«Päckli»-Njet der BDP hilft der SP bei der Verteidigung ihres Stöckli-Sitzes

Für die bernische SVP wird es im Herbst fast unmöglich sein, einen Sitz im Ständerat zurückzuerobern.

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Eben hat die EVP ihre Kandidatur bekannt gegeben. Damit ist die Ausgangslage für die Ständeratswahlen am 18. Oktober weitgehend klar, auch wenn sich bis am 17. August noch weitere Kandidaten melden können: Die beiden Bisherigen werden herausgefordert von drei Frauen und zwei Männern.

Welches Szenario ist zu erwarten? «Die Zwe für Bärn»: So lautete über lange Zeit die Formel bei den Ständerats­wahlen im Kanton Bern. Die ungeteilte, bürgerliche Standes­stimme schien unantastbar zu sein. Das schier Unmögliche schaffte 2003 die heutige Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Die SP-Nationalrätin wurde vom Wahlvolk mit überwältigendem Resultat in die kleine Kammer geschickt. 2011, nach ihrer Wahl in den Bundesrat, schafften es die Bürgerlichen zunächst, die alte Ordnung wieder herzustellen. SVP-Nationalrat Adrian Amstutz gewann die Ersatzwahl.

Ein halbes Jahr später wurde er aber von SP-Mann Hans Stöckli wieder verdrängt. Hauptgrund für die Niederlage war das Misstrauen, das seit der Gründung der BDP im Jahr 2008 unter den Bürgerlichen herrscht. Amstutz erhielt im zweiten Wahlgang praktisch keine zusätzlichen Stimmen mehr (siehe Tabelle).

SVP und BDP zusammen? Nein

Diese Vorgeschichte ist nicht ohne Belang. Luginbühl und Stöckli treten dieses Jahr als Bisherige an, und die SVP möchte zurück in die kleine Kammer. Gemessen an den reinen Wähleranteilen ist die bürgerliche Zweiervertretung ein realistisches Ziel. Die wichtigste Voraussetzung dafür wäre jedoch, wie in alten Zeiten gemeinsam aufzutreten.

Doch genau dies scheint immer noch nicht möglich zu sein. BDP-Präsident Heinz Siegenthaler winkt ab. Er könne es sich nicht vorstellen, dass die BDP mit der SVP ein «Päckli» bilde. Er erachte es als sehr unwahrscheinlich, dass die BDP-Basis dies goutieren würde.

Dass die BDP zur SVP nach wie vor auf Distanz geht, hat einen Grund. Aus ihrer Optik sind die Verluste bei den letzten Kantonswahlen darauf zurückzuführen, dass die Partei als Anhängsel der SVP wahrgenommen wurde.

Werner Salzmann, Präsident der SVP, sieht das anders: Die BDP habe 2010 so grosse Gewinne erzielt, dass sie 2014 mit einem Rückgang habe rechnen müssen. Die Angst der BDP vor einem «Päckli» sei jedoch unbegründet. Vor allem diene der Verzicht auf ein Zusammengehen der bürgerlichen Sache nicht.

«Bei einer Majorzwahl müssen wir primär bürgerlich denken», sagt er. Falls die BDP diesbezüglich kein Bekenntnis abgeben werde, könnte das passieren, was vor vier Jahren passierte.

Danach sieht es zurzeit aber aus. Das Kandidatenfeld ist bereits so gross, dass kaum jemand im ersten Wahlgang das absolute Mehr schaffen wird. Blaise Kropf, Präsident der Grünen, sagt denn auch, wichtig sei nun eine gute Mobilisierung. Er sagt aber auch: Nachdem die bernische Parteienlandschaft umgepflügt worden sei – «ist die Ständeratswahl offen wie noch selten».

SVP-Mann sitzt in Trockenzone

Schafft die Wahl im ersten Anlauf niemand, treten im zweiten Wahlgang üblicherweise nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten an – voraussichtlich Luginbühl, Stöckli und Rösti. Der Clou dabei: Weil jeder Wähler zwei Stimmen abgeben kann, würden sich die Mitte-links-Stimmen auf Stöckli undauf Luginbühl konzentrieren.

2011 hatten die Grünen aus strategischen Gründen im zweiten Wahlgang sogar eine Empfehlung für Luginbühl abgegeben. Umgekehrt zeigte sich, dass Stöckli bis weit ins bürgerliche Lager hinein Stimmen holte, während SVP-Kandidat Amstutz rechts von Luginbühl gewissermassen auf dem Trockenen und damit in der Falle sass. Dass Amstutz nicht mehr zulegen konnte, hing auch damit zusammen, dass er als sehr polarisierend gilt.

Somit stellt sich die Frage, ob die SVP mit Albert Rösti in dieser Hinsicht besser dran ist. SVP-Präsident Salzmann bezeichnet ihn als «sehr liberal, offen und gradlinig». Zudem reite er zurzeit auf einer Sympathiewelle. Ursula Marti, Präsidentin der bernischen SP, beurteilt das anders: Auch wenn sich Albert Rösti von Adrian Amstutz unterscheide, so sei dieser Unterschied für die meisten Wählerinnen und Wähler nicht massgeblich. Für sie zähle das Label einer Partei, unabhängig von den Personen. Zudem dürfe der Bisherigen-Bonus nicht unterschätzt werden, sagt sie. (Der Bund)

Erstellt: 05.02.2015, 07:24 Uhr

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