Widerstand gegen Fahrende

Gegen 200 Personen haben in Wileroltigen protestiert. Das Dorf wehrt sich gegen den geplanten Transitplatz für ausländische Fahrende.

Neben der Autobahnraststätte in Wileroltigen wohnen derzeit  rund 200 Fahrende.

Neben der Autobahnraststätte in Wileroltigen wohnen derzeit rund 200 Fahrende. Bild: Valérie Chételat

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Aufgrund der seit zwei Jahren gemachten Erfahrungen mit den Fahrenden habe der Gemeinderat entschieden, den geplanten Transitplatz mit «all seinen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen». So steht es auf dem Flugblatt, mit welchem der Wileroltigen Gemeinderat für die ausserordentliche Sitzung vom vergangenen Montag mobil machte. Die Mitteilung schloss mit der Bitte an die Bevölkerung, am Anlass teilzunehmen, «wenn Sie sich auch mit aller Kraft gegen den geplanten Transitplatz Wileroltigen einsetzen möchten». Über die Hälfte der 380 Einwohner sind dem Aufruf gefolgt. Wie die «Berner Zeitung» berichtete, musste die Versammlung wegen Platzprobleme im Freien abgehalten werden.


200 Wohnwagen auf dem Platz

Seit Anfang Juli wohnen wieder rund 500 Fahrende in 200 Wohnwagen auf dem vom Kanton zugewiesenen Platz neben der Autobahnraststätte. Zuerst hielten sich die Konflikte in Grenzen. Nachdem eine Gruppe Spanier dazustiess, haben sich die Probleme allerdings verschärft. Laut Gemeinde hielten sich diese an keine Abmachungen und seine uneinsichtig. Die Wileroltiger stören sich vor allem an Verunreinigungen und daran, dass die Fahrenden den Rastplatz angeblich widerrechtlich in Beschlag genommen hätten.

«Keine Gemeinde will so einen Platz», sagt Gemeindepräsident Christian Grossenbacher (parteilos) auf Anfrage. Ziel der vergangenen Versammlung sei es gewesen, «Gegenmassnahmen zum geplanten Transitplatz zu koordinieren und Argumente dagegen zu sammeln». Dazu habe man entsprechende Arbeitsgruppen gebildet.

«Von rechten Kreisen aufgebauscht»

Grossenbachers Kritik richtet sich auch gegen SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus, der als Direktor der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) für die Suche nach einem Transitplatz zuständig ist. Neuhaus habe sich bis vor Mitte Juli nie bei der Gemeinde gemeldet. Man habe deshalb im Vorfeld nicht mitdiskutieren können, sagt Grossenbacher. Nun wolle man ihm bei seinem nächsten Besuch Mitte August zeigen, «dass es so nicht geht», so der Gemeindepräsident. Das Konzept des Transitplatzes stamme von 2011 und sei «teilweise nicht mehr zeitgemäss». Grossenbacher schwebt vor, das Problem der fehlenden Transitplätze auf Ebene der Regionalkonferenz zu lösen. Dieser Zusammenschluss von über 80 Gemeinden sei fähig, das Problem «gemeindeharmonisch» zu lösen, so Grossenbacher.

Neuhaus sagte zum Vorwurf der verspäteten Kommunikation, dass er erst eine Woche zuvor vom Bundesamt für Strassen Bescheid erhalten habe, dass sie dem Kanton das Gelände zur Verfügung stelle. Er habe dann zum «frühestmöglichen Zeitpunkt» die Gemeinde von den Plänen informiert, das Gelände für einen möglichen Transitplatz abzuklären.

Für den Widerstand in Wileroltigen hat Neuhaus durchaus Verständnis; man habe dort schlechte Erfahrungen gemacht. Aber jetzt habe der Kanton auch die Chance, die Situation mit den ausländischen Fahrenden in geregelte Bahnen zu lenken, so Neuhaus.

Andreas Geringer, selber Fahrender und Mediator, hat vom Bundesamt für Strassen (Astra) das Mandat erhalten, als «Abwart» auf dem Platz zu wirken. Er findet den Widerstand der Wileroltiger übertrieben. Der Protest sei auch von rechten Kreisen aufgebauscht und instrumentalisiert worden, sagt Geringer. Von den 200 Versammlungs-Teilnehmer seien auch viele extra aus den umliegenden Dörfern angereist. Für ihn ist auch weiterhin klar: «Es braucht diesen Platz».

Schwierige Suche

Die JGK beabsichtigt in Wileroltigen einen definitiven Transitplatz für ausländische Fahrende zu schaffen. Zuvor hatte sich das Astra bereit erklärt, dem Kanton Bern ein Areal an der Autobahn A1 in der Nähe des 380-Seelen-Dorfes abzutreten. JGK-Direktor Neuhaus, will in den nächsten Monaten ein Vorprojekt und eine Kostenschätzung erstellen. Danach muss der Grosse Rat über einen Kredit entscheiden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.07.2017, 15:50 Uhr

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