Südanflug nervt Gleitschirmszene

Kommt beim Flughafen Bern-Belp der Südanflug, betrifft dies auch die Berner Gleitschirmflieger. Sie fühlen sich von den Behörden übergangen.

Belpmoos: Ein künftiges Dorado für Skaten und Rollhockey?

Belpmoos: Ein künftiges Dorado für Skaten und Rollhockey?

(Bild: Franziska Scheidegger)

Entspannt mit dem Gleitschirm vom Gurten ins Marzili hinunterfliegen – was spricht dagegen? In erster Linie der Flughafen im Belpmoos mit der Flugverbotszone für sogenannte Sichtflieger. Damit künftig auf dem Gurten abgehoben werden könnte, müsste also der Flughafen Bern zuerst den Flugbetrieb einstellen. Exakt diese Forderung wird in einer Online-Petition gegenüber Regierungsrätin Barbara Egger (SP) erhoben: «Flughafen Bern-Belp schliessen!»

Was wie ein provokativer Scherz anmutet, hat durchaus einen ernsten Hintergrund: Vor kurzem bewilligte der Bund die Pläne für den Südanflug. Die neue Anflugroute führt via Emmental oder Schwarzenburgerland nach Belp. Im Aaretal befinden sich jedoch einige der beliebtesten Berner Gleitschirm-Hotspots wie Blumenstein, Gerzensee oder Gurnigel. Viele aus dieser Szene fürchten sich vor massiven Einschränkungen oder gar einem kompletten Flugverbot.

Gleitschirmszene ist nervös

Die Online-Petition ist Ausdruck dieses Unbehagens. Rund 450 Unterstützerinnen und Unterstützer haben sie bis am Montagabend unterzeichnet. Initiiert hat sie der junge Hobby-Gleitschirmpilot Felix Brun. «Ich habe die Petition aus einer Wut heraus gestartet», sagt er. Brun fühlt sich vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und von den Flughafenbetreibern übergangen. Den Südanflug bezeichnet er als «Schlag ins Gesicht der Hängegleiterpiloten», die sich stets kompromissbereit gezeigt hätten. Nun fürchtet Brun, dass der Flughafen mit dem geplanten Ausbau Fakten schafft: «Wenn die Infrastruktur für einen Südanflug einmal gebaut ist, wird es für die Kleinaviatiker sehr schwer werden, sich dagegen zu wehren.»

Auch Heiri Jordan, Präsident des Gleitschirmvereins 45° Flyingteam, hat unterzeichnet. Sein Verein sei im Gürbetal aktiv und wäre von einem Südanflug stark betroffen. Die Petition habe zwar wenig Chance, aber es gehe auch darum, «ein Zeichen zu setzen». Brun stösst mit seinem Vorpreschen jedoch nicht bei allen Gleitschirm-Enthusiasten auf Wohlwollen. So wollte Christian Markoff vom Hängegleitverband gegenüber dem «Bund» keine Stellungnahme abgegeben, sondern ging zu den Unterzeichnern der Petition auf Distanz.

«Wollen mitdiskutieren»

Zurückhaltend äussert sich Etienne Bischoff, der Präsident von Berns grösstem Gleitschirmclub Bärn Gliders. Bezüglich Südanflug herrsche in der Szene tatsächlich grosse Verunsicherung: «Viele Piloten sind verunsichert und fühlen sich offenbar von den involvierten Parteien nicht ernst genommen», sagt Bischoff. Dennoch: «Die Abschaffung des Flughafens Bern zu fordern, ist für uns Gleitschirmpiloten weder eine realistische Option noch zielführend.» Für Bischoff steht aus heutiger Sicht keineswegs fest, wie der Luftraum im Bereich des Südanflugs genau geregelt sein wird. Er setzt deshalb auf Dialog: «Wir wollen auf jeden Fall mitdiskutieren, jetzt das Geschirr zu zerschlagen, ist für uns nicht der richtige Weg.»

Aber auch für ihn ist klar: Falle die künftige Regelung der Lufträume zu restriktiv aus, öffne dies «Tür und Tor» für Luftraumverletzungen. Das sei nicht im Sinne einer sicheren Fliegerei.

Felix Brun lässt sich von solch realpolitischen Überlegungen nicht vom Träumen abhalten: Er spricht vom grossen Potenzial eines geschlossenen Flughafens, der Entstehung neuer Kulturräume, von Rollhockey – so wie auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof. Ohne Aufwind wäre man übrigens in zwei bis drei Minuten im Marzili, sagt Brun. Bei guter Thermik könne ein erfahrener Pilot aber stundenlang in der der Luft bleiben.

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