RGM triumphiert in Burgdorf

Die SP verteidigt mit SP-Mann Stefan Berger das Burgdorfer Stadtpräsidium. Der Angriff der Bürgerlichen auf die Gemeinderatsmehrheit scheitert deutlich.

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Der neue Stadtpräsident von Burgdorf heisst Stefan Berger. Der 47-Jährige hat sich gegen den bürgerlichen Konkurrenten, Francesco Rappa (BDP), deutlich durchgesetzt. Berger erhielt 2660 Stimmen, Rappa 1864. Die parteilose Aussenseiterin Cornelia Weber, frühere Leiterin des Kornhauses, fiel wie erwartet ab. Sie kam lediglich auf 484 Stimmen. Das Stadtpräsidium bliebt somit in sozialdemokratischer Hand.

Berger übernimmt das Amt von Elisabeth Zäch, die es vor acht Jahren erobert hatte. Mit diesem Resultat zeichnete sich früh am Nachmittag ab, dass es bei den Gemeinderatswahlen für das bürgerliche Lager schwierig werden dürfte. Das bestätigte sich gegen 16 Uhr: Die übrigen sechs Sitze in der Stadtregierung gingen an die beiden einzigen Bisherigen, Charlotte Gübeli (BDP) und Annette Wisler Albrecht (SP), sowie an die Neuen Francesco Rappa (BDP), Christoph Grimm (GLP), Theophil Bucher (Grüne) und Beatrice Kuster Müller (EVP).

Von den fünf Kandidaten des bürgerlichen Wahlbündnisses schafften drei die Wahl nicht. Am knappsten scheiterte in der Majorzwahl der Jungfreisinnige Elias Maier. Ihm fehlten knapp 30 Stimmen. Für die Freisinnigen ist das besonders bitter. Sie spielten in Burgdorf traditionell eine tragende Rolle.

«Er wird einer für alle sein»

Stefan Berger sagte, sein deutlicher Vorsprung habe ihn überrascht. Den Erfolg der Rot-Grün-Mitte-Parteien führte er zurück auf «die gute Arbeit, die wir in den letzten Jahren gemacht haben». Für viele Wählerinnen und Wähler stimme die Richtung. Zudem sei die Wahlkampagne nahe bei den Leuten gewesen.

Berger – er ist Chemiker und Unternehmer – will dort weiterfahren, wo Elisabeth Zäch aufhört: Stichworte dazu sind der Campus Burgdorf der technischen Fachhochschule sowie mehrere Bauprojekte.

Zäch war sichtlich erfreut über Bergers Wahl. «Er ist fleissig, kompetent, und er hat Visionen», sagte sie. «Er wird ein Stadtpräsident für alle sein.» Berger sei fähig, «Leute mitzunehmen auf seinem Weg». Dadurch werde ihm viel gelingen. Bei all den bevorstehenden Arealentwicklungen sei es wichtig, dass diese «in einer guten Art umgesetzt werden – also nicht nur renditeorientiert».

«Es gibt nichts schönzureden»

Auf bürgerlicher Seite war die Stimmung etwas gedrückt. Im Hotel Stadthaus hörte man Wortfetzen wie «brachialer Linksrutsch». Franceso Rappa, neugewählter BDP-Gemeinderat, sagte, die Situation in der Stadtregierung sei für die Bürgerlichen nun etwas «ungeschickt». Die stärkste bürgerliche Partei im Stadtparlament, die SVP, sei im Gemeinderat nicht mehr vertreten. Seine Kollegin und er müssten nun dafür sorgen, dass die bürgerlichen Anliegen in ihrer ganzen Breite aufgenommen würden.

Im Gegensatz zur Rot-Grün-Mitte-Kampagne hatten die Bürgerlichen in ihrem Wahlkampf einen veritablen Fehlstart zu beklagen. Ihr Kandidat fürs Stadtpräsidium, der Freisinnige Peter Urech, hatte sich erst im August zurückgezogen. Rappa wurde an Urechs Stelle zum Spitzenkandidaten, der relativ unbekannte Elias Maier wurde für den Gemeinderat nachnominiert. Allerdings: Urech hätte die Wahl zum Stadtpräsidenten nicht verlieren dürfen – als Gemeinderat war er wegen Amtszeitbeschränkung nicht mehr wählbar.

SVP-Nationalrätin Nadja Pieren, Kampagnenleiterin der Bürgerlichen, sagte, Burgdorf habe sich für eine Akzentuierung eines Rot-Grün-Mitte-Kurses entschieden. «Da gibt es nichts schönzureden.» Für die SVP sei bei dieser Konstellation – eine BDP-Bisherige und ein BDP-Anwärter aufs Stadtpräsidium – für den Gemeinderat nicht viel mehr zu erwarten gewesen. Sie sei aber stolz auf ihre Partei, weil sie gegenüber den Partnern Leih gehalten habe und die eigenen Sitze im Stadtrat verteidigen konnte. «Wir machten einen guten Job.»

Stadtrat: GLP gewinnt zwei Sitze

Ein Blick aufs Resultat der Parlamentswahl zeigt in der Tat ein widersprüchliches Bild: Die BDP, die im Gemeinderat stark vertreten ist, verlor im Stadtrat beträchtlich (minus zwei Sitze), während die SVP sich behaupten konnte. Die FDP vermochte den Schaden zu begrenzen: Während die Jungfreisinnigen ihren Sitz verloren, gewann die Mutterpartei einen hinzu. Nicht mehr im Rat vertreten ist die CVP.

Gewonnen haben die SP (+1) und die GLP (+2). Über alles gesehen hat das bürgerliche Lager seine bisherige Mehrheit im 40-köpfigen Stadtrat (21 Sitze) verloren und kommt noch auf 18 Sitze. 18 Sitze (bisher 17) besetzt nun auch RGM. Mit vier Sitzen spielt GLP in künftig das Zünglein an der Waage. (Der Bund)

Erstellt: 27.11.2016, 16:25 Uhr

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