Schneggs Geheimplan

Uwe E. Jocham verfügt an der Spitze der Insel-Gruppe bald über grosse Machtfülle. Darauf hat Gesundheitsdirektor Schnegg lange hingearbeitet – Einwände hat er dabei ignoriert.

Auch als Insel-CEO wird es der frühere CSL-Behring-Manager Uwe E. Jocham noch mit Baustellen zu tun bekommen.

Auch als Insel-CEO wird es der frühere CSL-Behring-Manager Uwe E. Jocham noch mit Baustellen zu tun bekommen. Bild: Adrian Moser

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Uwe E. Jocham ist der neue starke Mann der Insel-Gruppe. Nachdem er auf Antrag des Regierungsrats im Dezember zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt wurde, übernimmt er per 1. Februar auch das Amt des CEO. Uwe E. Jocham verfügt damit über eine Machtfülle, die von Experten gemeinhin als heikel bezeichnet wird.

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) sagt, die Ernennung zum CEO obliege «einzig dem Verwaltungsrat» und stehe «nicht im Einflussbereich des Regierungsrats oder der Gesundheitsdirektion (GEF)». Doch die Recherchen des «Bund» zeigen anderes. Uwe Jocham ist der starke Mann der Insel Gruppe, weil Schnegg dies unbedingt wollte.

Um sein Ziel zu erreichen, verfolgte Schnegg einen minutiösen Plan und nahm anders als gesetzlich vorgesehen direkten Einfluss. In der Umsetzung führte dieser nicht nur zu den überraschenden Abgängen des bisherigen Verwaltungsratspräsidenten und des bisherigen Geschäftsführers; der Gesundheitsdirektor schlug auch Warnungen eines externen Gutachtens in den Wind, das vor «Interessenskonflikten» und einer «enormen Machtkonzentration» warnte.

Anfang Juni verlässt der in Bern als Unternehmer geschätzte Uwe E. Jocham die Biotechfirma CSL Behring, deren Berner Produktionsstätte er zuvor zwölf Jahre geleitet hatte. Anschliessend suchten Schnegg und zwei weitere Regierungsräte das Gespräch mit Jocham. Jocham habe sein Interesse signalisiert, sagt der damalige Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer gegenüber dem «Bund», Jocham habe jedoch eine Bedingung gestellt. Er will nicht einfacher Verwaltungsrat werden, sondern gleichzeitig auch CEO sein. Lohnforderung: mindestens 750'000 Franken.

Rohrer, der weiterhin Verwaltungsratspräsident bleiben sollte und wollte, opponierte. «In einem Unternehmen, das 1,4 Milliarden umsetzt, ist eine Gewaltentrennung unabdingbar», sagt Rohrer heute dazu. Er habe Jocham aber gerne als einfaches Mitglied des Verwaltungsrats gewollt, aber nicht gleichzeitig auch als CEO.

Kritik am Plan

Doch in der GEF ist man Feuer und Flamme für Jocham als neuen starken Mann. Schnegg will frischen Wind. Bereits am 17. Juli wird ein «provisorischer Zeitplan» erstellt, der dem «Bund» vorliegt. Darin werden die 14 Schritte benannt, die zur Installation von Jocham im Doppelamt gemacht werden müssen. Das Dokument wird VR-Präsident Rohrer zur Umsetzung vorgelegt. Doch er ist nicht einverstanden. Ebenso wenig mit der Forderung, den CEO Holger Baumann durch Jocham zu ersetzen. Rohrer sagt, er habe daraufhin die Mitglieder seines Verwaltungsrats konsultiert. Diese hätten die Ernennung von Jocham zum VR begrüsst. «Dass Jocham aber gleichzeitig VR-Delegierter und CEO werden sollte, löste damals heftige Ablehnung aus.»

Auch ein von der GEF eigens bei der Firma Häusermann und Partner in Auftrag gegebenes Kurzgutachten mit dem Titel «Der Delegierte des Verwaltungsrates» stützt die Pläne Schneggs nicht. Wenn ein Verwaltungsratsmitglied gleichzeitig VR-Delegierter und CEO sei, sei es für den Gesamtverwaltungsrat «schwierig, seine Führungskontrolle wahrzunehmen». Auch würden «konstruktive Diskussionen» zwischen dem VR-Präsidenten und dem CEO «durch die Personalunion ausgeschaltet». In der GEF hält man gleichwohl an den Plänen fest.

Einer spielt nicht mit

Man ist sich bewusst, dass das Geschäft heikel ist. Es herrscht höchste Geheimhaltung. Auch in der Direktion ist einzig ein kleiner Kreis eingeweiht; selbst hohe Kaderangestellte wissen nicht Bescheid. Doch in der Direktion macht zum Ende der Sommerferien das Gerücht die Runde, «dass in einem Spital ein ganz heikles Geschäft» ansteht, wie sich eine Person erinnert. Schnegg macht nun vorwärts. Wie im «provisorischen Zeitplan» vorgesehen, wird das Regierungsgeschäft Mitte August «eingespeist». Das Geschäft wird in der Kantonsregierung traktandiert. An die Regierungsratssitzung vom 6. September wird auch Rohrer eingeladen. Erneut bringt er seine Bedenken vor. Doch die Meinungen sind gemacht.

Weil Verwaltungsratspräsident Rohrer keinen CEO Jocham will, muss Rohrer gehen. Zwei Wochen nach jener Sitzung gibt die GEF die für viele Aussenstehende überraschende Trennung von Rohrer bekannt. CEO Baumann wird im Dezember zum Rücktritt gedrängt. In der GEF kommt es nun zu einer Planänderung. Ursprünglich sollte Jocham in einem ersten Schritt zum einfachen Verwaltungsratsmitglied gewählt und erst nach wenigen Wochen – so bestätigen es mehrere Quellen – auch zum CEO gemacht werden. Weil Rohrer nicht mitspielt, macht man Jocham in einem ersten Schritt zum VR-Präsidenten und zum interimistischen CEO.

Man starte den Findungsprozess nach einem neuen CEO, sagte Schnegg vor Weihnachten. Das könne bis zu einem Jahr gehen. Doch wie nun klar ist, währte diese Suche nicht lange. Am Mittwoch wurde Jocham definitiv zum CEO ernannt. Gemäss der Insel-Gruppe wird nun ein neuer VR-Präsident gesucht. Quellen sagen aber, dass Jocham Verwaltungsrat und Delegierter bleiben wird – Schnegg dementiert diese Option nicht. Sein Plan ist aufgegangen. Jocham ist nun der starke Mann. (Der Bund)

Erstellt: 26.01.2018, 20:36 Uhr

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