Regierungsrat setzt auf umstrittene BLS-Werkstätte im Chliforst

Die grüne Wiese am Wald im Westen der Stadt Bern soll es sein. So sieht es Berns Kantonsregierung. Der Berner Gemeinderat dagegen will, dass bestehende Anlagen genutzt werden.

Die Wiese des Chliforst. Hier will die BLS eine Werkstätte bauen lassen.

Die Wiese des Chliforst. Hier will die BLS eine Werkstätte bauen lassen.

(Bild: Adrian Moser)

Der Regierungsrat des Kantons Bern schlägt den Standort Chliforst Nord für den Bau der neuen BLS-Werkstätte vor. Dies teilte er am Donnerstagmorgen in einer Mitteilung mit. Die Stellungnahme ist zugleich die Antwort des Regierungsrats an den Bund im Rahmen der Anhörung für das geplante Projekt. Die Regierung stützt damit die Empfehlung jener Begleitgruppe, die in den letzten Jahren versucht hatte, eine einvernehmliche Lösung bei der Suche nach dem Standort zu finden. Die Begleitgruppe empfahl nach ihrer Evaluation ebenfalls den Standort Chliforst.

Die Begleitgruppe hatte neben dem Chliforst Nord auch den Standort Niederbottigen geprüft. Die Regierung findet den Standort Chliforst gemäss Mitteilung die «bessere Lösung». Sie bedaure es jedoch, dass kein optimaler Standort für die neue Werkstätte in einer bestehenden Bauzone oder in einem bereits überbauten Gebiet gefunden werden konnte.

Gegner hoffen auf Neuhaus

Die Gegner des Standorts Chliforst halten vom Vorschlag des Regierungsrats «nicht gerade viel». Dies sagt Matthias Thomet, der Präsident des Vereins Chlyforst, zum «Bund». Man sei aber auch nicht überrascht. Die Suche nach einem geeigneten Platz für die Werkstätte sei von Anfang an emotional und nicht sachlich gewesen. «Sonst wäre Chliforst gar nie infrage gekommen.»

Heftige Kritik übt Thomet an der Begleitgruppe, die vom ehemaligen SP-Grossratspräsidenten Bernhard Antener geleitet wurde. Antener und die Gruppe seien voreingenommen gewesen. Antener ist mittlerweile von der Kantonsregierung zum Mitglied des Verwaltungsrats der BLS gewählt geworden. Ein Entscheid, der im März für viel Kritik gesorgt hatte.

Im Vorschlag des Regierungsrats sieht Thomet ein «letztes Aufbäumen von Regierungsrätin Egger und ihren Parteifreunden». Die abtretende Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) hat die umstrittene Begleitgruppe ins Leben gerufen. Nun wird Eggers Amtskollege Christoph Neuhaus (SVP), derzeit Justizdirektor, ihr Amt übernehmen. «Wir sind zuversichtlich, dass bei einem Direktionswechsel die Weichen neu gestellt werden», sagt Thomet.

Für Christoph Neuhaus sieht die Sache anders aus. Der Regierungsrat habe eine Interessenabwägung zwischen den beiden Standorten vorgenommen. Die politisch breit abgestützte und unabhängige Begleitgruppe habe zahlreiche mögliche Standorte evaluiert. «Aus der Sicht des Regierungsrats war der Evaluationsprozess umfassend, transparent und nachvollziehbar», sagt er. Man sehe keinen Anlass, ihn in Zweifel zu ziehen oder weitere Evaluationen in Auftrag zu geben.

Daran werde auch ein Direktionswechsel nichts ändern. «Die Baudirektion war bei diesem Geschäft nie federführend», sagt Neuhaus. Hier gehe es darum, im Sachplan Verkehr des Bundes die raumplanerische Voraussetzungen für den Bau der BLS-Werkstätte zu schaffen. «Die Raumplanung ist im Kanton Bern in der Justiz- und nicht in der Baudirektion angesiedelt.»

BLS rechnet mit Entscheid bis Ende 2018

Auch der Berner Gemeinderat kann mit dem Vorschlag des Regierungsrats wenig anfangen: Die möglichen Standorte beim Chliforst und in Niederbottigen lehnt er grundsätzlich ab. Anfang Februar hat er daher gefordert, die Verfahren zum Sach- und Richtplan neu aufzugleisen. «Wir sind immer noch der Meinung, dass es keinen Neubau braucht, sondern bestehende Anlagen genutzt werden sollten», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) auf Anfrage des «Bund». Dieser Ansicht folgt auch der Berner Stadtrat. Der Gemeinderat fordert daher, eine Weiterführung der Werkstätte Aebimatt beim Bahnhof Bern zu prüfen und Standorte auf bestehenden Industriearealen gleichwertig zu evaluieren. Erst dann käme der Standort Chliforst allenfalls infrage.

Der definitive Standortentscheid ist noch nicht getroffen. Zurzeit liegt der Ball bei der Eidgenossenschaft. Das Bundesamt für Verkehr koordiniert die Arbeiten in einem Sachplanverfahren. Die BLS erwartet einen Entscheid bis Ende 2018.

DerBund.ch/Newsnet

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