An der Sense droht die Schlacht um die Parkplätze

An der Sense bei Schwarzenburg parkieren an schönen Tagen Hunderte von Autos. Damit könnte bald Schluss sein. In der Bevölkerung regt sich Widerstand.

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«Es wäre etwa das Gleiche, wie wenn sie den Bernern das Marzili wegnehmen würden.» Andreas Kehrli, Sprecher der Interessengemeinschaft Sensegraben, hat sich für die gestrige Medienkonferenz starke Argumente ausgedacht. «Die Sense ist ein Bestandteil von uns, nicht etwas ‹nebendran›», sagt der FDP-Gemeinderat, der als Privatperson spricht. Wäre der Zugang zum Fluss nicht mehr möglich, sagt er, wäre das, als ob man einem einen Finger abschneiden würde.

Um diesen Zugang zur Sense geht es, die in einer 150 Meter tiefen Schlucht an Schwarzenburg vorbeifliesst. Oder genauer: um die Möglichkeit, beim Fluss zu parkieren. Unten bei der Brücke gibt es drei grosse Flächen. Die vorderen sind je 2000, die hinterste 6000 Quadratmeter gross. An schönen Sommertagen sind sie überstellt mit bis zu 300 Autos. Die Sense übt mit ihren Wasseradern, den Kiesbänken und den Badeplätzchen grosse Anziehungskraft aus.

Nun aber herrscht in Schwarzenburg Alarmstimmung. Die Armee hat den Rückzug aus dem Sensegraben angekündigt. Sie war es, die vor fünfzig Jahren die Parkflächen erstellte; im Sensegraben führte sie Schiessübungen durch. Die Flächen konnten seit jeher auch von den Anwohnern benutzt werden. Beidseits der Schlucht wird befürchtet, mit diesem Gewohnheitsrecht könnte es bald ein Ende haben.

Die Armee beabsichtigt nämlich, diese Flächen und weitere Areale im Sensegraben dem Kanton Bern abzutreten. Dieser gerät dadurch in Zugzwang. Denn «die heutige Parkplatzsituation ist nicht bewilligt und wäre nicht bewilligungsfähig», heisst es bei der Abteilung Naturförderung des Amts für Landwirtschaft und Natur (Lanat) auf Anfrage. Das Gebiet von Sense und Schwarzwasser ist ein Naturschutzgebiet – ein Auengebiet von nationaler Bedeutung.

Für die Gemeinde Schwarzenburg, die sich offenbar auch für einen Kauf interessierte, bleibt nicht viel Spielraum. Bund und Kanton sind sich laut Lanat-Stellungnahme «grundsätzlich einig, dass mit Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kauf durch den Kanton langfristig die beste Lösung ist». Denn es bestehe «ein gesetzlicher Auftrag zur Umsetzung der Auenverordnung des Bundes».

«Entscheide am Schreibtisch»

Angesichts solcher Sätze sieht die IG Sensegraben schwarz für die Parkplätze. Naturschutz dürfe doch nicht nur für Pflanzen und Tiere gelten, er müsse auch dem Menschen dienen und dürfe sich nicht gegen ihn wenden, sagt Andreas Kehrli. Walter Wenger, Präsident des Ortsvereins, spricht von «Entscheiden am Schreibtisch». Und jene, die zu entscheiden hätten, «wissen gar nicht, was sie den Leuten hier wegnehmen». Die Sense sei ein Treffpunkt, sorge für Zusammenhalt, nicht zuletzt zwischen den Generationen. Ihr Wert als Naherholungsgebiet sei unbezahlbar.

Auch ohne Parkplätze würden die Leute an die Sense fahren, sagt Ernst Leiser, Gemeindepräsident von St. Antoni. Es entstünde ein gefährliches Parkierchaos entlang der Strasse. Die Gemeinden müssten für Ordnung sorgen – und am Ende ihre Bürger büssen. Bezüglich Publikumslenkung sei doch das, was jetzt vorhanden sei, geradezu perfekt.

«Parkraum immer vorgesehen»

Beim Kanton sind noch keine Entscheide gefallen. Bereits existiert aber ein Umgestaltungskonzept. Dieses zeige die Bereitschaft der Abteilung Naturförderung für eine einvernehmliche Lösung, heisst es in der Stellungnahme. In diesem Konzept «war Parkraum immer vorgesehen». Der Kanton kläre ab, «in welcher Art Parkraum im Rahmen des Bundesrechts möglich ist». Keine Antwort liefert das Lanat aber auf die Frage, welcher Anteil der heutigen Parkfläche renaturiert und welcher als Abstellplatz erhalten bleiben soll. Der Abteilung Naturförderung sei bewusst, «dass der Sensegraben ein wichtiges Naherholungsgebiet ist», heisst es in der schriftlichen Stellungnahme. Genau deshalb werde «eine möglichst von allen Akteuren akzeptierte und auch fachlich vertretbare Lösung» gesucht.

Für die IG Sensegraben wird jede Lösung, die zu einer Reduktion der Parkfläche führt, eine schlechte Lösung sein. Das ist an der Medienkonferenz unschwer herauszuhören. Mit der Petition gelte es, rechtzeitig ein Zeichen zu setzen, sagt Andreas Kehrli. «Wir müssen aufstehen, auch zugunsten unserer Nachkommen.» (Der Bund)

Erstellt: 13.10.2017, 06:42 Uhr

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