Regierungsrat will Lehrpläne nicht vor das Volk bringen

Der Berner Regierungsrat spricht sich gegen die Initiative «Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!» aus.

Bernhard Pulver erläuterte die Nachteile der Volksinitiative (Archivbild).

Bernhard Pulver erläuterte die Nachteile der Volksinitiative (Archivbild). Bild: Adrian Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Berner Kantonsregierung stellt sich gegen die Initiative, die zum Ziel hat künftige Lehrpläne durch Volksabstimmungen absegnen zu lassen. «Eine Annahme der Vorlage würde Unsicherheit und Unruhe im Berner Bildungswesen auslösen», schreibt der Regierungsrat in einer Medienmitteilung am Dienstagvormittag. Er verweist darauf, dass der Grosse Rat schon heute genügend Instrumente hat, um Finanzen und das Volksschulgesetz zu steuern. «Die Regierung ist überzeugt, dass die Lehrpläne weiterhin fachlich und nicht politisch diskutiert werden sollten.»

Der Kanton Bern ist nicht der erste, der über eine solche Initiative abstimmt. Zuvor hat es bereits in Aargau, Appenzell Innerrhoden, Schaffhausen, Solothurn und Thurgau ähnliche Begehren gegeben. Alle wurden sie abgelehnt.

Ohne Lehrplan entsteht Lücke

Wie es in der Mitteilung heisst, habe die Mehrheit des Grossen Rates bereits mehrfach deutlich gemacht, dass sie keine pädagogisch-didaktische Debatte über Lehrpläne führen will. Mit der Genehmigung des Budgets und des Finanzplans habe der Grosse Rat den zusätzlichen Lektionen des Lehrplans 21 zugestimmt. Insbesondere bewilligte er die Änderung der Lektionentafel und die Weiterbildung der Lehrkräfte. Regierungsrat Bernhard Pulver sieht deswegen den Lehrplan 21 «sehr wohl» als demokratisch legitimiert. Der neue Lehrplan sei ein Gemeinschaftswerk der 21 Deutschschweizer Kantone, der die Ziele der Volksschule vereinheitlicht und damit die Mobilität zwischen den Kantonen verbessert.

Zudem warnt Pulver von den Auswirkungen einer Ablehnung des Lehrplans 21. Eine entsprechende Volksabstimmung könnte frühestens 2020 erfolgen. Sie würde also zu einem Zeitpunkt stattfinden, zu dem die Lehrkräfte für den neuen Lehrplan geschult und der allergrösste Teil der Schülerinnen und Schüler bereits seit ein bis zwei Jahren nach dem Lehrplan 21 unterrichtet wurden. Würde der Lehrplan 21 ausser Kraft gesetzt, müssten Übergangsregelungen sicherstellen, was gelten würde, bis der Grosse Rat oder allenfalls das Volk einen neuen Lehrplan in Kraft setzt. (mer/pd)

Erstellt: 30.01.2018, 11:23 Uhr

Artikel zum Thema

Lehrplan-21-Gegner ziehen ohne Geld in den Abstimmungskampf

Die Gegner des Lehrplans 21 haben am Dienstag den Abstimmungskampf zu ihrer Volksinitiative eröffnet. Mehr...

Die Lehrplan-Gegner hoffen auf das Volk

Wird die Lehrplan-Initiative angenommen, könnte der Lehrplan 21 nachträglich ausser Kraft gesetzt werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Wer ist hier der Gockel: Zwei Truthähne warten im Willard Intercontinental Hotel in Washington auf ihre Begnadigung durch Donald Trump. Die meisten anderen Turkeys landen zu Thanksgiving im Ofenrohr (18. November 2018).
(Bild: Jacquelyn Martin) Mehr...