Wenig Asyl-Aktivisten ausserhalb Berns

Während sich die Protestaktionen gegen die Asylunterkunft Hochfeld in der Stadt Bern wiederholen, ist es im übrigen Kanton ruhig.

Lauter Protest: In der Stadt Bern wird regelmässig gegen den «Asyl-Bunker» Hochfeld demonstriert.

Lauter Protest: In der Stadt Bern wird regelmässig gegen den «Asyl-Bunker» Hochfeld demonstriert. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Ein mit Veloschlössern versperrtes Eingangstor oder eine Ladung Mist im Hof: Der Erlacherhof war in den letzten Wochen immer wieder Ziel von Aktivisten, welche die Schliessung der Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage (ZSA) Hochfeld fordern. Anwohner aus dem Länggassquartier unterstützten den Protest, Bewohner schlossen sich zusammen und richteten sich mit einer «Mängelliste» an den kantonalen Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser (FDP). Auch am Mittwoch wollen die Aktivisten eine Menschenkette organisieren.

Nicht die einzige Notunterkunft

Der laute Protest gegen den «Asyl-Bunker», wie die Aktivisten die Unterkunft im Hochfeld bezeichnen, lässt beinahe vergessen: Nicht nur in der Stadt Bern sind Asylsuchende in ZSA untergebracht. So dient etwa in Thun die ZSA Allmendingen als Notunterkunft für Asylsuchende, und in Biel sind mit den Anlagen Linde und Wasen gleich zwei unterirdische Notunterkünfte in Betrieb.

In Thun ist es bisher ruhig geblieben um die ZSA Allmendingen, auch wenn die Asylsuchenden weniger offen empfangen wurden als in der Stadt. Doch die im Vorfeld geäusserte Angst der Anwohner vor Problemen mit den neuen Nachbarn habe sich nicht bestätigt: «Bis jetzt ist kein Vorfall bis zu mir durchgedrungen», sagt der Thuner Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler (SP). Seit die Unterkunft in Betrieb ist, habe es keine grösseren Probleme gegeben. Das liege wohl auch an der Lage der Unterkunft, die sich einige Hundert Meter entfernt von den nächsten Häusern befinde, sowie am Sicherheitsdispositiv. Doch auch Aktivisten, die sich mit den Asylsuchenden solidarisch zeigen, tauchten keine auf.

Thuner Unterkunft nicht gewinnorientiert

Ist in Thun also alles besser? «Auch wenn wir nicht präsent sind, heisst das nicht, dass wir die unterirdische Unterbringung dort gutheissen», sagt Elango Kanakasundaram vom Bleiberecht-Kollektiv Bern, das bei den Stadtberner Protesten sehr präsent ist. Aber: «Dass wir in Thun nicht aktiv sind, ist auch eine Frage der Ressourcen.» Zudem existierten Unterschiede zwischen den Unterkünften in Thun und Bern. So gäbe es in Thun Kochmöglichkeiten und oberirdische Aufenthaltsräume.

Wichtig sei auch: «In Bern wird die Unterkunft von der ORS gewinnorientiert betrieben. In Thun ist der Betrieb der Unterkunft staatlich und nicht privat organisiert.» Zudem ist auch für ihn die Lage der ZSA Allmendingen ein Faktor: «Der Protest in Bern wird auch vom Quartier getragen, von Anwohnern oder Schülern des Gymnasiums. Weil die Unterkunft in Thun ausserhalb des Quartiers liegt, wird die Situation der Menschen dort weniger wahrgenommen», sagt Kanakasundaram.

Aktivisten nur in Bern

Der Co-Präsident der Jungen Grünen Bern, Roman Gugger aus Thun, schätzt die Situation ähnlich ein wie Kanakasundaram. Zum einen, so Gugger, «sind in Bern mehrere politische Gruppen aktiv, während in Thun die linke Szene sehr klein ist.» Zum anderen werde in Thun die Unterkunft nicht von einer gewinnorientierten Firma betrieben, sagt auch er.

Ähnlich klingt es schliesslich auch aus Biel: Auch der Juso Biel sei die Situation der Asylsuchenden ein Anliegen, sagt etwa Co-Präsident Julián Rodriguez. Die Lage in den ZSA in Biel sei nicht viel besser als in anderen Unterkünften. Doch: «Leider ist zum Thema Asyl in Biel wenig los.» So gäbe es etwa keine Organisation wie das Bleiberecht-Kollektiv in Bern. Die Ressourcen der Juso Biel seien zu gering für einen Protest in der Stadt. «Als Juso konzentrieren wir uns auf die Orte, wo die Situation unserer Meinung nach am Schlimmsten ist: im aargauischen Bremgarten, in Solothurn und auch im Hochfeld», sagt Rodriguez.

Aktionen gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in ZSA sind also im Kanton weiterhin vor allem in Bern zu erwarten. Gugger stellt sich aber auch eine ganz grundsätzliche Frage: «Wenn man die negativen Reaktionen auf den Protest in Solothurn betrachtet, muss man sich fragen, ob Protestaktionen im aktuellen politischen Klima überhaupt sinnvoll sind.» (Der Bund)

Erstellt: 28.08.2013, 11:47 Uhr

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