Wie Herr Fernando vor 66 Jahren den Panther jagte

Der Schwarze Panther aus dem Bernbiet ist verschwunden. Die Spurensuche dauert an – und führt zurück bis ins Jahr 1946.

Über 40 Pantherfallen stellten die Jäger 1946 auf – vergebens.

Über 40 Pantherfallen stellten die Jäger 1946 auf – vergebens. Bild: Manu Friederich

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Er hat in der Nacht auf den 8. Mai eine Bäckersfrau im dunkeln Wald bei Bätterkinden geängstigt, am 11. Mai während eines Fussballtrainings beim Moosseedorfer Staffelschulhaus für Aufregung gesorgt und am 18. Mai in Schönbühl die Nähe zu einem Swimmingpool gesucht: der «Schwarze Panther», das Wesen, dessen Existenz aus verschiedenen Gründen bis jetzt nicht nachgewiesen werden konnte. Einmal fehlte beim gefundenen Haar die Wurzel, die einen eindeutigen DNA-Nachweis erlaubt hätte. Einmal war der Boden mit zu viel Laub bedeckt, als dass der vermeintliche Panther einen verwertbaren Pfotenabdruck hätte hinterlassen können.

Auch die aufgestellten Fotofallen mied das Tier geflissentlich. Trotz Handykameras und Digitalfotoapparaten gelang der Fotobeweis bisher nicht. Überhaupt scheint es dem Tier zu gefallen, keine Hinweise oder Spuren zu hinterlassen: Woher es kam und wohin es ging, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht zurück nach Deutschland, wo sich der Panther zuvor rumgetrieben haben soll. Oder gar über die Alpen? Immerhin hielt bereits vor 66 Jahren ein Panther das Wallis in Atem. Verbleib des Tieres: unbekannt.

«Im Wallis gibt es Panther»

Die Geschichte begann im Spätsommer 1946, als im Turtmanntal mehrere Dutzend Schafe einem unbekannten Tier zum Opfer fielen. Das Geheimnis um dessen Identität konnte erst im September gelüftet werden - dank Herrn Fernando, einem ehemaligen Raubtierjäger. Für den «Kenner der Spuren wilder Tiere» sei es kein Kunststück, diejenigen des «Monstrums» zu identifizieren, schrieb der «Bund» in seiner Samstagsausgabe vom 7. September.

Das Resultat seiner Beobachtung ist eindeutig: «Im Wallis gibt es Panther.» Und zwar gleich drei Stück: Vater, Mutter, Jungtier. Eine Sensation, und doch: Herr Fernando war sich seines Urteils sicher. «Nun ist kein Zweifel mehr möglich», liess sich der Raubtierjäger im «Bund» vernehmen. Nicht nur, dass er die gefundenen Pfotenabdrücke als Pantherspuren wiedererkannte, nein. Auch den «durchdringenden Schrei» der im Unterholz versteckten Tiere war ihm vertraut.

«Sind aus den Tigern Panther geworden?»

Die im Wallis umherstreifenden Tiere stammten ursprünglich aus der Gegend um Bologna, mutmasste der «Bund». Dort seien ein Dreivierteljahr zuvor einige Tiger aus einem Zirkus entsprungen. «Sind aus den Tigern Panther geworden?» fragte die Zeitung. «Oder waren die Tiger von Anfang an Panther, die nun den Weg in die Schweiz gefunden haben?»

Im Übrigen erinnerte man sich, dass gegen Kriegsende - ebenfalls in Italien - ein Zug, der eine Menagerie transportierte, von englischen Flugzeugen mit Maschinengewehrfeuer und Bomben zerstört wurde. Ein Teil der wilden Tiere sei getötet oder verwundet worden, «während andere, ohne eine Spur zurückzulassen, verschwanden». Darunter auch einige Panther . . .

«Mit Flinte, Munition und Rucksack auf ausgedehnter Treibjagd»

Wie dem auch sei: Die Tiere waren ihres Lebens nicht mehr sicher. Der Walliser Staatsrat organisierte kurzerhand eine «ausgedehnte Treibjagd» im Illgraben, Turtmanntal und im Val d’ Anniviers. «Wohl nie ist im Wallis mit grösserer Ungeduld der Tag der Eröffnung der Jagd erwartet worden», berichtet der «Bund» tags darauf. Hunderte von Nimroden hätten schon seit Wochen Flinte, Munition und Rucksack griffbereit.

Zusammen mit Herrn Fernando erarbeitete die Gendarmerie einen «Feldzugsplan» gegen das Tier mit katzenähnlichem Gang. Mehr als vierzig Fallen wurden aufgestellt, um dem «Volksfeind Nr. 1» beizukommen. Eine zwölf Kilometer lange «Zone des Schweigens» wurde ausgeschieden, um die Tiere zu überlisten: Arglos vom Treiben der Jäger sollten sie in die aus der ganzen Schweiz herbeigeschafften Fallen tappen.

«Er ward nie mehr gesehen – Weder im Wallis noch in Pressemeldungen»

Und dann - ja, dann wurde es wie im Fall des im Frühling diesseits des Alpenwalls aufgetauchten «Panthers» still um die Tiere im Wallis. Zwar tauchten sie in den Folgemonaten immer wieder als Randnotiz in den Zeitungsspalten auf - nie aber vor den Flinten der Jäger. Obwohl die Behörden am 21. Dezember ein Kopfgeld von 500 Franken aussetzten, blieb die Jagd erfolglos.

Am 28. November 1947 schliesslich wurde der Tod des «wilden Tieres» vermeldet. Es handelte sich um ein Tier von 120 Zentimetern Länge und 80 Zentimetern Höhe, spitzen Zähnen und stechenden Augen: Es war zwar ein Wolf, der sein Leben lassen musste - der beschworene Panther aber schien damit ebenso erledigt. Er ward nie mehr gesehen. Weder im Wallis noch in Pressemeldungen. Allerdings: Wo das von Bauern, Hirten und Herrn Fernando gesichtete Weibchen mitsamt Jungtier abgeblieben ist, konnte nie geklärt werden. (Der Bund)

Erstellt: 10.07.2012, 11:10 Uhr

Das wilde Tier

Eine Moritat, «Der Bund» vom 8. Dezember 1946

Es stand ein Mann im Fenster, Am Samstagnachmittag, der sah bei Licht Gespenster – drei Schritt nur hinterm Hag:

Ein Tier mit himmelblauen Augen erschein wie lätz und grausam anzuschauen auf seinem Chabisplätz.

Die Nüstern sprühten Funken, mordgierig blickt und rund . . . wie manchem wär gesunken das Herz zum Hosengrund,

Hätt solches er gesehen! – Nicht also unser Mann: «Jetzt muss die tat geschehen!» Rief er – und legte an.

Er zielte gut und lange und bog den Finger krumm - Bumm! tönt der Schuss und bange Das Echo drauf: bumm, bumm.

Im Garten aber machte das Untier, dieser Lump, als laut die Büchse krachte, den allerletzten Gump.

Es tät noch etwas porzen, dann war es mausetot und färbt die Chabisstorzen mit seinem Blute rot.

Doch als man kam geloffen voll Vorsicht auf den Platz, Fand man, ins Herz getroffen, Des Nachbars alte Katz . . .

Sie hättens gern bestritten – es wurde trotzdem kund, von Oberwald bis Sitten ging es von Mund zu Mund:

«Er hat die Katz erschossen, die nun im Grabe ruht . . . Wann aber fliesst, Genossen, des wilden Tieres Blut?»

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