«Tragischer Fehler» während Operation im Spital Biel

Ein Patient des Spitalzentrums Biel trägt von einer Operation möglicherweise bleibende Schäden davon. Das Spital haftet. In der Schweiz erliegen jährlich über 1000 Patienten einem medizinischen Fehler.

Zwischen 1000 und 1700 Menschen fallen in der Schweiz jährlich medizinischen Fehlgriffen zum Opfer.

Zwischen 1000 und 1700 Menschen fallen in der Schweiz jährlich medizinischen Fehlgriffen zum Opfer.

(Bild: Adrian Moser)

Am Dienstag sei es bei einer Operation im Spitalzentrum Biel zu einem «tragischen medizinischen Fehler» gekommen, berichtet das Spitalzentrum in einer Medienmitteilung. Der Gesundheitszustand des Patienten verschlechterte sich daraufhin so massiv, dass er ins Inselspital Bern verlegt wurde, wo weitere Operationen folgten. Sein Zustand ist nun stabil.

Es besteht allerdings das Risiko, dass er «bleibende körperliche Beeinträchtigungen» davonträgt. Wer haftet für den Fehler? «Das Spital haftet für Erwerbsausfälle und Aufwendungen für die Genesung», sagt Marie-Pierre Fauchère, Mediensprecherin am Spitalzentrum Biel. Das Spital haftet somit auch für die zusätzlichen Operationen.

Versicherer blocken oft ab

In diesem Fall gibt das Spital den Fehler offen zu. Der Patient hat dabei Glück im Unglück, denn bei den meisten Fällen medizinischer Fehler ist der Patient in einer schwachen Position. Wenn der Arzt oder das Spital sich keines Fehlverhaltens bewusst sind – oder sein wollen –, muss der Patient beweisen, dass ein Fehler begangen wurde. «Die Hürde, einen Fehler nachzuweisen, ist hoch», sagt Barbara Züst, Co-Geschäftsführerin beim Patientenschutz. Denn: Nachweisen muss er nicht nur den Fehler, sondern auch, dass die entstandenen Folgeschäden direkt auf diesen Fehler zurückzuführen sind.

Ein naturwissenschaftliches Gutachten samt Abklärungen, welches einen solchen Beweis erbringen könnte, koste um die 5000 Franken, so Züst. Beispiele für Fälle, in denen Beweise erbracht werden mussten, gebe es unzählige. So berichtet Züst von einem Fall, in dem die Chirurgen einen Operationsschwamm im Bauchraum vergassen. Dies führte zu Verwachsungen im Darm, die man erst nach einiger Zeit bemerkte. In einer zweiten Operation entfernte man den Schwamm. Doch die Verwachsungen gingen weiter.

Das Problem: «Wie will man nun beweisen, dass die Verwachsungen nicht sowieso aufgetreten wären?», fragt Züst. Und selbst wenn die Spitäler den Fehler eigentlich zugäben, müsse der Patient gegen Widerstand kämpfen, sagt Züst: Denn die Haftpflichtversicherungen der Spitäler wollten oft nicht zahlen. Wer schliesslich haftet – der Kanton, das Spital oder der Arzt –, hängt ganz von der Rechtsform der Institution ab. Da das Spitalzentrum Biel eine Aktiengesellschaft ist, also eine eigenständige juristische Person, haftet in diesem Fall das Spital.

Tausend tödliche Kunstfehler

In der Schweiz erliegen jährlich 1000 bis 1700 Spitalpatienten einem medizinischen Fehler. Dies ergibt eine Studie der Stiftung für Patientensicherheit aus dem Jahr 2007. Laut der Studie sterben also mehr als doppelt so viele Menschen an einem Kunstfehler wie an Verkehrsunfällen. Hinzu kommen die Kunstfehler, die nicht zum Tod führen.

Aus Fehlern sollte man lernen. Deshalb hat die Stiftung für Patientensicherheit im Jahr 2006 «Cerrnet», ein Netzwerk für anonyme Fehlermeldungen, eingerichtet. Dort können sich Fachleute über Fehlerquellen austauschen. Das Spitalzentrum Biel ist an das Netzwerk angeschlossen.

Auch der Chirurgenverband (FMCH) beschäftigt sich mit dem Thema Kunstfehler. «Bei unserer aussergerichtlichen Gutachtenstelle gehen jährlich im Schnitt 50 Anfragen ein», sagt Ombudsmann Hans Zollinger. Die Stelle klärt ab, ob Kunstfehler begangen wurden. Verglichen mit der Anzahl Operationen, sei die Fehlerquote relativ gering: «Chirurgie ist immer eine komplexe Sache.»

Der Bund

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