«Wir werden Quantensprünge machen können»

Schulratspräsident Georges Bindschedler ist zufrieden mit dem Fachhochschul-Kompromiss.

Schulratspräsident Georges Bindschedler verfolgte die vierstündige Debatte im Grossen Rat mit Spannung.

Schulratspräsident Georges Bindschedler verfolgte die vierstündige Debatte im Grossen Rat mit Spannung.

(Bild: Adrian Moser)

Reto Wissmann@RetoWissmann

In Biel wird für alle technischen Disziplinen der Fachhochschule ein Campus gebaut. Burgdorf erhält eine Kompensation für die Schliessung des «Tech». Wie kommt dieser Entscheid bei Ihnen an?

Das ist einer der glücklichsten Tage in meiner Zeit als Schulratspräsident der Berner Fachhochschule. Der Entscheid ist ein Meilenstein für unsere Schule.

Was bedeutet er konkret?

In den technischen Bereichen wird die Fachhochschule konkurrenzfähiger und kann die Qualität der Lehre und der Forschung verbessern. Wir werden Quantensprünge machen können.

Der Preis für den Campus Technik in Biel ist der Verzicht auf die Konzentration der ganzen Schule auf die Standorte Bern und Biel. Burgdorf bleibt Standort der Fachhochschule.

Ich kann mit diesem Kompromiss gut leben. Er entspricht dem, was heute politisch möglich ist, und macht den Weg frei, um dort den Hebel anzusetzen, wo wir am meisten Handlungsbedarf haben: im Bereich Technik.

Als zweite Etappe ist eine Konzentration der Bereiche Kunst sowie Wirtschaft, Gesundheit und Soziales auf je einen Standort vorgesehen. Wie dringend ist das?

Wir suchen gerade in der Stadt Bern laufend nach Verbesserungen. Vielleicht sind wir in einigen Jahren so weit, dass wir das Optimum rausgeholt haben und ein weiterer Campus gar nicht mehr nötig sein wird.

Die Politik hat Burgdorf eine Kompensation für den Verlust des «Tech» versprochen. Was wird verschoben?

Das wissen wir heute noch nicht. Wenn die Kompensation innerhalb der Berner Fachhochschule erbracht werden muss, wird das sehr schwierig. Vielleicht gibt es aber andere Möglichkeiten.

Sie hätten es lieber gesehen, wenn Burgdorf als Fachhochschulstandort aufgegeben worden wäre und der Kanton anderweitig eine Kompensation geboten hätte.

Ja, das wäre für uns besser gewesen.

In Burgdorf wird befürchtet, dass die Technik-Ausbildung jetzt abwandert und man dann doch keinen Ersatz dafür findet.

Das verstehe ich. Es ist aber nicht meine Aufgabe, Regionalpolitik zu betreiben. Die Regierung muss jetzt zu ihrem Wort stehen und nach Möglichkeiten suchen.

Wahrscheinlich wird der Standort Bern Federn lassen müssen. Hat sich die Stadt Bern zu wenig engagiert?

Vielleicht hat sie das Geschäft als zu wenig dringlich eingestuft. In Bern sind ja bereits Bereiche der Fachhochschule untergebracht. Niemand dachte daran, dass diese verlegt werden könnten.

Besteht die Gefahr, dass man mit der Schliessung des «Tech» in Burgdorf und der Konzentration in Biel Studierende verliert?

Einen Teil wird man verlieren. Moderne, attraktive Standorte ziehen aber auch neue Studenten an. Vor allem die Zentren sind für Studierende interessant. St. Gallen zum Beispiel hat eine der besten Gesundheitsausbildungen auf Fachhochschulstufe. Sie finden dort aber fast keine Masterstudierenden, weil niemand nach St. Gallen will.

Dennoch setzen andere Fachhochschulen bei der Standortwahl auf kleine Regionalzentren wie Rapperswil, Muttenz oder Leukerbad.

Wenn sie könnten, würden auch sie stärker konzentrieren. An vielen sind jedoch mehrere Kantone beteiligt. Entsprechend vielseitig sind die regionalpolitischen Verpflichtungen.

Warum hat die Wirtschaft die Berner Fachhochschule in diesem Entscheid kaum unterstützt?

Die Wirtschaftsverbände mussten oder wollten wahrscheinlich vor allem auf ihre Mitglieder in den einzelnen Regionen Rücksicht nehmen.

Ist es mit der Nähe zwischen Wirtschaft und Fachhochschule vielleicht gar nicht so weit her?

Man muss zwischen Verbänden und Unternehmen unterscheiden. Die Nähe zwischen Berner Fachhochschule und den Unternehmen ist sehr gross.

Mit dem Bau des 300-Millionen-Franken-Campus in Biel verpflichtet sich die Fachhochschule, den Wirtschaftsstandort Kanton Bern vorwärtszubringen. Können Sie dieses Versprechen auch wirklich einhalten?

Ein neuer Campus in Biel reicht nicht. Wir brauchen dazu auch gute Dozenten und Forscher. Die Voraussetzungen sind jetzt aber viel besser, als wenn wir einfach so wie bisher weitergewurstelt hätten.

Der Bund

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