Teuscher für sanfte Form der freien Schulwahl

Die Stadtberner Bildungsdirektorin möchte in weiterer Zukunft pro Schulkreis gerne eine Ganztagesschule führen. Eltern könnten dann künftig zwischen dem Besuch einer «normalen» und einer Ganztagesschule wählen.

Bildungsdirektorin Franziska Teuscher kann sich vorstellen, erst einmal ein Pilotprojekt einer Ganztagesschule an einer städtischen Schule durchzuführen.

Bildungsdirektorin Franziska Teuscher kann sich vorstellen, erst einmal ein Pilotprojekt einer Ganztagesschule an einer städtischen Schule durchzuführen.

(Bild: Adrian Moser)

Noch ist es Zukunftsmusik. Doch der Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) ist es ernst. Sie möchte, dass Eltern ihre Kinder in der Stadt Bern in eine Ganztagesschule ­schicken können, so sie das wollen.

In eine Schule also, in der grundsätzlich alle Schulkinder über Mittag bis am späteren Nachmittag in der Schule bleiben. «Für mich sind Ganztagesschulen das Zukunftsmodell», sagt Teuscher.

Denn: «Von einer Ganztagesschule profitieren sowohl die Kinder wie die Eltern.» In ­einer Gesellschaft, in der in immer mehr Familien beide Elternteile berufstätig seien, müsse man die Angebote diesen Realitäten anpassen und Ganz­tagesschulen ermöglichen.

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Tagesschule und einer Ganztagesschule? Die Tages­schule ist ein Betreuungsangebot, bei dem berufstätige Eltern Betreuungsmodule nach ihren Bedürfnissen frei zusammenstellen können.

Mit der Teilrevision des Volksschulgesetzes im Jahr 2008 wurden die Gemeinden verpflichtet, ein Tagesschulangebot einzurichten, wenn mindestens zehn Kinder dieses nutzen wollen. Dabei können die Gemeinden dieses Angebot mit Rücksicht auf die lokalen und regionalen ­Gegebenheiten aufbauen.

In einer Ganztagesschule dagegen gehen alle Kinder fünf Tage die Woche gemeinsam zur Schule, die Kinder der einzelnen Klassen bleiben alle über Mittag bis am späteren Nachmittag zusammen. In einer Ganztagesschule sind die Gruppen stabil und konstant, in der Tagesschule sind diese jeden Tag unterschiedlich zusammengesetzt.

In Bezug auf den Unterrichtsinhalt unterscheidet sich eine Ganztagesschule nicht von einer anderen Schule. «Der Schulstoff bleibt gleich», sagt Teuscher. Aber: Eine Ganztagesschule bietet aus ihrer Sicht die Möglichkeit von neuen, vielfältigeren Lernformen, weil die Kinder in der Klasse ganztags zusammen sind.

Wichtig findet Teuscher, dass an einer Ganztagesschule der Fokus nicht nur auf die Stoffvermittlung und das Lernen gelegt wird. «Die Kinder müssten daneben genügend Raum für Eigenaktivitäten und kreative Tätigkeiten haben.»

Schwache und Starke fördern

Der Vorteil einer Ganztagesschule ­bestehe darin, dass «man die Kinder gezielter fördern kann, über den Unterricht hinaus. Und zwar schwächere wie speziell begabte Kinder.» So zumindest formulierte es jüngst Walter Herzog, Professor für Erziehungswissenschaft, in einem «Bund»-Interview.

Er plädierte darin auch für die Möglichkeit, in grösseren Gemeinden Ganztagesschulen einzurichten, die freiwillig besucht werden könnten.

Diese Idee möchte Teuscher für die neue Bildungsstrategie der Stadt Bern aufnehmen. «Im Rahmen dieser Strategie möchte ich das Thema Ganztagesschule konkretisieren», sagt die Bildungsdirektorin. Sie kann sich vorstellen, erst einmal ein Pilotprojekt an einer städtischen Schule durchzuführen.

Dafür braucht sie allerdings eine Schule, die mitmacht. «Ich schätze die Schul­leitungen in der Stadt Bern als sehr innovativ ein und bin überzeugt, dass sich eine Schule melden würde, die dies umsetzen will.» Für Teuscher ist klar, dass der Besuch eines solchen Pilotangebots auf freiwilliger Basis erfolgen müsste.

Das Projekt könnte also durchaus ­Potenzial für eine sanfte Form der freien Schulwahl haben. Teuscher sagt denn auch, dass sie durchaus hinter einer freien Schulwahl dieser Art stehen könnte, bei der die Eltern wählten, ob ihre Kinder die «normale» oder die Ganztagesschule besuchten.

Ein langfristiges Ziel wäre es laut Teuscher, dass es in Zukunft in jedem Stadtberner Schulkreis eine solche Ganztagesschule gäbe. Doch als Erstes möchte die grüne Gemeinderätin nun erst einmal das Interesse an einer Ganztagesschule sowohl auf Elternseite wie bei der Lehrerschaft abklären. Erst dann möchte sie gezielt ein Projekt aufgleisen.

Der Bund

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