Teures Freizeitvergnügen

Betrieb von Sportanlagen

Die Gemeinden geben Jahr für Jahr viel Geld für Schwimmbäder oder Eishallen aus, weil deren Betrieb stark defizitär ist. Dies schreckt nicht davor ab, neue Anlagen zu fordern.

In Worb entscheiden die Stimmberechtigten Ende Monat, ob der Wislepark mehr Geld von der Gemeinde erhält.

In Worb entscheiden die Stimmberechtigten Ende Monat, ob der Wislepark mehr Geld von der Gemeinde erhält.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Adrian Schmid@adschmid

Mit Schwimmbädern oder Eisbahnen lässt sich kein Geld verdienen. Die allermeisten Anlagen schreiben Jahr für Jahr rote Zahlen. Die Einnahmen aus Eintritten von Privaten oder Klubs – ein Eis­hockeyverein bezahlt für eine Stunde Training um die 250 Franken – reichen nicht aus, um die hohen Kosten zu decken. «Wenn diese ganz auf die Kunden abgewälzt würden, wären die Eintritts­preise derart hoch, dass dies die Leute abschrecken würde», sagt Christian Bigler, Chef des Sportamts der Stadt Bern.

In Worb kommt am 28. September eine Vorlage an die Urne, die eine Erhöhung des Beitrages an das Sportzentrum Wislepark verlangt. Bisher erhielt dieses von der Gemeinde 400'000 Franken pro Jahr. Die Verantwortlichen haben jedoch festgestellt, dass sie damit nicht über die Runden kommen. Nun soll der Betrag verdoppelt werden. Nebst einer Eishalle und einem Freibad gehören auch eine Curlinghalle, ein Fitnesszentrum, ein Wellnessbereich und ein Restaurant zur Anlage. Wenn man vergleicht, wie viel Geld andere Kommunen in ihre Sportanlagen stecken, stellen die 800'000 Franken keine übertriebene Forderung dar.

774'000 Franken für ein Freibad

Die Gemeinde Ostermundigen etwa musste alleine beim Freibad, das von ihr betrieben wird, 2013 ein Defizit von 774'000 Franken decken. In Münsingen beträgt das jährliche Minus beim Parkbad, das von der Gemeinde bezahlt wird, rund eine halbe Million Franken. Köniz gibt bei der Badeanlage Weiermatt einen ähnlichen Betrag aus. Die Gemeinden Münchenbuchsee und Zollikofen steuern derzeit zusammen 530'000 Franken pro Jahr an den Betrieb des Sportzentrums Hirzenfeld (Freibad und Eisbahn) bei.

In Lyss führt die Gemeinde sowohl das Parkschwimmbad wie die Eishalle. Zusammengezählt resultierten dabei in den letzten fünf Jahren Auf­wand­überschüsse zwischen 766'000 Franken und einer Million Franken. Die Gemeinde Langnau hat in den letzten fünf Jahren ihre Unterstützung an die ­Ilfis-Stadion AG, welche für die örtliche Eishalle zuständig ist, von 70'000 auf 410'000 Franken erhöht.

Die Stadt Bern gibt für drei Kunsteisbahnen und neun Hallen- beziehungsweise Freibäder jährlich zwischen 13 und 14 Millionen Franken aus. «Die Infrastruktur ist teuer», sagt Christian Bigler. Eisbahnen und Hallenbäder benötigen viel Energie, zudem sind gerade in Bädern nebst der Wasseraufbereitung auch die Personalkosten ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, zumal auch hohe Ansprüche an die Sicherheit gestellt werden. Beim Hallenbad Bolligen etwa sind die Löhne der Bademeister der grösste Aufwandposten. 2013 ­beliefen sich diese auf rund 240'000 Franken, was knapp einem Drittel der Gesamtausgaben entspricht, wie der Gemeinde­rechnung zu entnehmen ist.

Hallenbadpläne in Bern und Thun

In Bern wird derzeit intensiv über neue Schwimmflächen diskutiert. Die FDP hat eine Initiative eingereicht, die mehr Hallenbäder verlangt. Sportamt-Chef Bigler geht davon aus, dass eine neue Halle von der Stadt betrieben würde. Zu den Betriebs­kosten kann er allerdings noch nicht viel sagen, da diese stark vom Raumprogramm und vom Betriebskonzept abhängen. Die Diskussionen und Abklärungen drehen sich aber immer noch um die Standortfrage. Bigler lässt jedoch durchblicken, dass es grundsätzlich das Ziel sei, die «Nettokosten möglichst tief» zu halten. Von schwarzen Zahlen ist keine Rede.

In Thun will man ebenfalls ein neues Hallenbad bauen, zumal es dort noch gar keines gibt. Die Initiative kommt von privater Seite. Doch auch hier hofft man auf die Unterstützung durch die Stadt: einerseits in Form eines jährlichen Beitrages und andererseits, indem das Land gratis zur Verfügung gestellt wird. «Ein Hallenbad ist immer ein bisschen defizitär», sagte Peter Stutz, Präsident des Vereins, der hinter den Plänen steht, kürzlich an einer Medienkonferenz. Zusätz­lich wird eine Mantelnutzung mit Fitness- und Wellnessangeboten – wie im Worber Wislepark – in Betracht gezogen. «Sogenannte Cluster, wo man alles an einem Ort machen kann, sind beliebt», sagte Stutz weiter.

Eine der wenigen Ausnahmen ist das Hallenbad Burgdorf. Dieses schreibt schwarze Zahlen und kommt erst noch ohne Gemeindeunterstützung aus. Wie ist das möglich? «Wir bieten viele Kurse an», sagt Beatrix Rechner, Verwaltungs­ratspräsidentin der Hallenbad Burg­dorf AG. Zudem umfasse die Anlage auch ­einen Fitness- und Wellness­bereich. Der Erfolg basiert also auf einem gängigen Rezept. Rechner macht aber keinen Hehl daraus, dass sie einen Beitrag annähme, wenn die Stadt diesen spräche.

Staatsaufgabe oder nicht?

Ist es aber richtig, dass die öffentliche Hand defizitären Schwimmbädern oder Eisbahnen unter die Arme greift? Aus wissenschaftlicher Perspektive kann dies nicht abschliessend beantwortet werden. «Letztendlich ist es eine politische Frage und damit ein Setzen von Prioritäten durch die zuständigen Organe», sagt Professor Reto Steiner vom Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern. Für die Beurteilung stünden drei Kriterien im Vordergrund: ob eine Aufgabe notwendig sei, ob sie wirksam erbracht werde und ob sie in ­einem akzeptablen Aufwand-Ertrag-­Verhältnis finanzierbar sei.

Für den Sportanlagen-Experten Martin Strupler ist es «im Grundsatz vernünftig», dass sich der Staat an den Betriebs­kosten beteiligt. Er begründet dies mit der Gesundheitsprävention und der Bewegungsförderung. Die Politiker müssten daher bereit sein, Geld dafür auszugeben. «Der Ansporn für jeden Betrei­ber, ob staatlich oder privat, muss sein, einen möglichst hohen Kosten­deckungsgrad zu erreichen.»

Der Bund

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