Schliessung des Schlössli Ins: Happige Vorwürfe gegen Jugendamt

Anfang Juli soll das Schulheim Schlössli Ins geschlossen werden. Nun fordert Michel Seiler den Kanton auf, die Schliessung rückgängig zu machen.

Soll geschlossen werden: Das Schulheim Schlössli Ins.

Soll geschlossen werden: Das Schulheim Schlössli Ins.

(Bild: Adrian Moser)

Michel Seiler ist erschüttert. Das kantonale Jugendamt hat vor einer Woche bekannt gegeben, dass das Schulheim Schlössli Ins, das Seilers Eltern vor über sechzig Jahren ins Leben gerufen haben und das zurzeit 40 Kinder und Jugendliche beherbergt, geschlossen werden soll. Diese Entscheidung will Seiler nicht hinnehmen. Im Namen von 30 Mitarbeitern fordert er: «Das Jugendamt soll den Beschluss rückgängig machen. Hier und jetzt.» «Die Schliessung wird definitiv, wenn der Entscheid rechtskräftig ist», sagt Andrea Weik vom Jugendamt. Im Rahmen einer Beschwerde kann der Entscheid noch auf Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit geprüft werden.

Unlösbarer Konflikt

Zur Schliessung des Heims kam es aufgrund eines unlösbaren Streits zwischen der Stiftung Seiler auf der einen und der Heimleitung einschliesslich des Vereinsvorstands auf der anderen Seite. Die Stiftung Seiler, der auch Michel Seiler und sein Bruder Ueli Seiler angehören, vermietet das Grundstück, der Verein ist für die strategische Führung verantwortlich. Laut Michel Seiler seien ohne Rücksprache mit den Mitarbeitenden zunehmend einschneidende Änderungen beschlossen worden, die der Stiftungstradition zuwiderliefen. So zum Beispiel, dass die Betreuer nicht mehr mit den Kindern in denselben Häusern wohnen durften. Trotz eines Briefs der Belegschaft habe sich der Austausch mit dem Vorstand und der Heimleitung nicht verbessert. Im Mai 2013 habe sich Ueli Seiler, selbst ehemaliger Heimleiter und Präsident der Stiftung, eingeschaltet.

Der Konflikt eskalierte, das Jugendamt ordnete eine Mediation zwischen den Konfliktparteien an, die jedoch erfolglos blieb. Am 8. Januar 2014 beschlossen der Vorstand und die gesamte Geschäftsleitung des Vereins, auf Ende März zurückzutreten und der Heimleiterin zu kündigen. Aufgrund dieser Entwicklungen kam das kantonale Jugendamt zum Schluss, dass die Voraussetzungen zur Führung des Heimbetriebs nicht mehr gegeben seien. Anfang Juli soll das Heim nun geschlossen werden.

Nahm Jugendamt Einfluss?

Für Michel Seiler ist die Schliessung des Schlössli «eine Katastrophe». «Das kann man nicht respektieren», sagt er. Und er erhebt gleichzeitig Vorwürfe gegen das kantonale Jugendamt: Dieses habe sich einseitig verhalten und mit dem Vorstand und der Heimleitung immer nur eine der Konfliktparteien angehört. Die mit der Führung unzufriedenen Mitarbeiter seien nicht in eine Lösungsfindung involviert worden. An einer Vereinsversammlung vom 17. September 2013 habe das Jugendamt gar direkt Einfluss genommen und gedroht, das Heim zu schliessen, falls der Vorstand abgewählt werden sollte.

Jugendamt weist Vorwürfe zurück

Andrea Weik nimmt zu den Vorwürfen wie folgt Stellung: Das Jugendamt habe als Aufsichtsbehörde gegenüber Mitarbeitenden in Heimen keine Führungsaufgabe wahrzunehmen, sagt sie. Es sei eine professionelle Mediation angeordnet worden, wobei auch der Einbezug der Mitarbeitenden vorgesehen gewesen sei. Eine direkte Mitarbeiterbefragung wäre rechtlich und fachlich verfehlt gewesen. «Uns war wichtig, Distanz zu wahren und rollenbewusst vorzugehen.» Weik bestreitet, dass das Jugendamt an der Vereinsversammlung Partei ergriffen hat: «Wir haben auf die Gefahr eines führungslosen Zustands hingewiesen, falls der Konflikt nicht konstruktiv und respektvoll gelöst werden kann.» Wenn Führungsstrukturen wegfielen, falle damit auch eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt einer Betriebsbewilligung weg, sagt sie. Schliesslich bestreitet Weik auch den Vorwurf der unverhältnismässigen Schliessung. Sämtliche Schlichtungsbemühen sowie die Mediation seien gescheitert. Und Voraussetzung für eine Betriebsbewilligung sei unter anderem auch eine funktionierende Führungsstruktur. «Diese Voraussetzungen waren im Heim nicht mehr erfüllt und das Wohl der Kinder somit nicht mehr gewahrt.» Die Öffentlichkeit habe ein Interesse an funktionierenden Institutionen, weil Heimgelder aufgewendet würden. Auch darum sei es wichtig, dass das Jugendamt seine Aufsichtsfunktion ernst nehme. Das Wohl der Kinder im AugeWas die Kinder und Jugendlichen anbelange, habe das Jugendamt für jedes einzelne Kind eine professionelle Abklärung angeordnet, sagt Weik. Michel Seiler wiederum befürchtet, dass die Kinder, die oft schon traumatisiert seien, gerade die Leidtragenden bei der Schliessung des Heims seien. Laut Seiler sind die verbleibenden Mitarbeiter aber entschlossen, ein neues Konzept auszuarbeiten und eine Betriebsbewilligung zu beantragen.

Der Bund

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