«Ponte del Granaio» – für einen Tag

Anonyme italienische Fussballfans haben die «Korenhuisbrug» umbenannt, nachdem sie fünf Jahre unter dem Schild gelitten haben. Doch das Tiefbauamt kennt keine Gnade.

Nicht mehr als eine Momentaufnahme: Schon am Mittwoch wird die «Ponte del Granaio» Geschichte sein.

Nicht mehr als eine Momentaufnahme: Schon am Mittwoch wird die «Ponte del Granaio» Geschichte sein.

(Bild: Adrian Moser)

«Fünf Jahre sind genug.» Das ist die Meinung einer Gruppierung, die sicham Dienstag in einem anonymen Schreiben dazu bekannt hat, die städtische Signalisation modifiziert zu haben. Konkret: Sie hat die Kornhausbrücke umbenannt. Bekanntlich hat Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät vor fünf Jahren angeordnet, orange Schilder an der Kornhausbrücke anzubringen – als Andenken an die Festivitäten holländischer Fussballfans, die während der Europameisterschaft zu Zehntausenden über die Brücke zum Stadion gepilgert waren. Er hoffe, dass sich nicht nur die Holländer, sondern auch die Berner an den Schildern erfreuten, sagte Tschäppät bei der Einweihung.

Keine Freude hatten offenbar einige Italiener. Fast fünf Jahre haben sie die «ständige Provokation», als die sie die beiden holländischen Schilder bezeichnen, schweigend ertragen. Nun aber sind sie zur Tat geschritten. Fachmännisch haben sie auf die beiden «Korenhuisbrug»-Schilder blaue Plaketten gepappt. «Ponte del Granaio» steht darauf in weisser Farbe geschrieben. «Wir, die vielen Tifosi der Squadra azzurra, nehmen den Ponte del Granaio jetzt in Besitz», schreibt die Gruppe im Bekennerschreiben. Keinen Tag länger wollen die Berner Tifosi offenbar mehr an die Schmach erinnert werden, die ihnen die Holländer am 9. Juni 2008 in Bern zufügten. 3:0 besiegten sie damals die Italiener. Für die Klatsche revanchieren konnten sich die Italiener bis heute nicht. Zweimal trafen die beiden Nationen seither aufeinander, beide Spiele gingen unentschieden aus.

Kurze Lebensdauer für die «Ponte del Granaio»

Da Blau und Weiss nicht nur die Farben italienischer Fussballtrikots, sondern auch jene der üblichen Strassensignalisation der Bundesstadt sind, fügen sich die neuen Schilder bestens ins Stadtbild ein. Eine lange Lebensdauer wird ihnen dennoch nicht beschieden sein. Patric Schädeli, beim städtischen Tiefbauamt Leiter der Abteilung Betrieb und Unterhalt, findet die Umbenennung zwar «noch eine lustige Idee». Dennoch werde das Amt «die Kleberei» genau so behandeln wie alle anderen Kleber- oder Schmierereien. Am Mittwochmorgen werde «die Signalisation wieder in ihren Originalzustand überführt», kündete er am Dienstag an.

Stadtpräsident Tschäppät veranlasst die Umschreibaktion zu grundsätzlichen Gedanken. «Es hat alles seine Zeit», sagt er. Wenn jemand der Meinung sei, dass die Brücke nun nach fünf Jahren wieder mit blau-weissen Schildern beschriftet werden solle, stelle er sich nicht quer. Zumal die gesetzliche Grundlage für die orangen Schilder «eher dünn» sei. Einen politischen Beschluss dafür gab es nämlich nie. Allein auf Tschäppäts Geheiss hängte das Tiefbauamt die orangenen Schilder mit dem Schriftzug «Kornhausbrug» auf. Irgendwann wurden die Schilder mit neuen ersetzt, auf denen, wohl noch etwas konsequenter niederländisch, «Korenhuisbrug» geschrieben steht. Wann die Schilder ersetzt wurden, dass weiss freilich selbst Tschäppät nicht. «Die Wege der Signalisation sind unergründlich», sagt er.

Was Tschäppät aber erst recht nicht versteht, ist, weshalb die Brücke nun ausgerechnet auf Italienisch angeschrieben werden sollte. «Das kapiere ich nicht», sagt er. Falls die Italiener in einem Jahr in Brasilien Weltmeister würden und die Italo-Berner danach in Bern eine «Riesenfete» veranstalteten, könne man noch einmal darüber reden, sagt Tschäppät. Diese Ansage könnte nun allerdings die spanische Diaspora Berns ermuntern, Ansprüche anzumelden. Denn soll als Gradmesser der fussballerischen Erfolg der Nationalmannschaft dienen, steht ausser Frage, wie die Brücke heissen müsste: «Puente del granero».

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt