Sommer der Pop-up-Bars – jetzt wird abgerechnet

Der Sommer bescherte temporären Freiluft-Bars viel Erfolg. Zahlen zeigen jetzt: Viele geniessen finanzielle Privilegien. Zum Saisonende fordert die Gastroszene gleich lange Spiesse für alle.

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Die lauen Abende sind passé. Mit ihnen verabschieden sich nach und nach auch die bunten Buvetten in und um Bern. Der Sommer brach Rekorde: Nie gab es mehr Pop-up-Bars – nie kamen mehr Leute. Beat Hofer, Betreiber des Summer Beach auf der Grossen Schanze, bestätigt: «Erstmals hatten wir in einer Saison mehr als 100 000 Gäste.» Hofer ist schon lange im Geschäft. Bereits zum neunten Mal karrte er Sand und Lounge-Mobiliar heran und wieder weg.

Sommerbars in und um Bern

Sein Summer Beach ist die älteste und bestbesuchte temporäre Bar und auch sonst eine Ausnahmeerscheinung: Nur sie ist durch einen Zaun abgesperrt. Es gibt zwar keine Pflicht, etwas zu konsumieren, wie in Strassencafés oder Bars. Zutritt haben aber nur Personen ab 18 Jahren oder Kinder in Begleitung ihrer Eltern. «Das ist nötig», sagt er. Denn das Mobiliar habe 250 000 Franken gekostet und die Vorschriften für den Alkoholausschank seien streng.

Aare-Bar sammelt Unterschriften

Alle anderen Buvetten sollen dagegen für jedermann zugänglich sein. Das ist der erklärte Wille der Stadt, aber auch anderer Gemeinden, die auf öffentlichem Grund Buvetten bewilligen. Nicht jeder, der sich hinsetzt, soll etwas konsumieren müssen. Das ist der Kompromiss, den die Betreiber eingehen, wenn sie öffentlichen Raum belegen. Für die Betreiber der Aare-Bar, die sich erstmals beteiligten, geht das in Ordnung. Sie nehmen es auch gerne auf sich, hie und da Jugendliche am Aareufer aufzufordern, etwas weniger laut zu sein. Denn die Anwohner am Dalmaziquai gegenüber haben auch einmal genug vom Trubel. Dies gelte es zu respektieren. Die drei jungen Gastronomen der Aare-Bar, Alex Rieder und David und Lukas Brantschen, wollen auch im nächsten Sommer wieder Container, Tisch und Stühle aufstellen. Das wenigstens ist ihr erklärter Wunsch. Denn die Investitionen von 80 000 Franken liessen sich nicht in einem Sommer amortisieren, wie sie betonen. Sie sammeln darum Unterschriften für eine nächste Saison. Die Stadt will sich aber noch nicht festlegen. Eventuell sei es sinnvoller, den Standort zumindest zu verschieben. So verteilten sich «Freuden und Leiden» besser, sagt Gemeinderat Reto Nause (CVP) im Interview.

Zwei Forderungen

Wie «Bund»-Recherchen zeigen, zahlt die Aare-Bar 2400 Franken für das Grundstück. Auf der Grossen Schanze sind es 30 000 Franken pro Bar. Das ist so viel, wie ein normales Restaurant für seinen Aussenbereich entrichten muss. Andern erlässt die Stadt die Gebühren gar (siehe kleiner Artikel).

Tobias Burkhalter, Präsident des Wirteverbands Gastro Stadt Bern und Umgebung, erreichen nicht zuletzt deswegen Kritik und Klagen aus den Reihen der Mitglieder. An der Münstergasse zum Beispiel ringt das koreanische Restaurant Chun Hee um einen grösseren Aussenbereich. Sonst sei der Betrieb im Sommer einfach nicht finanzierbar. Nun bietet die Stadt Hand zu einem Kompromiss (Artikel vom Donnerstag).

Burkhalter fordert jetzt gleiche Rahmenbedingungen für alle Gastronomen. Die Grundlage für die Vermietung öffentlichen Bodens sei die städtische Gebührenordnung. Sobald für alle dieselben Massstäbe gälten, werde sich die Situation einpendeln, ist Burkhalter überzeugt. Dann werden sich solide Konzepte bewähren und Eintagsfliegen verschwinden. Ebenfalls unbefriedigend ist für ihn die Lage beim Wirtepatent, doch da sei man auf guten Wegen. In Zürich reiche dafür ein halber Tag, in Bern dagegen würden teure Kurse fällig – jedoch nicht für alle. Wer einen kleinen Betrieb mit höchstens 30 Plätzen führe, komme darum herum. Das kantonale Gastgewerbegesetz werde nun voraussichtlich auf den 1. Januar 2019 angepasst. Insgesamt hält Burkhalter temporäre Angebote für eine Bereicherung: «Sie machen die Stadt attraktiver.» Etablierte Betriebe könnten davon profitieren. Etwa wenn Gäste sich am einen Ort zum Apéro, am andern dann zum Essen niederliessen.

Gebühren gegen Sicherheiten

Summer-Beach-Betreiber Hofer unterstützt Burkhalters Forderungen grundsätzlich. Er hat sich auch schon geärgert, wenn nicht überall mit gleicher Elle gemessen wurde. Die Betreiber der Aare-Bar machen geltend, dass man auch ein Risiko eingehe, wenn man an einem neuen Standort beginne. Man helfe der Stadt zudem, Probleme zu entschärfen, indem man etwa auf den Steinblöcken am Aareufer zum Rechten sehe. Höhere Gebühren wären für die Aare-Bar-Betreiber unter zwei Bedingungen tragbar: bei einer Saison, die länger als drei Monate dauere, und bei mehr Planungssicherheit. Sonst werde es schwierig.

(Der Bund)

Erstellt: 01.09.2018, 08:08 Uhr

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Köniz verrechnet Bar Campo variable Gebühren

In der Stadt Bern steckt die Gebührenordnung ab, wie viel öffentlicher Grund kostet. Das Kornhauscafé etwa zahlt pro Jahr 28700 Franken. Berechnet wird die Gebühr laut Gewerbepolizei pro Quadratmeter. Im Sommer ist der Aussenbereich deutlich grösser als im Winter. Auf einer vergleichbaren Höhe bewegt sich die Miete des Einstein au Jardin auf der Münsterterrasse. Die grossen temporären Bars Summer Beach und Peter Flamingo auf der Grossen Schanze werden heute bereits in etwa gleich behandelt wie konventionelle Restaurants mit Aussenbereich. Sie bezahlen für 100 Tage 30000 Franken. Andere wie die Aare-Bar oder die Trybhouz-Bar kommen deutlich günstiger weg. Das Neustadtlab auf der Schützenmatte oder das Festival Parkonia im Kocherpark zahlen gar nichts. Auch Gemeinden ausserhalb Berns gehen unterschiedliche Wege. Ittigen verlangt von der Bar Wagen zum Glück bei Worblaufen lediglich Gebühren für Abfall, Strom und Wasser. Diese müssen alle Betriebe selber tragen. Wohlen verrechnet der Bar Bogen 17 am Wohlensee die Tage, an denen sie geöffnet hat. Interessant ist der Ansatz der Gemeinde Köniz bei der Bar Campo im Liebefeldpark. Die Betreiber haben die Gewähr, dass sie mehr als ein Jahr wirten können, und die Gebühr ist variabel. Sie beträgt fünf Prozent des Umsatzes, aber mindestens 10000 Franken. Dies basiere auf Empfehlungen des Branchenverbands Gastrosuisse, teilt die Gemeinde mit. Die Regelungen von Köniz und Wohlen berücksichtigen, dass nicht jeder Sommer so mediterran wie 2018 sein wird, sondern auch einmal weitgehend ins Wasser fallen kann. (cab)

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