Neuhaus stellt sich Gegnern

Der neue kantonale Baudirektor hat die Hoffnungen der Bieler Autobahngegner enttäuscht. Deren Alternative biete keine Vorteile und werde nicht weiter geprüft, sagt er.

Regierungsrat Christoph Neuhaus stellt sich in Biel den Gegnern des Projekts.

Regierungsrat Christoph Neuhaus stellt sich in Biel den Gegnern des Projekts. Bild: Franziska Rothenbühler

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Fast eineinhalb Stunden warten die Gegner der Bieler Westumfahrung im Nieselregen vor dem Kongresshaus, bis Christoph Neuhaus endlich auftaucht. Sie empfangen den neuen Baudirektor des Kantons Bern mit Pfannendeckeln und Trillerpfeifen und lassen ihn zunächst nicht zu Wort kommen. «Von meiner Partei bin ich es gewohnt, dass man Leute niederschreit», sagt der SVP-Magistrat schliesslich in gewohnt selbstironischer Manier. Dann nimmt er sich eine halbe Stunde Zeit, um die Fragen der Bieler Autobahngegner zu beantworten und ihre Bedenken aufzunehmen.

Sein Auftritt gestern in Biel war ein deutlicher Stilwechsel im Vergleich zu seiner Vorgängerin – mehr aber nicht. Hatte die wachsende Gegnerschaft des Westasts der Bieler Autobahnumfahrung gehofft, der Kanton werde das baureife Grossprojekt nochmals grundsätzlich überdenken, so wurde sie bitter enttäuscht. Bevor Neuhaus auf Tuchfühlung mit der Bevölkerung ging, hatte er an einer Pressekonferenz klargemacht, dass er am 2,2-Milliarden-Vorhaben festhalten will.

Wunsch: Alles unterirdisch

Mit dem Westast sollen die Schnellstrassen in Richtung Bern und Neuenburg über eine weitgehend unterirdische Umfahrung verbunden werden. Über zwei offene Anschlüsse im Zentrum sowie im Nordwesten sollen der Lokal- und Regionalverkehr möglichst bald auf die Autobahn abfliessen. Die Bewegung «Westast so nicht!» mit 2000 Mitgliedern stört sich insbesondere an den zwei je 250 Meter langen offenen Abschnitten und schlägt eine Alternative vor: Die Umfahrung soll ohne Anschlüsse durchgehend unterirdisch geführt werden. Der Lokal- und Regionalverkehr verbliebe weitgehend auf dem städtischen Strassennetz, würde aber durch die Neugestaltung eines «Boulevards» gebremst und reduziert.

Unter dem Druck des Grossen Rats hat die Baudirektion beide Varianten verglichen und kommt zum Schluss: «Die Alternatividee bietet keine wesentlichen Vorteile.» Drei Ingenieurbüros, die bereits in die Planung des Westasts involviert waren, zeigen unter anderem auf, dass die Entlastung der Quartiere bei der Alternativvariante weit geringer wäre, im einspurigen Langtunnel Sicherheitsrisiken bestünden und städtebauliche Chancen vertan würden. «Aufgrund dieser Fakten ist es nicht zielführend, die Alternative weiter zu verfolgen», so Neuhaus gestern. Weder der Bund noch der Kanton sei bereit, weitere Analysen zu finanzieren. Bisher wurden für die Planung 65 Millionen Franken ausgegeben.

Die Feststellung, die Alternative bringe «keine wesentlichen Vorteile», ist gewagt. Die vorgesehenen offenen Abschnitte sind städtebaulich zweifellos gravierende Eingriffe. Zudem würde sich das Stadtzentrum mit der Alternativvariante nicht während 16 Jahren in eine Grossbaustelle verwandeln. Entsprechend deutlich ist darum die Kritik des Bürgerkomitees: «Wir sind enttäuscht vom neuen Baudirektor, der im Fahrwasser seiner Chefbeamten Autobahnpläne aus dem letzten Jahrhundert vorantreibt», hält es fest und fordert erneut «einen echten, unabhängigen und umfassenden Variantenvergleich unter Einbezug aller Akteure». Trotz allem bleiben die Parteien im Gespräch. In den nächsten Tagen sind Veranstaltungen mit den Interessengruppen und der Bevölkerung geplant. Danach will die Baudirektion einen Vorschlag für das weitere Vorgehen erarbeiten. (Der Bund)

Erstellt: 31.08.2018, 10:53 Uhr

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