Twanner Reformierte können über Kirchengeläut abstimmen

Das Bielerseeörtchen Twann mit seiner stolzen Kirche gibt ein idyllisches Bild ab. Weniger idyllisch finden allerdings vereinzelte Einwohner das nächtliche Geläut der Kirchenglocken. An einer Kirchgemeindeversammlung soll nun darüber abgestimmt werden.

Am Glockengeläut der Kirche in Twann haben nicht alle ihre Freude.

Am Glockengeläut der Kirche in Twann haben nicht alle ihre Freude.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Wenn es schon vereinzelt Kritik am Geläut gebe, dann wolle die Kirchgemeinde das demokratisch angehen und darüber abstimmen, begründete Kirchgemeinderatspräsident Hans Jürg Ritter den Schritt. Die Kirchgemeindeversammlung soll im Juni darüber abstimmen. Zur Auswahl stehen drei Varianten, wie Ritter am Freitag Meldungen in den Zeitungen «Bieler Tagblatt» und «20Minuten» auf Anfrage bestätigte.

Bei der ersten Variante würden die Glocken zwischen 22 Uhr abends und 7 Uhr morgens stumm bleiben. Bei der zweiten Variante würden sie zwischen 20 Uhr und 7 Uhr stündlich erklingen. Bei der dritten Variante würden die Glockenschläge wie bisher im Viertelstundentakt erfolgen.

Die Glocken von Twann ärgern aber längst nicht alle Einwohner. Für viele bedeuten sie auch ein Stück Heimat und Geborgenheit. Den Glocken von Twann ist sogar ein eigenes Lied gewidmet. Darin heisst es etwa: «Die lütte gäge Süde, use i See, gäh em änge Dorf Wyti und ds Wüsse, s'git de noh meh».

Musik in den Ohren oder nervtötender Lärm?

Kirchen-, aber auch Kuhglocken sorgen immer wieder für hitzige Diskussionen in verschiedenen Gemeinden. Was für die einen wie Musik in den Ohren klingt, ist für andere eine störende, unnötige Lärmquelle.

Vor etwas mehr als einem Jahr gab es eine Kontroverse um das Geläut der Pauluskirche im Stadtberner Länggassquartier. 1996 stellte die Petruskirche im Berner Kirchenfeld nach Protesten das nächtliche Läuten ein. In Köniz beschränkt sich die reformierte Kirche seit 2004 auf nächtliche Glockenschläge im Stundentakt.

In der Schweiz werden die Kontroversen immerhin nicht ganz so rabiat ausgetragen wie im Ausland: In einem polnischen Dorf in der Nähe von Lodz ging ein aufgebrachter Geistlicher dazu über, die Namen der Glocken-Gegner von der Kanzel zu verlesen, wie die Zeitung «Gazeta Wyborcza» letzten Sommer berichtete.

gbl/sda

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