Rückendeckung für Pfarrerin Ella de Groot

Die Kirchenleitung der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn stellt sich hinter die Pfarrerin Ella de Groot. Ihre theologische Position und sorgte für Diskussionen im In- und Ausland.

«Gott ist für mich etwas Innerweltliches – Lebenskraft, Lebensenergie.»

«Gott ist für mich etwas Innerweltliches – Lebenskraft, Lebensenergie.»

(Bild: Manu Friederich)

Nach Ansicht des Synodalrats versucht Ella de Groot, die Botschaft der Bibel in einer neuen Sprache zu formulieren, wie die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn am Montag mitteilten. Damit erfülle die Pfarrerin ihren Auftrag, das Evangelium nach bestem Wissen und Gewissen zu verkünden.

Die Suche nach einer neuen Sprache für den christlichen Glauben entspreche der Haltung des gesamten Synodalrates. Im Unterschied zu den pointierten Titeln der Medienbeiträge verstehe sich de Groot auch nicht als Atheistin.

Mitte Juli hatte die reformierte Pfarrerin in der Sendung «Perspektiven» von Radio SRF2 ihre theologische Position dargelegt. Das Gespräch war unter dem Titel «Hört auf zu glauben!» angekündigt worden. Im Vorfeld hatte die «Berner Zeitung» über die Position de Groots mit dem Titel «Frau Pfarrer glaubt nicht an Gott» berichtet.

Grosse Verunsicherung

Sollten Mitglieder der Pfarrschaft Gott tatsächlich leugnen, müsste der Synodalrat deutlich widersprechen, heisst es in der Mitteilung der reformierten Kirchen. Die Kirchenleitung würde solche Pfarrer auf ihre Verpflichtung durch Ordination und Verfassung erinnern.

De Groot habe mit einigen ihren Äusserungen selbst dazu beigetragen, dass in der Öffentlichkeit dieser Eindruck entstanden sei, schreibt die Kirchenleitung. Die Pfarrerin habe wohl zu wenig beachtet, dass religiöse Aussagen sehr differenziert sein müssen und dadurch bei vielen Menschen grosse Verunsicherungen provozierten.

Gemäss den Medienberichten sagte de Groot unter anderem, sie glaube nicht an einen personalen, ausserweltlichen Gott. Für sie sei Gott etwas Innerweltliches, die Lebenskraft, die Lebensenergie.

Aussagen mit Skandalwert

Mit ihren Auffassungen bewege sich de Groot aber im Spektrum dessen, was in der reformierten Kirche vertreten wird, hält die Kirchenleitung fest. Die pointierten Aussagen der Pfarrerin hätten einen gewissen Skandalwert und seien deshalb medial interessant.

Im Übrigen versuchten auch andere Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrer täglichen Praxis, das Evangelium für Menschen von heute verständlich zu machen. Allerdings erregten diese Pfarrerinnen und Pfarrer damit selten die Aufmerksamkeit der Medien.

Die Kirchenleitung könne und wolle ihre Pfarrerinnen und Pfarrer nicht massregeln. Sie erwarte aber von ihnen, dass sie sich der öffentlichen Diskussion stellen.

gbl/SDA

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