Strik bleibt, UPD-Spitze vorerst auch

Der Regierungsrat weist die Entlassung des umstrittenen Psychiatrieprofessors Werner Strik zurück. Die interimistische Leitung der Universitären Psychiatrischen Dienste nimmt seine Rückkehr hin.

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«In einigen Punkten» seien «gewisse Leistungen und das Führungsverhalten» von Professor Werner K. Strik zwar ungenügend, doch für seine Entlassung lägen «keine ausreichenden Gründe vor».

So begründete der Regierungsrat am Mittwoch an einer Medienkonferenz seinen Entscheid, Strik als Direktor der Erwachsenenpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) nicht zu entlassen. Dies hatte die UPD-Geschäftsleitung mit ihrer Vorsitzenden Regula Mader im vergangenen März gefordert – weil Strik «ungenügende Leistungen erbringe, wiederholt Entscheide und Weisungen missachte, das Arbeitsklima nachhaltig störe und weder führ-, noch integrierbar sei».

Strik wies diese Vorwürfe entschieden zurück: Sie hätten «teilweise Bagatellcharakter» oder lägen ausserhalb seines Verantwortungsbereichs. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) würdige seine guten Leistungen nicht. Und: Die Art und Weise, wie die UPD-Geschäftsleitung in Absprache mit der GEF seit Jahren seine Kündigung vorbereite, erinnere «eher an einen Skandal denn an ein rechtsstaatliches Verfahren». Nachdem frühere Versuche, ihn zu entlassen, gescheitert seien, müsse nachgewiesen werden, was an den aktuellen Vorwürfen anders sei. Die 2010 geltend gemachten Vorwürfe reichten auch heute nicht für eine Kündigung.

Vergangenheit ausgeblendet

Dieser Argumentation Striks folgte nun der Regierungsrat und stützte sich dabei auf den Untersuchungsbericht eines externen Juristen: Er blendete bei seiner Beurteilung «Leistungen und Verhalten Striks in früheren Zeiten» aus und stützte den Entscheid der Universitätsleitung, die das UPD-Entlassungsgesuch für Strik bereits am 5. Juni abgelehnt hatte. Begründung: Der überwiegende Teil der Vorwürfe reiche für eine Entlassung nicht aus.

In den am Mittwoch veröffentlichten 42-seitigen Untersuchungsakten steht etwa, Striks Leistungen und Führungsverhalten hätten «nur teilweise zu Beanstandungen Anlass gegeben». Oder: Die Strik von der UPD-Geschäftsleitung «zu Recht vorgeworfenen ungenügenden Leistungen» wiesen «das erforderliche Gewicht nicht auf, um als triftige Gründe im Sinne der Personalgesetzgebung zu gelten». Mehrere Vorwürfe weist der Bericht zurück. Etwa jener, dass sich Strik Neuerungen gegenüber verschliesse und sie sabotiere.

Wenn der Regierungsrat das Gesuch um Striks Entlassung nun ablehne, sei das keine politische, sondern eine rechtliche Beurteilung: Das betonten Justizdirektor Christoph Neuhaus und Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud an der gestrigen Medienorientierung. Wenn der Rat den Antrag der Universität auf Ablehnung des Entlassungsgesuchs nicht «rein rechtlich geklärt» hätte, wäre der Entscheid später womöglich vom Verwaltungsgericht umgestossen worden. Perrenoud: «Der Regierungsrat hat seinen Entschluss als Beschwerdeinstanz gefasst.» Dies sei nicht einfach gewesen, weil der «Fall Strik emotional und politisch stark beladen» sei und in der Öffentlichkeit «breit und manchmal polemisch» diskutiert worden sei.

«Dynamik des Konflikts beilegen»

Im Übrigen bemühte sich Perrenoud, die Wogen zu glätten. Es gelte nun, «die Dynamik des Konflikts beizulegen und die Probleme, die weiterhin bestehen, gemeinsam anzugehen». Er kündete an, gemeinsam mit Erziehungsdirektor Bernhard Pulver eine Taskforce einzusetzen, um «die strategische Entwicklung der UPD zu begleiten». In dieser Taskforce würden unter seiner und Pulvers Leitung Vertreter der Universität, der UPD und des Inselspitals zusammenarbeiten.

In einem ersten Gespräch hätten die UPD-Geschäftsleitungsmitgliedern Prof. Urs Mosimann und Nicoletta della Valle (für die beiden war noch im März eine weitere Zusammenarbeit mit Strik «keine Option») ihren Kooperationswillen bekundet. Er werde deshalb in den nächsten Tagen eine Begleitgruppe «unter Einbezug der Universität» einsetzen, um die UPD-Geschäftsleitung zu unterstützen – mit dem Ziel, die Verunsicherung beim Personal zu beseitigen und den bestmöglichen Betrieb sicherzustellen. UPD-Sprecherin Susanna Regli bestätigte: Man habe vom Entscheid Kenntnis genommen, werde mit Professor Strik das Gespräch aufnehmen und erwarte «von allen Seiten eine konstruktive Zusammenarbeit». (Der Bund)

Erstellt: 05.12.2012, 15:18 Uhr

«Causa Strik»

22. Februar 2012: Die UPD-Vorsitzende Regula Mader stellt bei der Universitätsleitung den Antrag, der Direktor Psychiatrie und Geschäftsleitungsmitglied, Professor Werner K. Strik, sei per sofort freizustellen und zu entlassen. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm sei nicht möglich. Mader unternimmt nach Bruno Guggisberg und dem früheren Interimsleiter Karl Studer damit den dritten Anlauf, um Strik zu entlassen. Nach Bekanntwerden des Antrags reagieren Mitarbeitende aus der eigenen Direktion mit Unterstützungsschreiben.

Ende Mai: Werner Strik lehnt eine Abfindung ab. Er habe beschlossen, dieses Angebot der Universität nicht anzunehmen und sich stattdessen «der Aufklärung der Ursachen und Hintergründe meiner Freistellung zu stellen», schreibt Strik seinem Team.5. Juni: Die Universitätsleitung lehnt den Antrag auf Entlassung Striks ab. Sie kommt zum Schluss, dass die Vorwürfe an Striks Adresse nicht stichhaltig seien und eine Entlassung unverhältnismässig wäre. Im Gegensatz dazu spricht Regula Mader von einem «persönlichen Problem» mit Strik. Eine Woche später fordern die UPD, Strik sei während des Verfahrens in seinen Ämtern einzustellen, die Universität lehnt wieder ab.

28. Juni: In dieser Frage entscheidet erstmals der Regierungsrat. Er stellt Strik als UPD-Klinikdirektor frei. Seine Tätigkeit in der Lehre und Forschung der Universität sind nicht tangiert. Die Justizdirektion beauftragt einen externen Rechtsanwalt mit der Prüfung des Entlassungsgesuchs.

5. November: Regula Mader wird krankgeschrieben.

Universität erleichtert über Regierungsentscheid

Die Universität Bern hat am Mittwoch mit Erleichterung Kenntnis genommen vom Entscheid der Berner Kantonsregierung im Fall Strik. Es sei wichtig, dass der Betrieb an den Universitären Psychiatrischen Diensten UPD nun stabilisiert werden könne.

Die Universität hofft, dass mit dem Entscheid des Regierungsrats und der angekündigten Taskforce «eine tragfähige Basis für eine einvernehmliche Zusammenarbeit auf der Führungsebene der UPD geschaffen werden kann», heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Die Universität und die UPD seien «bestrebt und willens», die anstehenden Aufgaben gemeinsam und sofort anzugehen.

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