimal, Sie seien Unternehmer. Warum ist das so wichtig für Sie?
Ich habe schon während meines Ingenieurstudiums eine Firma gegründet. Seither arbeite ich auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung. Als Unternehmer bin ich es gewohnt, projekt- und zielorientiert tätig zu sein.

Abgesehen davon: Was haben Sie sonst noch zu bieten?
Seit mehreren Jahren bin ich Verwaltungsratspräsident der beiden Spitäler des Berner Jura. In diesem Amt konnte ich einiges anpacken und Erfahrungen im Gesundheitswesen sammeln. Ich kenne somit die Problematik der Spitäler in Randregionen.

Als Sie sich den Delegierten in Belp vorstellten und sagten, auch in Randregionen sei es möglich, Spitäler effizient zu betreiben, erhielten sie einen Zwischenapplaus. Sie stehen der Spitalstandortinitiative aber trotzdem kritisch gegenüber, wie man weiss.
Die Grundversorgung muss überall gewährleistet sein. Die Initiative ist aber nicht voll umsetzbar, darum engagiere ich mich für den Gegenvorschlag.

Wo bietet die Initiative Probleme?
Wenn man eine Abteilung eines Spitals, so wie die Geburtenabteilung in Riggisberg einmal geschlossen hat, kann man sie nicht ein paar Jahre später wieder öffnen. Aber ich bin überzeugt, dass eine Geburtenabteilung nicht 1000 Geburten pro Jahr benötigt, um rentabel betrieben werden zu können.

Und das Spital Zweisimmen?
Die Leute in dieser Region haben Anrecht auf eine gute medizinische Versorgung. Ein Leben in Zweisimmen ist gleich viel wert wie ein Leben in Bern. Es ist jedoch klar, dass man dort nicht alles operieren kann. Aber solche Spitäler können 80 Prozent der medizinischen Bedürfnisse in einer Region abdecken.

Sie sind erst seit anderthalb Jahren im Grossen Rat. Reicht diese Erfahrung aus für einen Wechsel in die Kantonsregierung?
Ja, ich finde, das reicht. Es kann durchaus von Nutzen sein, wenn einmal jemand mit einem anderen Blickwinkel in den Regierungsrat gewählt wird.

Sie sagten in Belp, es würde dem Regierungsrat guttun, wenn etwas unternehmerisches Denken Einzug hielte. Woran denken Sie dabei?
Fragt man in einer Abteilung der Kantonsverwaltung, warum etwas so und nicht anders funktioniert, heisst es, der Grosse Rat habe das so entschieden oder ein Gesetz schreibe es vor. Es wird nie überlegt, wie man einen Prozess so verändern könnte, dass er schneller abläuft oder ein bisschen weniger kostet. Solche Vorschläge fehlen mir. In einem Unternehmen dagegen muss man täglich Überlegungen dieser Art anstellen.

Die SVP und auch Sie betonen, es sei äusserst wichtig, dass der Regierungsrat endlich wieder bürgerlich werde. Was hat Rot-Grün während zehn Jahren falsch gemacht?
Die unterschiedlichen Mehrheiten im Grossen Rat und im Regierungsrat haben grosse Reibungsverluste zur Folge. Wären beide Räte bürgerlich, könnte ein grosser Teil davon vermieden werden.

Und was würde konkret anders?
Bürgerliche arbeiten stärker auf Eigenverantwortung hin. Sie erwarten nicht, dass Probleme immer mit Steuergeldern gelöst werden. Selbstverständlich gibt es Bereiche, in denen der Staat zu Recht eine wichtige Rolle spielt.

Haben Sie als Unternehmer, der immer Verantwortung trug, Verständnis für Leute, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen?
Absolut. Der Staat soll die Schwächsten stützen. Aber wenn man von den Schwächsten spricht, sind das nicht alle.

Lars Guggisberg, der andere SVP-Kandidat, sagte am Donnerstag im Interview, er würde beispielsweise in der Sozialhilfe sparen. Sie auch? Ich finde, man darf das Geld nicht mit der Giesskanne verteilen. Bei den Verbilligungen der Krankenkassenprämien gibt es Fälle, wo ich den Eindruck habe, die Unterstützung sei zu viel des Guten.

Dabei handelt es sich aber nicht um Sozialhilfe.
Ich meine es bloss als Beispiel. Ich finde es absolut richtig, dass Leute, die sich in einer Notlage befinden, mit Sozialgeld unterstützt werden. Aber es darf nicht sein, dass falsche Anreize geschaffen werden und letztlich Faulheit belohnt wird. Gerade bei jungen Menschen erachte ich das als fatal.

Sie wollen ebenfalls sparen, aber einige Vorstösse, die Sie eingereicht haben, würden eher Kosten verursachen. So wollen Sie eine vierspurige Autobahn für den Berner Jura oder Beiträge für kleine Skilifte.
Ja, manche Dinge kosten zuerst etwas, dann zahlen sie sich aus. Ohne Autobahn gibt es keinen starken Industriestandort.

Und wie funktioniert die Gleichung mit den kleinen Skiliften?
Wenn solche Anlagen im Berner Jura oder in anderen Regionen geschlossen werden, lernen die Kinder nicht mehr Skifahren. Als Erwachsene werden sie in den grossen Skistationen fehlen, und diese werden Umsatzeinbussen zu beklagen haben. Es geht nicht darum, alles einzusparen. Wichtig sind Investitionen, die sich später auszahlen. Sind Sie ein politischer Mensch?
Ich war immer politisch interessiert. Vor langer Zeit war ich einmal vier Jahre lang im Gemeinderat von Champoz. Aus beruflichen Gründen konnte ich mich aber politisch nicht stärker engagieren. Seit einem Jahr bin ich übrigens wieder Mitglied des Gemeinderats.

Warum stiegen Sie bei der SVP ein, und dies ja erst vor zwei Jahren?
Ich kam damals auf die Grossratsliste und wurde auch gewählt. Die Politik der SVP, die ich als konservativ-liberal und bodenständig empfinde, gefällt mir seit jeher. Und wie Sie sicher wissen, war mein Bruder Fred-Henri längere Zeit im Grossen Rat – ebenfalls für die SVP. Ich bin schon seit langem auf dieser Linie. (Der Bund)

Erstellt: 06.11.2015, 07:42 Uhr

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