Agglolac im Gegenwind

Gegen die 500-Millionen-Überbauung des ehemaligen Bieler Expo-Areals formiert sich Widerstand. Sogar Grüne kritisieren die Verdichtung im neu entstehenden Quartier.

Agglolac: Die Gebäude mit begrünten Dächern existieren erst als Bild.

Agglolac: Die Gebäude mit begrünten Dächern existieren erst als Bild.

(Bild: zvg)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Die Idee tönt verlockend: Das Städtchen Nidau gestaltet schlagartig sein ganzes Seeufer zwischen Zihl und Nidau-Büren-Kanal neu. Anstelle der Expo-Brachen und teilweise heruntergekommenen Grünanlagen entsteht eine attraktive Promenade mit vergrössertem Hafen, durchgehendem Seeuferweg und besserem Zugang zum Wasser.

Doch das Riesenprojekt ist teuer. Von über 100 Millionen Franken an Investitionen in die öffentliche Infrastruktur ist die Rede – eine Summe, die eine Gemeinde mit 7000 Einwohnern kaum stemmen kann.

Virtuelle Reise durch das geplante Projekt Agglolac. Quelle: youtube/agglolac.ch

Finanziert werden soll das Ganze deshalb mit dem Verkauf des Landes abseits des Seeufers, das seit dem Ende der Expo kaum mehr genutzt wird. Das bestens erschlossene Areal gehört zu den attraktivsten und wertvollsten Landreserven, die es in der Schweiz noch gibt. Einen privaten Investor zu finden, war darum nicht schwierig. Die Zürcher Immobiliengesellschaft Mobimo plant, für fast 400 Millionen Franken 120'000 Quadratmeter Wohnfläche für 2000 Nidauerinnen und Nidauer zu bauen.

Zu viel Luxus, sagen Kritiker

Der Deal zwischen den Städten Nidau und Biel – der grossen Nachbarin gehört mehr als die Hälfte des Terrains – sowie der Immobilienfirma wird nun aber infrage gestellt. «Durch dieses Bauprojekt eines der wenigen Naherholungsgebiete zu gefährden, ist eine Schande», sagt Lena Frank, Vizepräsidentin der Grünen Kanton Bern und Bieler Stadträtin. Sie ist Vorstandsmitglied des Vereins Stopp Agglolac, der sich am Montag der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Weiter engagieren sich Vertreter der Grünliberalen, FDP, BDP, SP, SVP sowie PdA aus Biel und Nidau. Bis am Montag hatten sich 21 Stadträtinnen und Stadträte sowie rund 130 Privatpersonen eingeschrieben. «Wir sind nicht die Verhinderer von Agglolac», sagt Manuel Schüpbach, Vizepräsident der Grünliberalen Biel, «wir begrüssen die Attraktivierung des Seeufers grundsätzlich sehr. Das vorliegende Projekt ist aber der falsche Weg.»

Der Verein kritisiert unter anderem die vorgesehene dichte Bebauung des Areals inklusive eines 70 Meter hohen Hochhauses, die finanziellen Risiken für die Gemeinden, die einseitig zugunsten des Investors abgeschlossenen Verträge und die Exklusivität der geplanten Wohnungen. «Mit Agglolac werden in erster Linie die finanziellen Ziele des Investors erfüllt», sagt Markus Baumann vom Vorstand der SVP Nidau.

Baurecht statt Landverkauf

Die Kritik hat bereits die Stadtparlamente von Biel und Nidau erreicht. Dieselben Parteivertreter, die hinter Stopp Agglolac stehen, wollen mit Motionen den Verkauf des Terrains verhindern. Stattdessen soll interessierten Investoren ein Baurecht eingeräumt werden. 2013 hatten jedoch die beiden Stadträte die Rahmenbedingungen für die Verträge mit Mobimo genehmigt.

Die Stadtpräsidentin von Nidau versteht, dass es bei einem solch grossen und wichtigen Projekt Kritik gibt. Sandra Hess (FDP) verlangt von den Gegnern allerdings mehr Sachlichkeit. Es sei klar, dass es jetzt noch viele offene Fragen gebe. Bis zu den Volksentscheiden werde man auf alle eine Antwort liefern.

Hess wirft dem Verein Stopp Agglolac zudem die Verbreitung von Unwahrheiten vor. So sei beispielsweise die Finanzierung der Infrastruktur durchaus geklärt, und mit Agglolac würden nicht nur teure Wohnungen erstellt. 15 Prozent der Flächen seien für Genossenschaften vorgesehen.

Der Stadtpräsident von Biel zeigt sich offen für den Dialog mit den Gegnern. Erich Fehr (SP) fordert allerdings Kompromissbereitschaft auf allen Seiten. «Bei einem Projekt mit so vielen verschiedenen Ansprüchen kann niemand seine Wünsche zu 100 Prozent durchbringen.» Fehr verwahrt sich zudem gegen den Vorwurf, die Anliegen der Bevölkerung seien bisher zu wenig berücksichtigt worden: «Das Mitwirkungsverfahren war viel umfangreicher als gesetzlich vorgeschrieben.»

Auch bald 15 Jahre nach Schliessung der Expo-Tore fahren auf dem Areal die Bagger noch nicht so schnell auf. Ende 2018 soll in Biel und Nidau über das Grossprojekt abgestimmt werden. Sagen beide Städte Ja, dauert es bis zum Baubeginn weitere zwei bis drei Jahre. 2030 soll das Nidauer Seeufer dann schliesslich so aussehen wie heute schon auf den schönen Projektbildern.

Der Bund

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