Adelbodner Alpenbad fehlen wieder die Investoren

Eine bald 20-jährige Geschichte im Oberländer Tourismusort nimmt kein gutes Ende: Adelboden muss sein geplantes Luxus-Wellnessprojekt wohl abblasen. Die Geldgeber sind abgetaucht.

Das Alpenbad auf einem Projektbild von 2010. (Archiv)

Das Alpenbad auf einem Projektbild von 2010. (Archiv) Bild: zvg

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Das Adelbodner Alpenbad steht kurz vor dem Aus. Schon wieder. Offenbar ist es der Projektgruppe um die Swiss Spa Group (SGG), die in der Oberländer Tourismusgemeinde ein rund 140 Millionen teures Hotel mit Wellnessbereich bauen will, erneut nicht gelungen, zuverlässige Investoren an Bord zu holen.

Die Gemeinde zumindest ist, nachdem vor eineinhalb Jahren grossmündig neue Geldgeber angekündigt worden waren, mittlerweile nicht mehr so optimistisch. «Mein Optimismus schwindet immer mehr», sagt René Müller, Vize-Gemeindepräsident von Adelboden. «Wir sind enttäuscht und ernüchtert.»

Kommunikation via Anwalt

Müller und seine Kollegen haben deshalb an der letzten Sitzung beschlossen, die Notbremse zu ziehen, sollte sich bis in drei, vier Wochen das Blatt nicht doch noch wenden. Denn von den Investoren fehlt offenbar jede Spur. Der Gemeinderat kommuniziert mit der Geldgebergruppe, der Innovafina mit Sitz in Baselland, auf schriftliche Weise nur «sehr spährlich» und weitgehend nur via Anwalt. «Die Situation ist schwierig», sagt Müller. Man habe «sehr wenig» positive Signale bekommen. Adelboden warte nun den Rückbau des ehemaligen Hotel-Nevada-Areals ab, wo das künftige Luxusprojekt zu stehen kommen soll. Würden im Anschluss der Aushub und die Bauarbeiten nicht beginnen, laufe die Baubewilligung aus.

Mit seinem Vorgehen will der Gemeinderat den Druck auf die Investoren ein letztes Mal erhöhen, um zu einer Lösung zu gelangen. Die Aussichten sind allerdings nicht gut. Es ist nicht das erste Mal, dass es so weit gekommen ist. Die langwierige Geschichte des Alpenbads dauert bald 20 Jahre. Angefangen hat die Geschichte 1996, nachdem das damalige Hotel Nevada auf dem gemeindeeignen Areal nach einem Brand zerstört worden war und erste Heisswasserpläne gewälzt wurden.

Investoren kommen und gehen

Die SSG lancierte 2006 das Alpenbad. Adelboden stimmte extra einer Revision der Ortsplanung und dem Baurechtsvertrag zu. 2009 bekam die Pearl of Kuwait Real Estate Company als Investor die Baubewilligung, stieg wegen Geldproblemen aber wieder aus, womit im Dorf die Skepsis wuchs. Nach längerer Ruhe wurde im Sommer 2014 bekannt, dass die Abbrucharbeiten für das Nevada-Areal vorbereitet würden.

Noch musste mit dem Investor, der im Oktober 2014 schliesslich präsentiert wurde, der Zahlungsnachweis geklärt werden. Fast alle waren zuversichtlich und «glücklich», obschon die Investorengruppe schon damals nebulös blieb und weder der SSG-Gruppe noch dem Gemeinderat effektiv bekannt war.

Alternative Ideen werden nun geprüft

Skeptiker gab es schon damals, etwa den Adelbodner Christian Oester. Er lancierte 2013 erfolgreich eine Gemeindeinitiative, mit der er Druck machen wollte, um das Areal für alternative Projekte bereitzustellen. Heute sagt er: «Ich war ja nie gegen dieses Bad. Das Projekt war aber zu unrealistisch.» Er bedauert den voraussichtlich erneuten Stopp des Projekts. Denn dadurch verzögere sich die touristische Weiterentwicklung der Gemeinde erneut um mehrere Jahre. Er verlangt nun aber, endlich alternative Projekte zu prüfen. Immerhin sehe dies die angenommene Initiative auch vor.

Auch Vize-Gemeindepräsident Müller, der sich lange für das Wellness-Projekt eingesetzt hatte, ist mittlerweile offen für neue Projekte. «Wir werden uns Gedanken machen, was wir sonst noch auf dem Areal machen können.» Andere Ideen seien sehr wohl vorstellbar.

Von der Projektgruppe um die SGG sowie von der Innovafina war bisher niemand erreichbar.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.06.2016, 16:27 Uhr

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