Ammann bekennt in Öko-Umfrage Farbe

Christoph Ammann (SP) war mit seinen persönlichen Meinungen bisher zurückhaltend. In einer neuen Umfrage gibt er sich freimütiger.

Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann macht von sich zu reden, weil er bewusst auf ein Profil auf Smartvote.ch verzichtete.

Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann macht von sich zu reden, weil er bewusst auf ein Profil auf Smartvote.ch verzichtete. Bild: Adrian Moser

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Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammanns Kampf um seine Wiederwahl in den Regierungsrat hat sich bisher durch Besonnenheit und Diskretion ausgezeichnet. Zuletzt machte der Sozialdemokrat von sich reden, weil er bewusst auf ein Profil auf der vielgenutzten Wahlempfehlungsseite Smartvote.ch verzichtete. Der Grund? Beim Ausfüllen des Fragebogens würden zu viele Konflikte zwischen den Positionen des Regierungsrats und Ammans persönlichen Meinungen entstehen. Es bestehe die Gefahr, dass er gegen das Kollegialitätsprinzip der Exekutive verstosse (siehe «Bund» vom 9. Februar).

In einer anderen Umfrage hat Ammann jetzt jedoch ausgepackt. Die Umweltallianz, ein loser Zusammenschluss bernischer Öko-Organisationen, hat einen Fragebogen zu verschiedenen umwelttechnischen Themen an alle Grossrats- und Regierungsratskandidaten geschickt. Aus den Antworten kann das «Umweltrating» der jeweiligen Kandidaten ermittelt werden – ein Prozentwert, der die Übereinstimmung ihrer Ansichten mit denjenigen der Umweltverbände misst. Ammann hat zusammen mit sechs weiteren für den Regierungsrat Kandidierenden den Fragebogen gänzlich ausgefüllt. Die Ergebnisse liegen dem «Bund» vor. Die Angaben der Anwärter auf Regierungsratsposten sind auf der Umweltrating-Webseite abrufbar. Die vollständigen Ergebnisse werden voraussichtlich am Freitag publiziert.

Der Fragebogen mit den Ergebnissen: (für eine grössere Ansicht anklicken)

Im Unterschied zum Smartvote-Fragebogen habe man in der Umweltumfrage differenzierte Antworten geben können, sagt Ammann auf Anfrage. Auch das eingeschränkte Themengebiet habe es ihm leichter gemacht, möglichen Widerhandlungen gegen das Kollegialitätsprinzip aus dem Weg zu gehen. Denn: «Auch bei dieser Umfrage habe ich bei den Antworten teilweise die Kollegialität berücksichtigen müssen.»

Abweichung in Belpmoos-Frage

So hat sich Ammann beispielsweise für die öffentliche Unterstützung von Infrastrukturvorhaben am Flughafen Bern-Belp ausgesprochen: «Das ist vorstellbar, je nach Projekt», schreibt er in seiner Antwort im Fragebogen. Die Umweltverbände seien aber entschiedene Gegner des Ausbaus im Belpmoos, sagt Stéphanie Penher, Berner Stadträtin (GB) und Geschäftsleiterin der Sektion Bern des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), welcher zur Umweltallianz gehört. «In den Flugplatz zu investieren macht ökologisch keinen Sinn», sagt Penher. «Da spricht aus Ammann eher der Volkswirtschaftsdirektor als der linksgrüne Politiker.»

Ohnehin antworteten Bisherige meist weniger umweltfreundlich als neue linksgrüne Kandidierende, sagt Penher. «Die amtierenden Regierungsräte sprechen oft nicht mehr ganz so frei von der Leber weg.» Bei Ammann merke man die Einbindung in die Regierung. Im Umweltrating hat er einen Wert von 86 Prozent erreicht. Seine Parteikollegen und Regierungsratsaspiranten Evi Allemann und Christophe Gagnebin weisen eine Übereinstimmung mit den Umweltverbänden von 100 Prozent auf. Neben der Belpmoos-Frage weicht Ammanns Meinung auch bei Themen wie dem nationalen Raumplanungsgesetz oder der Gentechnik in der Landwirtschaft von derjenigen seiner linken Mitstreiter ab. Diese innerparteiliche Diskrepanz könne «möglicherweise» Probleme bereiten, sagt Ammann lakonisch dazu.

Mit dem Dilemma des Kollegialitätsprinzips gehe er so um, dass er auf seine Leistungen in der Volkswirtschaftsdirektion verweise, sagt Ammann. Zudem wolle er aufzeigen, wie sich der Kanton Bern in Zukunft weiterentwickeln könnte. (Der Bund)

Erstellt: 14.02.2018, 06:39 Uhr

Öko-Umfrage Stille Bürgerliche

Zur Umweltallianz gehören verschiedene bernische NGO wie der WWF, Pro Natura, der VCS und die Kleinbauernvereinigung. In ihrem Fragebogen soll zu ökologischen Themen, die voraussichtlich in der kommenden Legislatur behandelt werden, Stellung genommen werden. Die Ergebnisse der Umfrage, welche zum Umweltrating verarbeitet werden, werden in den Publikationen der jeweiligen Organisationen veröffentlicht. Die ökologische Einschätzung erreicht so rund 60'000 Menschen im Kanton Bern.

Von den Regierungsratskandidaten der Grossparteien haben sich drei bürgerliche Politiker enthalten – Philippe Müller (FDP), Christoph Neuhaus und Pierre Alain Schnegg (beide SVP). Bei den Regierungsratswahlen 2014 hatten sich alle Mainstream-Kandidaten – auch Neuhaus – beteiligt. (mck)

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