Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berner Doping-Doktor

Am Montag ist die Praxis des Berner Arztes durchsucht worden, der angeblich Dopingmittel verkauft und getestet hat.

In diesen Probefläschchen werden Urinproben auf Dopingsubstanzen untersucht.

In diesen Probefläschchen werden Urinproben auf Dopingsubstanzen untersucht. Bild: Keystone

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Ein Berner Arzt soll über Jahre Sportlern aus aller Welt beim Dopen geholfen haben. Seine Verbindungen reichen dabei angeblich auch nach Russland. Äusserst heikel sind die Kontakte zu Sergei Portugalow, einer Schlüsselfigur des in Russland staatlich organisierten Dopingskandals. Dies berichtet das Onlinemagazin «Republik».

Am Montag dieser Woche kam es offenbar zu einer Hausdurchsuchung in der Praxis des Arztes in Bern. Dies bestätigt nun Staatsanwalt Christoph Scheurer gegenüber dem «Bund». Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne er keine weiteren Informationen erteilen. Insbesondere bezüglich einzelner Zwangsmassnahmen wie der Hausuntersuchung. Für den Berner Arzt gilt die Unschuldsvermutung.

Die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelte bereits früher gegen den Arzt. Am 31. März 2010 schloss sie aber die Akte, weil sich die Vorwürfe nicht erhärten liessen.

Bislang keine Stellungnahme

Wer die Praxis in Bern aufsucht, erhält dort angeblich umfassende Beratungen zum Einsatz von Hormonen oder anderen Dopingmitteln. Dabei klärt der Arzt auch darüber auf, welche Risiken die Sportler eingehen und wie hoch die Gefahr sei, dass die illegalen Methoden entdeckt würden – inklusive allfälliger strafrechtlicher Sanktionen.

Es stehen aber weitere Vorwürfe im Raum. So soll der Berner Arzt ein unbekanntes Dopingmittel getestet haben und nicht nur beratend tätig gewesen sein, sondern verbotene Dopingmittel wie Testosteron auch angeboten haben. Eine Stellungnahme des Arztes ist bislang nicht erfolgt.

Ärzteverband droht mit Ausschluss

Der Ärztegesellschaft des Kantons Bern ist der Doping-Arzt nicht bekannt. «Es gilt, die Resultate der Ermittlungen abzuwarten. Treffen die medial geschilderten Vorwürfe zu, so sind diese Praktiken scharf zu verurteilen», sagt Mediensprecher Marco Tackenberg. Bei jedem Berufsstand gebe es schwarze Schafe. «Für Ärztinnen und Ärzte gelten aber spezielle ethische Verpflichtungen gegenüber ihren Patienten.» Als Berufsverband stelle sich in solchen Fällen die Frage eines Standesverfahrens bis hin zur Sanktionsmöglichkeit eines Ausschlusses. Dies komme aber nur bei einem abgeschlossenen Strafverfahren infrage.

Die Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin (SGSM) vertritt eine «Nulltoleranz» beim Thema Doping, wie sie auf Anfrage des «Bund» sagt. Der medial beschuldigte, selbst ernannte Sportarzt sei kein Mitglied der SGSM und besitze den von der FMH anerkannten Fähigkeitsausweis Sportmedizin nicht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2018, 16:32 Uhr

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