Spitäler schliessen sich beim Medikamentenkauf zusammen

Beim gemeinsamen Arzneimittel-Einkauf scheint jene Zusammenarbeit der Spitäler zu funktionieren, welche die Kantonsregierung zwingend will.

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Matthias Raaflaub

Die bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) will die Spitäler mit einer Reorganisation dazu bringen, stärker zusammenzuarbeiten. Die Ankündigung im Revisionsentwurf des Spitalversorgungsgesetzes sorgte bei Spitälern für Aufregung und wenig Freude (siehe Infokasten links). Am selben Tag, an welchem Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) vor die Medien trat, wurde auch ein neuer Verein gegründet, welcher den Einkauf von Arzneimitteln und Medikamenten unter den Spitälern institutionalisiert.

Spitalgruppen organisieren sich selber

Dem Verein 2SH.ch gehören unter anderem die grössten bernischen Regionalen Spitalzentren Spital STS, SRO, RSE, FMI und das Spitalzentrum Biel an sowie weitere Spitäler und Heime. Lediglich das Inselspital und die Spital Netz Bern AG sind nicht dabei – da sie sich im Prozess zum Zusammenschluss befinden. Vorerst Beobachterstatus geniessen die Psychiatriezentren UPD Bern und Münsingen. Und die grossen privaten Spitalgruppen organisieren sich noch selber.

Fünf bis zehn Prozent günstiger

Für BDP-Grossrat Enea Martinelli, den Gründungspräsidenten des Vereins und Spitalapotheker der FMI-Gruppe, beweist diese Initiative, dass die Zusammenarbeit der Spitäler untereinander schon heute Früchte trägt. Die Mitglieder des Vereins 2SH.ch – die Abkürzung steht für «strategic sourcing for hospitals», strategische Beschaffung für Spitäler – setzen als Einkaufsgemeinschaft rund 45 Millionen Franken um. Die Zusammenarbeit ist aus dem fachlichen Austausch der Spitalapotheker entstanden und werde weiterhin auf eine «Struktur, die kostet», verzichten, so Martinelli.

Der Vorteil der Einkaufsgemeinschaft: Gegenüber den Pharmaanbietern haben die teilnehmenden Spitäler eine stärkere Verhandlungsposition. Sie können damit Arzneimittel vor allem durch die Menge 5 bis 10 Prozent günstiger beziehen. Wie stark ein einzelnes Spital profitiert, ist aber unterschiedlich. Ein Vorbild hat die Einkaufsgemeinschaft in Dänemark, wo ein Koordinationsorgan den Erwerb der Arzneimittel für alle Spitäler erledigt.

Gewisse Synergien gar nicht möglich

«Das ist gut», sagt Spitalamts-Vorsteherin Annamaria Müller zum gemeinsamen Einkaufsprojekt. Allerdings sei diese Kooperation erst ein Anfang. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion rechnet damit, dass die Spitäler noch in grösseren Bereichen zusammenarbeiten und sparen könnten, wenn sie zusammengeschlossen wären.

Eines der Argumente für eine kantonale Spitalholding oder Spital-AG. Diese Support-Leistungen umfassten etwa auch die Informatik oder den Wäschedienst. Solange es aber einzelne Aktiengesellschaften gebe, könnten gewisse Synergien gar nicht erzielt werden, meint Müller.

«Symptomatisch» für GEF

Für Martinelli ist der Bereich Medikamenteneinkauf aber «symptomatisch» für das Vorgehen der Direktion bei der Planung des bernischen Gesundheitswesens. Laut dem Grossrat kamen die Pläne zur stärkeren Anbindung der Spitäler an den Kanton überraschend. Die Apotheker seien zu den erwarteten Vorteilen nicht angehört worden, sagt er. «Stattdessen glaubt die GEF, dass der Kanton diese Aufgabe besser erfüllt.» Allerdings sei fraglich, ob dort überhaupt das Fachwissen vorhanden sei, um eine kantonale Stelle für den Einkauf zu führen.

Ebenso ist für Martinelli eine zentrale Anschaffung nicht unbedingt von Vorteil. Es sei der Vorteil des neuen Vereins, dass niemand den Spitälern vorschreibe, welche Produkte sie abnehmen müssten. «Da hat weiterhin jedes seine eigenen Philosophien.»

Der Bund

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