Tram Region Bern – ein Verkehrsprojekt der Illusionen

Politiker und Planer sollten akzeptieren, dass Bern eine enge, kleine Stadt ist. Ein «Trampolin»-Blog von Urs Dürmüller, Präsident der IG.

Urs Dürmüller, geboren und aufgewachsen in Bern, betätigt sich seit seinem Übertritt ins Rentnerdasein hauptsächlich als Aktiv-Bürger.

Urs Dürmüller, geboren und aufgewachsen in Bern, betätigt sich seit seinem Übertritt ins Rentnerdasein hauptsächlich als Aktiv-Bürger.

(Bild: Adrian Moser)

Schon einmal versuchten Stadtregierung und Stadtplaner, den Bernern und Bernerinnen eine Verkehrsvorlage schmackhaft zu machen, die überhaupt nicht zu Bern passte. Das war 1970, als die Stadtberner Stimmberechtigten die sog. «H-Lösung» ablehnten, die unter anderem eine vierspurige Verbindungsstrasse über den Bären- und Waisenhausplatz vorsah. Die Vernunft der Bürger und Bürgerinnen siegte schliesslich über die Unvernunft der Politiker, Planer und Baulobbyisten. Auch diesmal, 44 Jahre später, ist es am Stimmvolk, der geballten Macht von Regierung, Parteiapparaten, Wirtschaftsverbänden und Propagandamaschinen entgegenzutreten und sicherzustellen, dass Bern auch in Zukunft eine lebenswerte Stadt bleibt.

Denn Bern ist nicht zur Tramstadt geeignet. Zu eng sind die Strassen, und allzu störend die Stromkabelnetze in der Innenstadt. Wo vorbildliche Tramstädte in Europa auf 95% Eigentrassee fürs Tram setzen, da begnügt sich Bern mit 15%, wovon erst noch die Hälfte in Tunneln liegt oder mit Wendeschleifen identisch ist. Eine andere Vorgabe in unseren Nachbarländern verlangt den konsequenten Einsatz von Zwei-Richtungs-Tramzügen. RBS, BLS und SBB könnten ohne Zwei-Richtungs-Fahrzeuge ihren Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten; das «Zukunftsprojekt »TRB jedoch will an den teuren und kostbares Land besetzenden Wendeschleifen festhalten!

Es ist eine Illusion zu glauben, TRB sei ein «Jahrhundertprojekt», wie es ein Mitglied unserer Stadtregierung immer wieder verkündet. Denn das blosse Ersetzen eines Verkehrsmittels (Bus) durch ein anderes (Tram) ist sicher kein grosser Wurf. TRB bringt nichts Neues, ja löst nicht einmal die Kapazitätsengpässe während der Hauptverkehrszeiten. Denn so lange die Pendler aus Ostermundigen und Schliern als erste ins Tram oder den Bus einsteigen, besetzen sie die Sitzplätze, bevor die Berner einsteigen. Wer glaubt, dass es für sie oder ihn im Tram mehr Platz oder sogar einen Sitzplatz haben wird, täuscht sich sehr.

Eine Illusion ist es auch zu glauben, der Verkehr werde besser fliessen, wenn Trams die Busse ersetzen. Denn im Mischverkehr ist ein schienengebundenes Fahrzeug klar benachteiligt. Auch wird es auf den stark befahrenen Verkehrsachsen hinter den Trams leicht zu Staus kommen. Unbestritten ist überdies, dass die Fahrzeit, z.B. von Ostermundigen nach Bern, im Tram länger dauern wird als jetzt im Bus.

Des weiteren ist es eine Illusion zu hoffen, die historischen Alleen, die im Nordquartier dem Tram weichen müssten, könnten je gleichwertig ersetzt werden. Zwar verlangt sowohl der Denkmalschutz wie das ASTRA-verwaltete Inventar der historischen Alleestrassen eine Neupflanzung mit ebenfalls grosskronigen Bäumen. Was als Ersatz von der Projektleitung jedoch vorgesehen ist, sind schmalwüchsige Bäumchen ohne nennenswerte Kronen, deren Wurzeln sich in den engen Betontrögen zwischen Geleiseunterbau und Kabelröhren kaum entwickeln können.

Als Illusion wird sich hoffentlich auch die Erwartung der Projektinitianten erweisen, die Steuerzahler liessen sich bezüglich TRB leicht ein X für ein U vormachen. Im Gegenteil: Viele von ihnen – auch ich - haben die politische Aufgleisung von TRB als einen Prozess der zunehmenden Entfremdung von Bürgerschaft und Staat empfunden.

Ganz sicher machen sich all jene Illusionen, die darauf spekulieren, TRB, dieses enorme Tiefbauprojekt, sei zum Schnäppchenpreis zu haben, oder würde – ausnahmsweise! - zum Schluss nicht doppelt so hohe Kosten verursachen, wie budgetiert.

Möge meine persönliche Hoffnung, dass die Finanzierungsvorlage zu TRB Ende September wuchtig verworfen werde, sich nicht auch als Illusion herausstellen!

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