Transitplatz für Fahrende dominiert die Dorfpolitik

Die Wileroltiger Gemeindeversammlung zeigt, wie ein Thema die Lokalpolitik bestimmen kann. Gegen Fahrende wehrt sich die Gemeinde mit allen Mitteln.

In Wileroltigen hängen Transparente gegen den Transitplatz.

In Wileroltigen hängen Transparente gegen den Transitplatz. Bild: zvg

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Es war in mehrfacher Hinsicht eine aussergewöhnliche Gemeindeversammlung. Zum einen waren immerhin 57 von den 268 Stimmberechtigten (21,3 Prozent) im Gemeindesaal Wileroltigen am Samstag erschienen. Zum andern wurde der Transitplatz, zu dem gar kein Traktandum vorgesehen war, zum Hauptthema. Und drittens wurden, was in kleinen Gemeinden selten vorkommt, zwei zur Wahl als Gemeinderäte vorgeschlagene Kandidaten nicht gewählt.

Zu ersetzen waren Gemeindepräsident Christian Grossenbacher, der nach nur vier Jahren nicht zuletzt deshalb den Hut nimmt, weil er die dorfinterne starke Opposition gegen einen Transitplatz für Fahrende an der Autobahn nicht mittragen will. Ebenfalls zurückgetreten ist Vize Edgar Herren. Mit Applaus wiedergewählt wurde zunächst Pascal Richterich.

Neuzuzüger chancenlos

Danach ging es um zwei neue Mitglieder. Der Gemeinderat hatte gesucht und mit dem Neuzuzüger Joakim Maeder einen Kandidaten gefunden, der sich auch gleich als Gemeindepräsident zur Verfügung gestellt hätte. Hätte – denn das Bürgerkomitee, das den Transitplatz bekämpft, wartete gleich mit zwei Kandidaten auf, Urs Spack und Philipp Stoss, die mit mit 42 bzw. 29 Stimmen auch prompt gewählt wurden. Mäder (22 Stimmen) und Otto Lieb (17 Stimmen), der vom Gemeinderat ebenfalls zur Kandidatur hatte motiviert werden können, hatten das Nachsehen.

Nicht ganz reibungslos verlief auch die Wahl eines neuen Gemeindepräsidenten. Der bisherige Gemeinderat Hinnerk Semke zierte sich und wollte das Amt nur nach einer Neuverteilung der Aufgaben akzeptieren. Schliesslich nahm er die Wahl an, allerdings unter Vorbehalt, dass sich punkto Neuverteilung etwas bewege. Er hat zehn Tage Zeit, um das Amt allenfalls doch noch abzulehnen.

Verschärftes Polizeireglement

Unter «Verschiedenes» war dann wieder der Transitplatz das Hauptthema. Grossrat Daniel Schwaar (BDP) berichtete, dass die bürgerliche Opposition im Kantonsparlament nicht geeint agiert habe, das Projekt Transitplatz Wileroltigen deshalb weiterhin aktuell sei und von Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) weiterverfolgt werde.

Das Bürgerkomitee stellte darauf den Antrag, der Gemeinderat habe das Thema Transitplatz zwingend der nächsten Gemeindeversammlung vorzulegen, und es müsse dann darüber abgestimmt werden, ob die Gemeinde für oder gegen einen Transitplatz sei. Der Antrag wurde mit 48 Stimmen klar angenommen.

Auch der zweite ebenfalls klar angenommene Antrag drehte sich um das Thema Fahrende: Verlangt wird darin, dass der Gemeinderat der nächsten Gemeindeversammlung ein Polizeireglement vorlegt. Darin soll unter anderem vorgesehen werden, dass Private, die Fahrenden die Anwesenheit auf ihrem Grundstück erlauben, alle Kosten selber tragen müssen. «Kommen Fahrende illegal, bringt man sie mit dem Reglement vielleicht schneller wieder weg», argumentierte Armin Mürner vom Bürgerkomitee.

Auch der Schlusspunkt wurde durch das Hauptthema gesetzt. Eine Rednerin kritisierte das zerrissene Anti-Fahrende-Transparent beim Dorfeingang Nord. Das Bürgerkomitee versprach, es umgehend zu entfernen. (Der Bund)

Erstellt: 10.12.2017, 13:32 Uhr

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