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«Allen Efforts zum Trotz gibts weniger Plätze»

17. Jahrhundert: Sesshaftigkeit wird NormIm Zuge des Aufbaus moderner Staaten im 17. und 18. Jahrhundert werden in Europa neue Aufenthalts- und Bürgerrechte eingeführt, die auf eine sesshafte Bevölkerung ausgerichtet sind. Dabei bilden sich in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich die Jenischen als eigenständige, teilnomadisierende Volksgruppe mit eigener Sprache und eigenen kulturellen Werten heraus.
18. Jahrhundert: Harsche AblehnungDie auf Sesshaftigkeit getrimmte Gesellschaft wertet die nomadische Lebensweise zunehmend als Problem. Wie der Begriff «Zigeuner» wurde in der Folge auch der Begriff «Fahrende» abwertend verwendet: «Fahrend» wird Sinnbild für unstetes, liederliches Leben. So beschreibt der Aargauer Chronist Heinrich Zschokke 1819 die Schweizer Jenischen als «Krebsschaden fürs Land» und rät zu deren Auschiffung nach Amerika.
2016: Die Anerkennung durch den BundesratAn der Feckerchilbi vom 15. September 2016 in Bern erlöst Bundesrat Alain Berset die Jenischen und Sinit vom blossen Mitgemeintsein. Er sagt an sie gerichtet: «Sie – Jenische, Sinti – sind als nationale Minderheit anerkannt.»
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Simon Röthlisberger, es ist irritierend. Zum einen erfahren Jenische, Sinti und auch Roma mehr Anerkennung denn je, vorab seitens des Bundes. Zum anderen werden Fahrende aus diesen Minderheiten vermehrt pauschal herabgesetzt, wie die Debatte über den Transitplatz Wileroltigen zeigt. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz?

Wo orten Sie das Ausschliessende?

Und im Clinch zwischen den zwei Tendenzen steht die von Ihnen geführte Stiftung, die im Auftrag des Bundes Lösungen finden müsste?

Die Stiftung muss maximal erfolglos sein, denn nach 20 Jahren Einsatz gibts heute nicht mehr, sondern weniger Plätze für Fahrende?

Ohne die Verbesserungen kleinreden zu wollen: Das politisch aufreibende Thema bleibt die Platzfrage: Statt mehr gibts weniger Plätze.

Warum gelingt die Schaffung neuer Plätze schlechter als je zuvor?

Es gibt auch den intensiven Verteilkampf um Arbeit. Der Druck wächst, die Erwerbsmöglichkeiten der Fahrenden zu beschneiden.

Wie bitte? Fahrende Jenische und Sinti mit Schweizer Pass sind doch schon da und wandern nicht ein.

Und wer definiert, was als Störung der öffentlichen Ordnung gilt?

Der Fall Wileroltigen zeigt, was stört: In der Sicht vieler ist bereits die Existenz Fahrender störend.

. . . zu deren Schutz sich die Schweiz verpflichtet hat?

Bauern können sich mit Fahrenden vertraglich – also gegen Geld – auf einen «Spontanhalt» einigen. Aber sie tun es immer weniger, weil das den Gemeinden nicht passt.

Fazit: Gäbe es mehr Spontanhalte, brauchte es weniger Plätze?

Bern braucht also auch nicht zwingend einen Transitplatz?

Politiker der BDP fordern, im Kanton Bern die Suche nach einem Transitplatz ganz zu sistieren.

Gleichzeitig entsteht kein Transitplatz, weil zu viele kritisieren, Fahrende genössen Privilegien, die anderen nicht gewährt würden?

. . . wie etwa das Recht auf Bildung für alle Kinder?

Wie gross ist das «Schulproblem»?

Wir reden hier über den Bruchteil einer Minderheit, denn die meisten in der Schweiz verwurzelten Jenischen und Sinti sind sesshaft. Fokussieren Sie sich – respektive die Stiftung – aufs Richtige?

Will heissen: Sie fokussieren sich künftig nicht nur auf die Anliegen der Schweizer Fahrenden?

Kritiker halten entgegen, das möge zwar stimmen, die fahrende Lebensweise sei aber sowieso ein Auslaufmodell.

Fahrende haben also verinnerlicht, was wir erst noch lernen müssen?