Vom Stöckli in die Schlammgrube

Familie Barben aus Reutigen traut sich heute an den «spektakulärsten Crosslauf Europas» in Thun. 4000 Läufer werden zum Strongman Run erwartet – Blessuren, Prellungen und Krämpfe inklusive.

Wo gelaufen wird, sind Barbens aus Reutigen dabei. Und das a?usserst erfolgreich: Im Sto?ckli stapeln sich die Medaillen und Pokale.

Wo gelaufen wird, sind Barbens aus Reutigen dabei. Und das a?usserst erfolgreich: Im Sto?ckli stapeln sich die Medaillen und Pokale. Bild: Adrian Moser

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«Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.» So lautet nicht nur eine Volksweisheit, sondern auch Marcel Barbens Motto. Und der 52-Jährige könnte heute Sonntag durchaus froh sein darum. Zum dritten Mal startet der Reutiger am Strongman Run, dem laut Veranstalter «spektakulärsten Crosslauf Europas».

Auf einer Strecke von zwei mal acht Kilometer kämpft er sich mit 4000 anderen Läufern über den Waffenplatz Thun. 20 Hindernisse gilt es zu bezwingen. Er quält sich durch Schlamm, hangelt sich Steilwände hinauf, wühlt sich durch Reifenhaufen und irrt durch Betonlabyrinthe. Freiwillig, versteht sich – und in Begleitung seiner Töchter. Noch haben die drei gut lachen. Im Ziel wird das garantiert anders sein. Krämpfe, Prellungen und Blessuren sind ihnen sicher. «Jedes Mal, wenn ich ins Ziel einlaufe, bin ich überzeugt, mich nie wieder auf so etwas einzulassen», sagt Marcel Barben.

Kein Sonntagsspaziergang

Und dennoch: Barbens starten wieder. Und sie starten nicht einfach zum Plausch, wie die meisten anderen Teilnehmer. Sie starten, um zu reüssieren. Wenn andere einen Sonntagsspaziergang machen, läuft die Familie locker von Reutigen nach Aeschiried. Das sind rund 25 Kilometer hin und zurück. «Wir sind vielleicht schon ein wenig eine Spinnerfamilie, wenn es um den Sport geht», sagt Marcel Barben.

Durchhalten in den Everglades

Natürlich gehe es beim Strongman Run auch um den Spassfaktor, sagt er. Der Konkurrenzgedanke schwingt aber obenaus. Es geht um den Ansporn, den inneren Schweinehund zu überwinden und die eigenen Grenzen auszuloten. Das sieht auch Jean-Yves Cuendet so, Verantwortlicher Kommunikation beim Strongman Run. Egal ob in den «Everglades», – dem 120 Zentimeter tiefen Wassergraben – im «Lothar-Wald» oder an der «Eigernordwand». «Schlimm sind alle Hindernisse», sagt Marcel Barben. Besonders beschwerlich sei allerdings das Waten in der kalten Schlammbrühe. «Da kommt jeder ins Wanken.»

Selbst Barbens, die schon so manches sportliche Extrem-Event mitgemacht haben: Marcella und Nathalie bestreiten schon seit dem Kindergarten Wettkämpfe. Und dies äusserst erfolgreich. Unzählige Medaillen, Pokale und Wimpel zieren die Wände des Stöcklis. Während die Ehrenauszeichnungen der beiden Töchter über drei Wände verteilt sind, liest sich die andere Wand mit Trikotnummern und Urkunden wie ein Rennalbum der Eltern. Barbens schnürten die Schuhe am Münsingerlauf, am Kerzerslauf, am Niesenlauf, am Spiezathlon und am Jungfraumarathon. Sie zogen Startnummern am Glacier 3000 Run in Gstaad und am Mürrener Inferno- rennen.

Auch im Ausland ging die Familie bereits an den Start: Vor vier Jahren nahmen die Eltern in Weeze an der deutschen Version des Strongman Runs teil. Dort mussten die Veranstalter noch während des Rennens verschiedene Hindernisse aus der Konkurrenz nehmen: Eine Steilwand war so hoch, dass sich mehrere Teilnehmer Beinbrüche zuzogen. An einem anderen Hindernis waren die Lichtverhältnisse so ungünstig, dass Läufer aufgrund des künstlichen Lichts epileptische Anfälle erlitten.

Glücksgefühl beim Zieleinlauf

Ganz so schlimm dürfte es bei der diesjährigen Austragung des Strongman Runs im Berner Oberland nicht werden. Blutige Nasen, Schürfungen und aufgeschlagene Knie sind aber mehr als wahrscheinlich. Und es wird garantiert kräftezehrend. «Während der letzten zwei Rennen in Thun habe ich mich immer wieder gefragt, was ich mir hier eigentlich antue», so Marcel Barben. Gefunden hat er die Antwort dann jeweils im Ziel. «Das Gefühl, durchgehalten zu haben, ist gewaltig.» (Der Bund)

Erstellt: 11.03.2012, 08:14 Uhr

Strongman Run

Der Strongman Run findet heute in Thun zum dritten Mal auf Schweizer Boden statt. Bei der ersten Austragung 2010 starteten 900 Teilnehmer, 2011 wagten sich 3150 Läufer auf das Gelände des Waffenplatzes. Heuer wird mit 4000 Startenden aus 12 Nationen das stärkste Feld erwartet. Beim Thuner Crosslauf sauberen und trockenen Fusses ins Ziel zu kommen, ist unmöglich: Der Lauf querfeldein ist eine einzige kräfteraubende Schlammschlacht. Dennoch – oder gerade deshalb – erfreut sich die Veranstaltung grosser Beliebtheit. Übrigens starten heuer auch über 800 Frauen – doppelt so viele wie im Vorjahr.

Bildstrecke

Strongman Run: Schlammbad in Thun

Strongman Run: Schlammbad in Thun Wer beim Wort Hindernislauf noch an Schwedenkästen und Kletterstangen denkt, ist endgültig im letzten Jahrhundert stecken geblieben. Crossrunning heisst das neue Zauberwort für erlebnishungrige Hobbysportler.

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