Neuhaus legt sich quer zu Stadtberner SVP

Das Plädoyer von Regierungsrat Neuhaus für eine Lockerung des Waldschutzes ist Wasser auf die Mühlen der Anhänger des Projekts Waldstadt Bremer.

Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP).

Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP).

(Bild: Franziska Scheidegger)

Simon Thönen@SimonThoenen

Die Idee, über der Autobahn im Bremgartenwald ein neues Stadtquartier zu bauen, hat schon bessere Zeiten erlebt. So strich der Gemeinderat von Bern das Projekt Waldstadt Bremer aus seinen Zielen für die Amtszeit bis 2016. Der Grund sind nicht zuletzt die rechtlichen Hürden, die es als fraglich erscheinen lassen, ob für die Waldstadt Wald gerodet werden dürfte.

Mit seinem «Tabubruch» beim Thema Waldschutz verleiht der kantonale Regierungspräsident und Planungsdirektor Christoph Neuhaus der Idee nun neuen Schub. Auf Anfrage sagt er: «Die Idee der Waldstadt ist sehr sinnvoll.» Eine offene Frage sei für ihn, ob das Projekt wirtschaftlich ist. Eine grundsätzliche Debatte über die Idee würde Neuhaus begrüssen: «Sie ist es wert, dass man sie ernsthaft diskutiert.» Pikant ist: Neuhaus ist Mitglied der SVP, deren Stadtpartei die Waldstadt bekämpft und dagegen erfolgreich eine Volksinitiative zustande gebracht hat. 2014 dürfte das Stadtberner Volk darüber abstimmen.

Waldstadt spaltet politische Lager

Entsprechend reserviert fällt die Reaktion von Roland Jakob, SVP-Fraktionschef im Stadtrat, zum Einwurf von Parteifreund Neuhaus aus. «Jeder darf seine Meinung äussern», sagt Jakob. «Wir von der Stadtberner SVP wollen auch Naherholungsgebiete rund um die Stadt erhalten.» Für einmal argumentiert der SVP-Mann wie ein Naturschützer: «Zuerst sollte man in der Stadt in die Höhe bauen, bevor man auf Neuland neue Quartiere plant.» Er bedaure zum Beispiel, dass man im Stöckackerquartier nicht höhere Neubauten geplant habe. Dass die Debatte um die Waldstadt quer durch die politischen Lager geht, ist nicht neu. So ist auch die SP in dieser Frage gespalten.

Beim Förderverein Waldstadt Bremer freut man sich über die Wortmeldung von Neuhaus. Vorstandsmitglied und SP-Stadträtin Nicola von Greyerz sagt: «Ich bin positiv überrascht, dass er die Frage, ob Bäume in jedem Fall absolut geschützt sein sollen, ohne Scheuklappen diskutieren will.»

Allerdings macht von Greyerz einen Vorbehalt. «Ich weiss nicht, ob wir jedes Wohnbauprojekt im Wald auf der Achse Biel-Bern-Thun unterstützen würden.» Dem Förderverein gehe es konkret nur um die Waldstadt Bremer. Diese sei «planerisch so bestechend gut, dass sie auch im Rahmen des bestehenden Waldgesetzes realisierbar sein sollte». Man strebe eine Ausnahmebewilligung an, nicht eine Revision des Waldgesetzes.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt